Spatenstich

Neues Recycling-Zentrum wird die Multisammelstelle ersetzen

Die Firma Schlunegger aus Büren baut hinter dem Grenchner Werkhof ein neues Recycling-Zentrum.

Oliver Menge
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Von links: Peter Krebs, Ingenieur und Planer; Daniel, Karin und Thomas Schlunegger, die Inhaberfamilie, Raphael Haudenschild von Imperiali Bauunternehmung, Hans-Ulrich Zimmermann, Geschäftsführer von Berger Bau Grenchen, Thomas Imperiali, Geschäftsführer von Imperiali Bauunternehmung, und Bauführer Alper Dümen.

Von links: Peter Krebs, Ingenieur und Planer; Daniel, Karin und Thomas Schlunegger, die Inhaberfamilie, Raphael Haudenschild von Imperiali Bauunternehmung, Hans-Ulrich Zimmermann, Geschäftsführer von Berger Bau Grenchen, Thomas Imperiali, Geschäftsführer von Imperiali Bauunternehmung, und Bauführer Alper Dümen.

Oliver Menge

An der Leuzigenstrasse, direkt hinter dem Werkhof der Stadt Grenchen, sind Anfang Woche die Bagger aufgefahren. Hier soll auf dem knapp 4000 Quadratmeter grossen Gelände eine rund 70 Meter lange und etwa 30 Meter breite Halle gebaut werden, das neue Entsorgungs- und Recyclingcenter der Firma Schlunegger Recycling AG, einer Schwesterfirma der Firma Schlunegger-Kocher Transporte AG aus Büren.

Momentan wird der Humus abgetragen. Bis Ende Jahr soll der Aushub fertiggestellt sein, im Januar werden die Leitungen verlegt, im Februar will man mit den Betonarbeiten beginnen, im April den Belags- und Stahlbau in Angriff nehmen. «Im Mai wollen wir dann mit einem Tag der offenen Tür die neue Firma und das Recycling- und Entsorgungscenter einer breiten Öffentlichkeit vorstellen», sagt Thomas Schlunegger.

Ein klassischer Familienbetrieb

Das 1959 von Fritz Kocher gegründete Unternehmen begann seine Tätigkeit ursprünglich mit einem einzigen Lastwagen. Der betriebliche Erfolg erlaubte einen kontinuierlichen Ausbau der Firma auf einen heutigen Mitarbeiterstab von gegen 30 Angestellten und einer Fahrzeugflotte von 20 Lastwagen.

Seit 1994 wird das Unternehmen in zweiter Generation von Karin Schlunegger-Kocher und Thomas Schlunegger geführt. Ihre drei Söhne Daniel, Simon und Michael sind alle bereits jetzt auch selber im Betrieb tätig: Daniel, der eben sein Psychologiestudium abgeschlossen hat, arbeitet Teilzeit, Simon ist stellvertretender Geschäftsführer. Der Jüngste im Bunde, Michael, ist begeisterter Lastwagenfahrer.

Weil die Stadt sparen muss

Weshalb aber ein neuer Entsorgungshof in Grenchen? «Das hat zum Teil natürlich mit den Sparbemühungen der Stadt Grenchen zu tun, die gewisse Leistungen im stadteigenen Werkhof künftig nicht mehr anbieten will», sagt Thomas Schlunegger. Er habe davon gehört, und da er und Karin Schlunegger schon länger ein zusätzliches Standbein im Kanton Solothurn in Erwägung gezogen hätten, sei er auf die Stadt zugekommen, die ihnen dann das Land verkauft hat.

Man will sich auch nicht auf die Stadt Grenchen beschränken, sondern die ganze Region, also von Selzach bis Lengnau abdecken. «Es entspricht auch einem grossen Bedürfnis und ist eine logische Fortsetzung der Entwicklung der vergangenen Jahre», ergänzt Karin Schlunegger. Seit der Eröffnung des Entsorgungshofs in Büren steige die Kurve nach oben. «Wir Schweizer sind Weltmeister in der Mülltrennung und im Recycling. Wir bauen, weil bei der Bevölkerung ein grosses Bedürfnis da ist. Zudem sei mit der dritten Generation das Fortbestehen des Familienbetriebes gesichert.»

Der Bereich Transporte konnte letztes Jahr ebenfalls ausgebaut werden: Schlunegger übernahm die Transportabteilung der Grenchner Sol AG. «Die Transportwege werden so auch kürzer, ein wichtiger Aspekt bei der Standortwahl.» Schlunegger bietet Überlandtransporte, Schwer- und Spezialtransporte und verfügt über eine Anzahl von Kipptransportern für die Bauwirtschaft.

Den Muldenservice beispielsweise, der bereits jetzt wichtiges Standbein der Firma ist, will man ausbauen. Die Kehrichtabfuhr von Schlunegger-Kocher wird in 19 umliegenden Gemeinden rund um Büren an der Aare betrieben und ausgeführt. Die Firma übernimmt auch Hausräumungen, Entrümpelungen, Industrie- und Gewerbeauflösungen und trennt den Müll fachgerecht. Sogar ein ganzes Schiff wurde in Büren abgewrackt und etliche ausgediente Wohnwagen auseinandergenommen und entsorgt.

Was kann abgegeben werden?

Im neuen Entsorgungshof zwischen Werkhof und Schutz und Rettung Grenchen wird man alles Mögliche entsorgen können: Sperrgut, Holz, Bauschutt, Metall, Glas wie auch ausgediente Fahrzeugteile, Pneus, Batterien, Elektroschrott, PET, Kunststoff und vieles mehr. Einiges davon ist sogar gratis, wie zum Beispiel Glas, Papier und Karton. «Wir wollen nicht in Konkurrenz mit der offiziellen Glas- und Papiersammlung treten, welche die Stadt oder die Schulen organisieren. Wir verstehen diesen Service eher als Ergänzung des Angebots», erklärt Karin Schlunegger.

Auch Elektroschrott kann kostenlos abgegeben werden. Schlunegger-Kocher verfügt über die beiden Umweltlabels SENS und SWICO: Jeder alte Fernseher, jeder ausrangierte Computer enthält eine Vielzahl von wertvollen Rohstoffen, die wiederverwertet werden können. 50'000 Tonnen ausgediente Elektro- und Elektronikgeräte recycelt SWICO Recycling pro Jahr.

Die SENS-Sammelstellen sind eine Ergänzung zu den Rückgabestellen bei den Fach- und Detailhandelsgeschäften. Bei ihnen können Haushaltsgeräte, Bau-, Garten- und Hobbygeräte, Leuchten und Leuchtmittel sowie elektronische Spielzeuge abgegeben werden. «Einen Teil der vorgezogenen Recyclinggebühr, die man beim Kauf der Geräte bezahlt, erhalten wir so zurückvergütet», erklärt Thomas Schlunegger.

Sperrgut und andere Materialien werden dem Kunden nach Gewicht verrechnet. Der neue Entsorgungshof soll denn auch mit einem modernen Waagesystem ausgerüstet werden. Auf einer Einfahrtswaage wird das Gewicht des beladenen Fahrzeugs gemessen. Nachdem das Material abgeladen ist, wird bei der Ausfahrt die Differenz gewogen und kann per Handy, Computer oder sogar per Prepaidverfahren beglichen werden. Der Mindesttarif für maximal 40 Kilogramm beträgt 10 Franken.