Bachelorarbeit

Bettlacherin untersuchte, wie der Journalismus glaubwürdig bleibt

Die Bettlacherin Marisa Jill Haring befasste sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema Transparenz und Glaubwürdigkeit im Journalismus. Dafür erhielt sie die Bestnote.

Oliver Menge
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«Wichtigstes Element für den glaubwürdigen Journalismus ist Transparenz», meint Marisa Jill Haring.

«Wichtigstes Element für den glaubwürdigen Journalismus ist Transparenz», meint Marisa Jill Haring.

Oliver Menge

Journalismus ist nicht mehr, was er einst war. Neue Medien und Verbreitungskanäle, aber auch die Instrumente, die einer Journalistin, einem Journalisten zur Verfügung stehen, sowie ein verändertes Konsumverhalten der Zielgruppen haben den Beruf verändert, so viel steht fest. Aber auch die Berufsausbildung ist einem steten Wandel unterworfen.

Die 25-jährige Bettlacherin Marisa Haring hat an der Fachhochschule Graubünden und der Berner Fachhochschule den Studiengang «Multimedia Production/Media Engineering» kürzlich mit dem Bachelor abgeschlossen und dafür die Bestnote 6 erhalten. Marisa Haring wählte ein Thema, das in der heutigen Zeit immer wichtiger wird: Transparenz und Glaubwürdigkeit im Journalismus. Die Bachelorarbeit bestand aus zwei Teilen: dem Schreiben einer wissenschaftlichen Thesis und einem praktischen Teil.

Zur Person

Marisa Jill Haring ist in Bettlach aufgewachsen und hat dort die Schulen besucht. Sie schrieb schon während ihrer Ausbildung auf der Gemeindeverwaltung Bettlach ab und zu
fürs «Grenchner Tagblatt» als freie Journalistin. Berufsbegleitend absolvierte sie die Berufsmaturität und begann vor drei Jahren ihr Studium mit multimedialem Journalismus im Hauptfach. Für ihre Bachelorarbeit erhielt sie die Bestnote 6. Sie konnte nun ein mehrmonatiges Praktikum bei SRF News in Zürich antreten. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Ob sie ein Masterstudium anhängt oder gleich zu arbeiten beginnt – so oder so möchte sie im Journalismus bleiben. (om)

Journalismus in einer Glaubwürdigkeitskrise

In ihrem Vorwort zur Thesis schreibt Haring unter anderem: «Der Journalismus befindet sich in einer Glaubwürdigkeitskrise. Einerseits wächst durch die Digitalisierung der ökonomische Druck. Das bedeutet finanzielle und qualitätsbezogene Schwierigkeiten für die Redaktionen und die Journalistinnen und Journalisten. Andererseits verändert sich durch den Fortschritt der Technik das Verhalten der Rezipierenden. Sie konsumieren nicht nur immer häufiger online, sie veröffentlichen auch eigenständig und die Kommunikation erfolgt beidseitig. Ein ‹Bürgerjournalismus› hat sich entwickelt. Für die Medienschaffenden gilt es, sich von diesem abzugrenzen. Diese Abgrenzung (...) kann durch glaubwürdige, professionelle Arbeit und Transparenz erreicht werden.»

In ihrer Thesis untersuchte Haring, inwiefern durch einen transparenten Rechercheprozess und bestimmte Inhaltselemente die Glaubwürdigkeit eines journalistischen Beitrags beeinflusst werden kann. In Einzelinterviews und Gesprächen mit einer Fachexpertin versuchte sie, herauszufinden, welche Elemente die Glaubwürdigkeit verbessern oder verschlechtern. Die Interviews bezogen sich auf von den Probandinnen und Probanden zuvor gelesene Texte zum Thema Asylwesen und Flüchtlinge.

Was also verbessert die Glaubwürdigkeit?

