Grenchen

Lebensqualität und geruhsame Freizeit im Eichholz

Das Eichholz-Quartier. Hier lebts sich schon fast in der Witi und dennoch ist man nur unweit vom Stadtzentrum entfernt.

Daniela Deck
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Ein Rundgang durch das Grenchner Eichholzquartier
11 Bilder
Beim Schulhaus Eichholz trainieren auch die Strassen- und Inline-Hockeyaner
ein ruhiges Einfamilienhausquartier
Das Feld mitten auf dem Hügel hat kürzlich die Stadt gekauft.
Unten an der Schlachthausstrasse wird gebaut
Die Reihenhaussiedlung Eschenrain wurde kürzlich erweitert
Kontrast: Türkischer Supermarkt und Uhren-Edelschmiede Breitling
Der Findlingspark gehört ebenfalls zum Eichholz...
... und der Familiengarten.

Ein Rundgang durch das Grenchner Eichholzquartier

Oliver Menge

Gute Lebensqualität für die Quartierbewohner und attraktive Freizeitangebote für die ganze Stadt: So lassen sich die Vorzüge im Eichholz in einem Satz zusammenfassen. Gemütlichkeit bedeutet nicht etwa Stagnation. Hier ist einiges in Bewegung. Dass das einst geplante Einkaufscenter nie gebaut wurde, darüber sind die Eichholzerinnen und Eichholzer froh. Sie legen Wert auf ihre Ruhe, was aber nicht heisst, dass sie etwas gegen krähende Güggel und startende Flugzeuge haben.

Das Eichholz hat alles, was ein Grenchner Quartier braucht. Ein eigenes Schulhaus (erste Etappe erbaut zwischen 1958 und 1960), eine Mischung von Mehrfamilien- und Einfamilienhäusern, zwei charmante Vereinsbeizli, vom Familiengarten und von der Kleintiersiedlung, wo man im Sommer mit Freunden etwas trinken und zudem fein essen kann. Ohne den Nachteil der Innenstädte, dass man am Wochenende in den frühen Morgenstunden von einer bierseligen Meute aus dem Schlaf gerissen wird.

Und selbst im tiefsten Winter wartet das Backcafé sieben Tage die Woche mit Köstlichkeiten auf. Kulturell Aufgeschlossene können auch im türkischen Supermarkt einkaufen, der sich nach der Schliessung der Coop-Filiale offenbar sehr erfolgreich angesiedelt hat. Er sorgt mitunter aber auch für rote Köpfe, wenn die Kunden aus nah und fern die Umgebung vollparkieren. Die «einheimischen» Lebensmittelgeschäfte sind motorisiert innert Minuten zu erreichen.

Grünflächen – nicht nur in der Gärtnerei

Trumpf im Eichholz ist der Wohnraum, sei dies in Form der Mehrfamilienhäuser mit günstigen Genossenschaftswohnungen am Römerbrunnenweg, in weiteren Mehrfamilienhäusern (beispielsweise der Swatch Group) oder, am Eichholzhügel dominant, im Einfamilienhaus. Wohnen heisst in Grenchen immer auch Grünflächen und Gärten. Noblesse oblige, weiss der Francophone, und la jardinerie Strub inspiriert die Quartierbewohner dazu, sich bei der Gartengestaltung besonders Mühe zu geben.

Mit Ausnahme einiger weiterer Betriebe entlang der Schlachthausstrasse ist aber Gewerbe im Quartier selten. Industrie ebenfalls. Dafür prominent, wenn man Breitling noch zum Eichholz zählen will. Wen wunderts, dass die Stadt ein Auge auf das Quartier geworfen hat und dessen Vorzüge noch mehr Leuten zugänglich machen möchte: Die öffentliche Hand hat kürzlich das letzte grosse Landstück zwischen Garnbuchiweg und Muntersweg am Eichholzhügel gekauft, um dort zusammen mit einem Investor eine Wohnüberbauung zu entwickeln.

Gebaut – und dabei auch verdichtet – wird bereits auf dem Gebiet zwischen Schlachthausstrasse und Bahnlinie, wo alte Einfamilienhäuser abgerissen wurden und jetzt Mehrfamilienhäuser entstehen sollen.

