Swiss Skills

Als einziger männlicher Innendekorateur gewann ein Grenchner fast Gold

Der 20-jährige Grenchner Lukas Schaad gewann bei den Berufsmeisterschaften Swiss Skills die Silbermedaille als Innendekorateur. Bereits vor einem Jahr bewies er an einem Wettbewerb sein Auge für gute Inneneinrichtung.

Andreas Toggweiler
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An der Nähmaschine
5 Bilder
Die Wände werden bezogen
der Boden verlegt
So sieht das fertig gestaltete Zimmer aus
Innendekorateur Lukas Schaad aus Grenchen an der Arbeit

An der Nähmaschine

zvg

Nur eine Frau aus der Ostschweiz hat ihm den ersten Platz mit einem hauchdünnen Vorsprung noch weggeschnappt, sonst könnte sich Lukas Schaad nun der beste Innendekorateur der Schweiz nennen. Der 20-Jährige aus Grenchen freut sich dennoch und zerbricht sich auch nicht den Kopf darüber, wo er den entscheidenden Punkteverlust beim Wettbewerb eingefahren hat: ob beim Teppich, den Wandbezugsstoffen, dem Fauteuil oder bei der Montage der Vorhangblenden. Dies waren nämlich die Bereiche, in denen sich die Finalistinnen und der Finalist an den Berufs-Schweizermeisterschaften der Innendekorateure massen. Es galt, ein ganzes Zimmer einzurichten.

Der einzige Mann

Schaad war der einzige Mann in diesem zunehmend von Frauen gewählten Beruf. Und aus der Industriestadt Grenchen hätte man eher einen Uhrmacher, Mechaniker oder Décolleteur mit Auszeichnung erwartet. Zum Beruf sei er über die Berufsberatung gekommen, schildert der Sohn des Grenchner Elektrogeschäft-Inhabers Andreas Schaad (Elektro Schild). «Dass ich etwas Handwerkliches lernen wollte, war mir schon als Jugendlicher klar.»
Diesen Sommer hat Schaad seine Lehre bei Rolf Ryf Inneneinrichtungen in Solothurn abgeschlossen. In diesem reputierten Geschäft konnte er auch in historischen Gebäuden Solothurn arbeiten, so beispielsweise an Polsterungen in der Jesuitenkirche.

EM ist ausgefallen

Dass er im Beruf gut ist, zeigte sich schon vor einem Jahr, als er einen brancheninternen schweizweiten Wettbewerb ebenfalls auf dem zweiten Rang beendete. Er habe jenen Wettbewerb vor allem als Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung gemacht, berichtet er. Das gute Resultat hätte ihn zur Teilnahme an der Europameisterschaft seiner Branche legitimiert. Diese wurde aber abgesagt und so habe er sich halt entschieden, noch bei den Swiss Skills anzutreten, nachdem man ihm anlässlich der Begutachtung seiner LAP-Arbeit dazu ermuntert habe.

Was unterschied die beiden Wettbewerbe von diesem und letzten Jahr? «Beim Branchenwettbewerb war man frei in der Materialwahl und das Endresultat zählte, bei den Swiss Skills war das Material vorgegeben und der ganze Arbeitsablauf samt Resultat wurde begutachtet», erklärt Schaad.

Und jetzt noch die Berufsmatur

Nach der vierjährigen Lehre mit der Berufsschule in Bern, Kursen in Selzach und Lehrbetrieb im Solothurn hängt Schaad jetzt noch ein Jahr an, in welchem er die Berufsmatur machen will, plus noch etwas arbeiten in einem Geschäft in Solothurn. Vielleicht will er sich auch noch zum Restaurator/Konservator weiterbilden, doch da bleibt noch Zeit.

Für den Beruf des Innendekorateurs braucht es Stilsicherheit. Gibt es schon einen Lieblingsstil? «Fünfziger Jahre gefallen mir sehr gut, aber auch historisch-Antikes», meint Schaad. Wichtig sei, dass man Freude an besonderen Objekten oder Einrichtungen habe, die sich vom Massenkonsum von der Stange unterscheiden. Solange es Kunden gibt, welche diese Begeisterung teilen, wird es auch für Leute wie Lukas Schaad Arbeit geben. Aber jetzt sind erst mal verdiente Ferien angesagt.