Ein Wundermittel gebe es nicht, sagt Marisa Haring auf die Frage. «Verschiedene Elemente und Mittel, die auf das jeweilige Medium und die entsprechende Zielgruppe abgestimmt sind, können die Glaubwürdigkeit eines journalistischen Beitrags erhöhen», sagt sie. Als wichtigstes Element nennt sie in ihrer Thesis die Transparenz: Woher hat ein Journalist seine Informationen, von welchen Fakten geht er aus (die dann auch bestenfalls genannt werden sollten), wie hat er recherchiert. Was für einen persönlichen Hintergrund hat die Journalistin, der Journalist. Welche Beziehung hat er zu den Protagonisten, welches sind seine Quellen? Gibt es Fakten im Text, die nachvollziehbar sind, wie zum Beispiel Ortsangaben, numerische Fakten, Angaben über die Hintergründe, verschiedene Perspektiven und wertfreie, neutrale Aussagen. Auch die Dauer einer Recherche ist massgebend. Verbrachte beispielsweise eine Journalistin, ein Journalist nur kurze Zeit in einem Flüchtlingscamp, ist das Resultat weniger glaubwürdig, als wenn er oder sie während ein paar Tage mit den Flüchtlingen zusammenlebte.

Ein weiteres Element, welches die Glaubwürdigkeit beeinflusst, ist laut Haring die Emotionalität, die persönliche Betroffenheit des Schreibenden. Gleitet dieser aber ab in Sensationalismus und Theatralik, so senkt das in der Regel das Vertrauen der Leserschaft in die Glaubwürdigkeit. Im Gegenzug darf eine Journalistin, ein Journalist die Ich-Perspektive benutzen, ohne dabei zwingend an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Er oder sie darf auch die eigene Meinung integrieren, sie muss jedoch klar als solche ausgewiesen sein. Passieren Fehler, müssen diese richtiggestellt werden, um Glaubwürdigkeit zu erreichen.

Weitere Elemente, welche die Glaubwürdigkeit verstärken, sind persönliches Vor- und Hintergrundwissen und nebst der Vor-Ort-Recherche auch die Einbettung von Dokumenten und das Zitieren von Zeugen.

Einfacher zu sagen, was der Glaubwürdigkeit schadet

Im Gespräch mit der Studentin stellt sich heraus, dass es etwas einfacher ist, diejenigen Elemente zu benennen, welche der Glaubwürdigkeit schaden. Zum Beispiel mangelnde Orthografie, viele Schreibfehler, weil der erste Eindruck oft entscheidend sei, unbegründete Subjektivität der oder des Schreibenden, Betroffene kommen nicht zu Wort, Verlinkungen im Text, die keinen Mehrwert brächten, zu viele Fremdwörter und der bereits erwähnte Sensationalismus.

Die Probandinnen und Probanden wurden auch gefragt, welche Medien ihrer Meinung nach weniger glaubwürdig sind und welche mehr. Bei den meisten kamen «Blick» und «20 Minuten» schlechter weg als die NZZ und auch schlechter als Lokalzeitungen, wie das «Grenchner Tagblatt». Allerdings dürfen sich Journalisten ebendieser Blätter darauf nichts einbilden. Denn laut einer Studie im Digital Reuters News Report vertrauen nur gerade 44% der Menschen den Medien.

«True Crime Podcast» realisiert

Die aus der Thesis gewonnenen Erkenntnisse liess die Studentin in ihre praktische Arbeit einfliessen: Zusammen mit einer Studienkollegin produzierte sie einen Podcast mit dem Titel «Blutrot & Edelweiss, einen sogenannten «True Crime Podcast», in dem wahre Kriminalfälle erzählt werden. In der ersten Folge geht es um Vermisstmeldungen und Entführungen.
Es bleibt aber nicht bei den Erzählungen, sondern in Gesprächen mit Fachpersonen, Juristen und der Polizei werden den Hörerinnen und Hörern auch Zusatzinformationen vermittelt, wie zum Beispiel Tipps, wie man einen Entführungsalarm per SMS einrichten kann und wo man sich in bestimmten Fällen melden muss.

Dieser Podcast ist auf Spotify, Instagram und anderen sozialen und neuen Medien zum Reinhören bereit. (om)