Tout Granges kommt zum Spazieren

Schon heute kommt jahrein, jahraus tout Granges zu Besuch, um im Eichholz-Wäldli spazieren zu gehen. Hier ist das westliche Tor zur Witi. Beim Schalenstein kann man eine weitere Theorie zu dessen Zweck und Verwendung beisteuern oder auf dem Bänkli bei den Fundamenten des römischen Gutshofs vom Altertum träumen oder auch einfach die spektakuläre Aussicht hinaus in die Witi geniessen.

Eltern und Kinder besuchen gern die Volieren der Kleintiersiedlung, und wer im Familiengarten und am Flughafen immer wieder seine Bekannten antrifft, hat begriffen, wie Grenchen tickt: randständig, im wahrsten und besten Sinn des Wortes, denn die Freizeit verbringen die Leute am liebsten am Stadtrand, im Süden wie im Norden.

Nach der Schule vom Wallis nach Grenchen gezügelt

Marcel Lengen, Wahl-Eichholzer und von Haus aus Walliser, erinnert sich: Zehn Geschwister seien sie daheim gewesen im winzigen Bergdorf ohne Ausbildungs- oder Erwerbsmöglichkeiten. Nicht einmal eine befestigte Strasse führte ins Dorf, damals, Anfang der Fünfzigerjahre, als er die Schule beendete. So setzte er sich mit drei Schulkameraden in den Zug nach Solothurn.

Nach einigen Wochen, in denen er bereits in der Uhrenstadt gearbeitet hatte, zügelte er nach Grenchen, bezog bei der Familie Schori an der Weinbergstrasse ein Zimmer. «Ich hatte das Glück bei Direktor Mauerhofer in der Felsa arbeiten zu können. Er war sehr gut zu mir und ermöglichte es mir, samstags eine Ausbildung zu machen.»

Auch privat hatte Marcel Lengen Glück. Im Walliserverein lernte er seine Frau kennen. Das Paar fand im Bodenrain ein Dach über dem Kopf. «Aber es war noch immer Wohnungsnot. Da war kein Land zu haben, obwohl wir beide ein ordentliches Einkommen hatten», erzählt er. Da kam die Bürgergemeinde zu Hilfe, vergab Land im Baurecht, dort, wo am Hügel heute die Strassen mit den Baumnamen und der überraschend imposanten Fernsicht die Stadtkarte überziehen – wie könnten Wohnstrassen in diesem Quartier auch anders heissen.

Woanders leben kann er sich nicht vorstellen

1974 bezog die Familie das Eigenheim an der Erlenstrasse. Einige Jahre später verhalf ausgerechnet die Uhrenkrise Marcel Lengen zur Erfüllung eines weiteren Lebenstraums: er kaufte aus einer Konkursmasse seine eigene Zifferblattfabrik, die Cadran M. Lengen, die er bis 1997 leitete und die, nicht zuletzt dank dem Swatch-Boom, florierte.

Woanders leben, nein, das könnte er sich nicht vorstellen. Dabei ist die Verbindung zum Wallis stets erhalten geblieben; heute wohnen dort die Kinder mit den Enkeln. «Wir haben ein wunderbares Verhältnis im Eichholz-Quartier und helfen uns gegenseitig. Hier wohnen flotte Leute. Es gibt viel Grün, Blumen- und Gemüsegärten, es ist ruhig, und genau das schätzen wir.» Entsprechend froh ist Marcel Lengen, dass die Uhrenkrise damals die Pläne für das Einkaufszentrum im Eichholz-Quartier im Keim erstickte.

Die Grenchner Quartiere

Die «Industriestadt im Grünen» will sich in den kommenden Jahren unter dem neuen Slogan «Jurasonnenseite» vor allem als Wohnstandort profilieren. Ein Anlass, einmal einen Blick in die Quartiere der Uhrenstadt zu werfen und sie zu charakterisieren. Zum Auftakt unserer neuen Serie bewegen wir uns im Eichholz-Quartier.