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Zwischenzeugnis ungenügend

Wahlkampf
Tobias Bär
Muss mediale Prügel einstecken: Isabelle Moret (Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 15. Juni 2017))

Muss mediale Prügel einstecken: Isabelle Moret (Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 15. Juni 2017))

Sie hat sich Zeit gelassen. Einmal sagte Isabelle Moret, sie entscheide sich bis Mitte Juli, ob sie sich für die Nach­folge von Didier Burkhalter bewerben wolle. Dann war von Ende Juli die Rede. Und als dieser Termin verstrichen war, da sagte die Waadtländer FDP-Nationalrätin, die Anmeldefrist ihrer Kantonalpartei ende schliesslich erst am ­10. Au­gust. Die 46-Jährige konnte sich dann doch noch zu einer Kandidatur durchringen. Sie sei sich bald im Klaren gewesen, dass sie gerne Bundesrätin werden wolle, doch sie habe sich erst der Unterstützung aus der Partei und aus dem Kanton vergewissern müssen.

Ob Moret zuweilen mit ihrem Entscheid hadert, wissen wir nicht. Möglich wäre es. Denn die Westschweizerin muss ungleich stärkere mediale Prügel einstecken als ihre männlichen Konkurrenten Ignazio Cassis und Pierre Maudet. Da war die Sache mit der Mitgliedschaft in einer Gruppe, die sich für gute Rahmenbedingungen für Schweizer Rüstungsexporte einsetzt. Dann liess Moret verlauten, sie sei von den drei FDP-Kandidaten diejenige, «die am wenigsten verdient». Der «Tages-Anzeiger» rechnete nach und kam zum Schluss, dass Morets Einkünfte aus ihrer Parlamentsarbeit sowie Mandaten bei Verbänden und in Verwaltungsräten eben doch höher sein dürften als jene von Maudet. Der giftigste Artikel erschien im «Sonntags-Blick». Er drehte sich um das Engagement der Bundesratsaspirantin im Vorstand der Auslandschweizer-Organisation (ASO). Moret habe bei ihren raren Sitzungsteilnahmen den Eindruck vermittelt, als habe sie keine Ahnung, um was es eigentlich gehe. So liess sich ein ASO-Vorstandsmitglied ­zitieren – notabene eine Parteikollegin Morets.

Nun mag es sich bei diesen Episoden um Nebensächlichkeiten handeln, die nichts über Morets Fachkompetenz und ihre grundsätzliche Eignung für das Bundesratsamt aussagen. «Ausserdem gehö­ren kritische Artikel zu einer Bundesratskandidatur», sagt FDP-Nationalrat Olivier Feller (VD), der Moret seit Jahren kennt. Das habe auch Ignazio Cassis erfahren. Sein Krankenkassenmandat brachte dem Tessiner den Übernahmen «Krankencassis» ein. Für Stirnrunzeln sorgte aber vor allem Morets wenig souveräne Reaktion auf die Berichterstattung. Die Mitgliedschaft in der Rüstungsgruppe, der über 40 amtierende Parlamentarier angehören, stritt sie zuerst ab, um dann überstürzt auszutreten. Ihren nicht ganz wasserdichten Lohnvergleich versuchte die Westschweizerin später mit einer abenteuerlichen Argumentation zu stützen. «Einige Aussagen waren ungeschickt und sie hat vielleicht etwas zu sensibel auf Kritik reagiert», sagt Olivier Feller.

Alles andere als souverän agiert die Waadtländerin derzeit auch im persönlichen Umgang mit Medienschaffenden. Für gewöhnlich ist die 46-Jährige zugänglich und mitteilsam. Zuletzt ging sie aber auf Tauchstation. Eine Interviewanfrage beantwortete Moret vor zwei Wochen zunächst positiv. Als es darum ging, einen Termin zu finden, verkomplizierte sich die Sache. Seit zehn Tagen versanden alle Versuche einer Kontaktaufnahme. Andere Journalisten berichten von ähnlichen Schwierigkeiten. Dass man lange Jahre Bundesrat bleiben kann, ohne sich mit den Medien gutzustellen, hat Moritz Leuenberger bewiesen. Doch um Leuenbergers Beispiel folgen zu können, müsste Moret zuerst den Sprung in die Landesregierung schaffen. Ihre Wahlchancen sind in den vergangenen Wochen nicht gestiegen.

Tobias Bär

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