Grenchen
Die Stadt verändert sich stetig: Qualität und Wirtschaftlichkeit sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden

In Grenchen fand ein Rundgang und eine Podiumsdiskussion im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals gemeinsam mit dem Heimatschutz statt. Thema war der Umgang mit der gewachsenen Baukultur und die Neugestaltungen im öffentlichen Raum.

Susanna Hofer
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Wakker-Tag Grenchen: Podiumsdiskussion mit (von links) Moderator Daniel Grambone, Patrick Schoeck, Claude Barbey und Fabian Ochsenbein.

Wakker-Tag Grenchen: Podiumsdiskussion mit (von links) Moderator Daniel Grambone, Patrick Schoeck, Claude Barbey und Fabian Ochsenbein.

José R. Martinez

Aus dem Dorf Grenchen wurde durch die Uhrenindustrie eine Stadt von einzigartiger Prägung. Erst um die Jahrtausendwende herum wurde dieses baukulturelle Erbe wiederentdeckt. 2008 erhielt die Stadt bekanntlich den Wakkerpreis, der vom Schweizer Heimatschutz vergeben wird.

Ein Rundgang, organisiert vom Heimatschutz Solothurn, führte zu einigen Orten, an denen Grenchens Stadtbild in Zukunft gewichtige Veränderungen erfahren wird. Das Thema war die Frage nach dem zukünftigen Umgang mit der gewachsenen Baukultur, aber auch nach Neugestaltungen im öffentlichen Raum.

Mehr Lebensqualität im Stadtzentrum

Treffpunkt war beim Stadtdach auf dem Marktplatz, wo der ehemalige Stadtbaumeister Claude Barbey einige Gedanken zur heutigen Form des Platzes äusserte. Eine Aussage eines Schülers im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Platzes bleibe ihm in Erinnerung:

«Die Stadt ist gebaut, aber niemand will sie haben.»

Früher sei der Platz vor allem ein Parkplatz gewesen, und mit den Plänen zur Umgestaltung habe man vor allem bei den Gewerblern einen schweren Stand gehabt. Es sei aber damals sehr viel im Umbruch gewesen, und die Umgestaltung der Kantonsstrasse, die mitten durch die Stadt geführt worden war, entlastete die Stadt markant vom Durchgangsverkehr und brachte sehr viel mehr Lebensqualität.

Nicht immer sind alle Wünsche umsetzbar

Es werde immer noch moniert, dass es viel mehr Grün geben sollte auf dem Platz oder das man das Wasser wieder an die Oberflächen bringen sollte. Dies sei aber gar nicht so einfach, da unter anderem viele Leitungen unter dem Platz durchlaufen. «Insgesamt ist es gut gekommen», so das Fazit von Barbey.

Die zweite Station führte ins Kunsthaus Grenchen, wo der Architekt des Siegerprojektes Calibro, Jean-Philipp Stähelin, das Campus Technik-Projekt und Thomas Rüegger, Leiter Tiefbau Grenchen, das Bahnhof Süd Areal-Projekt erläuterten.

Beim Schulhaus Kastels erklärte Architekt Mario Zurbriggen die Schulraumerweiterung und den Neubau der Doppelturnhalle. Wirtschaftlichkeit nicht gegen Qualität ausspielen

Qualität wird heute höher gewichtet

Bei einer anschliessenden Podiumsrunde im Parktheater stand nochmals die Frage im Mittelpunkt: Wie wird heute in Grenchen mit der Baukultur umgegangen und was bedeutet das für die Stadtplanung? Dieser Frage gingen Fabian Ochsenbein, Stadtplaner Grenchen, Claude Barbey, ehemaliger Stadtbaumeister und Patrick Schoeck, Leiter Baukultur Schweizer Heimatschutz nach; moderiert wurde das Gespräch von Daniele Grambone, Vorstandspräsident des Solothurner Heimatschutzes.

Gefragt nach ihren Lieblingsorten in Grenchen, sagten die Drei: das Stadion, das Schulhaus Halde und das Parktheater. Bezüglich des Umgangs mit dem baukulturellen Erbe: Es habe sich viel geändert, meinte Claude Barbey. Das Kastels Schulhaus werde nicht einfach angebaut, sondern es gebe eine Wettbewerb.

Interessenabwägung nötig

Ochsenbein meinte, Grenchens Qualitäten sehe man nicht sofort, aber man könne damit arbeiten und auf die Qualität hinweisen. Allerdings sei immer eine Interessenabwägung nötig. Die Wirtschaftlichkeit spiele eben auch eine Rolle, und «Grenchen ist kein Museum.» Barbey wies darauf hin, dass es wichtig sei, die Grenchnerinnen und Grenchner einzubinden und ihre Ideen aufzunehmen. Auch eine ehemalige Grenchnerin aus dem Publikum betonte diesen Punkt: «Man muss im Gespräch bleiben.»

Ochsenbein erwähnte, man stehe mittendrin im Ortsplanungsprozess. Eine Idee war ein Expertengremium bei besonders wichtigen Bauprozessen. Grosses Thema sei die Verdichtung beim Bauen, die sehr anspruchsvoll sei. Bezüglich des Energiethema werde das Energiestadt Goldlabel angestrebt, aber es brauche noch grosse Efforts dafür, so Ochsenbein. Thematisiert wurden auch noch die Frage nach Treffpunkten für die Jugend, der Verlust von Vorgärten durch Parkplätze und die Windenergie.