50plus
Zwischen Liebesroman und Krimi: Partnersuche im Alter

Für ältere Frauen ist es schwierig, einen neuen Partner zu finden. Zwei Frauen erzählen von ihrer Suche im Jahr 2011: Eine hat ihr Glück gefunden, die andere nicht. Erlebt und gelernt haben aber beide vieles.

Claudia Weiss
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Glückliches Alter(n): Der Regierungsrat will sich auf das Potenzial, nicht auf die Probleme von und mit älteren Menschen fokussieren.Keystone

Glückliches Alter(n): Der Regierungsrat will sich auf das Potenzial, nicht auf die Probleme von und mit älteren Menschen fokussieren.Keystone

Veronika Bäcker* vibriert förmlich vor Leben. Soeben ist die 67-Jährige von einem zweiwöchigen Urlaub in Kuba zurückgekehrt: Traumstrände, warmes Meer, üppige Landschaften – und ein stattlicher Begleiter an ihrer Seite, der sie auf Händen trug. «Das hätte ich mir nicht träumen lassen», lächelt die attraktive Aargauerin fein, und ihre Augen glänzen hinter der eleganten Brille.

Der 1. Teil

Am 25 Februar erzählten die beiden Frauen erstmals über ihr Jahresziel 2011, einen neuen Partner zu finden. Lesen Sie den Artikel hier nochmals.

Anfang Jahr hatte sie sich fest vorgenommen, endlich einen Partner zu finden, und sich dafür bei einer Internetagentur angemeldet. Wer aber als Frau die 50 hinter sich gelassen hat, muss manchmal einen langen Atem haben, um noch einen Glückstreffer zu landen. Das hat sie bereits im Februar festgestellt. «Es ist immer eine arrangierte Situation und nicht ganz locker», meinte sie damals. Immerhin hatte sie schon bald auf ihr Internet-Inserat etliche Anfragen erhalten und auch ein paar Männer getroffen. Aber irgendwie wurde nichts daraus: Einige tauchten plötzlich unter fadenscheinigen Vorwänden wieder ab und liessen nichts mehr von sich hören, andere entsprachen ihr überhaupt nicht.

Irgendwann im September überlegte sich Veronika Bäcker, ob sie per Ende Jahr den Vertrag mit der Internetvermittlungsagentur künden wolle. Da meldete sich unverhofft ein Mann, nennen wir ihn Robert Jäger, der schrieb, er habe soeben sein Fahrrad verschenkt. «Das passte nun überhaupt nicht!», sagt die sportliche und unternehmungslustige Frau. «Aber er schrieb so lustig und wollte mich unbedingt treffen.»

«Den musst du behalten»

Es blieb nicht beim einen Nachtessen, es folgten eine Wanderung, ein paar Besuche bei ihr, dann bei ihm in St. Gallen. Und Veronika Bäcker war total überrascht: «Mein Typ ist eher südländisch – er ist hell. Ich suchte einen Nichtraucher – er raucht.» Abgesehen davon sprach er sie sofort an: «Gross, schlank, attraktiv und trotzdem sportlich, wie sich später glücklicherweise herausstellte.»

Und, noch wichtiger: «Er hat eine liebe Art, wohltuend, beschützend, und trägt mich auf Händen.» Ihre ältere Tochter sagte nach dem ersten Treffen: «Mami, den musst du behalten.»

Jägers Kollegen dagegen staunten, als sie erfuhren, dass seine neue Freundin nur ein Jahr jünger sei als er, und fragten, ob er denn nicht lieber gleich eine viel Jüngere suchen wolle. Stattdessen erklärte er ihr mehrmals, er sei «verliebt wie ein Zwanzigjähriger».

So verliebt jedenfalls, dass er sie im November spontan auf ihre Reise nach Kuba begleitete. Die drei Wochen verliefen so harmonisch, und – Alter hin oder her – ebenfalls sexuell so erfüllend, dass auch Veronika Bäcker sich total verliebt hat. «Nach so einer Liebe habe ich über 20 Jahre lang gesucht», sagt sie glücklich. Eine gemeinsame Wohnung ist nicht geplant, beide haben ihr eigenes Zuhause in der Nähe von ihren Kindern und Enkelkindern sowie dem eigenen Freundeskreis. «Aber wir werden uns regelmässig treffen.» So unerwartet – und so schön: «Ich hätte beinahe nicht mehr daran geglaubt.»

Für Maria Klein, Inhaberin der gleichnamigen Partnervermittlungsagentur, ist das gar nicht so erstaunlich. «Frauen ab 50 sehen heute locker noch gut aus, haben Kinder, Scheidung und Altlasten hinter sich und sind wieder so frei wie Zwanzigjährige», sagte sie bereits im Februar. Sie prophezeite sogar, dass ältere Frauen bei jüngeren Männern «richtig begehrt» sein werden.

Darauf hofft Marie-Louise Scherrer* tatsächlich, obschon sie ihren Partner fürs Leben in diesem Jahr nicht gefunden hat. «Aber es war für mich ein enorm wichtiges und lehrreiches Jahr», fasst sie zusammen. «Ich habe viel über mich selber herausgefunden, habe drei Ex-Freunde wiedergetroffen und mich bei jedem gefreut, dass wir nicht mehr zusammen sind – auch wenn wir uns noch gut mögen. Aber jetzt denke ich mehr an mich.»

Männergeschichten und Krimis

Und nicht zuletzt hat die Baslerin unzählige Geschichten erlebt – mit eingebildeten Kerlen, mit frommen Männern, mit Schwindlern, die im Hintergrund eine Frau versteckten, oder mit Alten, die eine Gratis-Pflegerin suchten. Sogar halbe Krimis hat sie mitgemacht: «Ein Interessent entpuppte sich als Mitglied einer Art ‹Nigeria-Connection›, die mit gefälschten Profilen operieren und von den kontaktierten Singlefrauen plötzlich ganz dringend für einen ‹Notfall› 1500 Franken benötigen ...» Die quirlige 53-Jährige schüttelt lachend den Kopf. «Nicht mit mir.»

Irgendwann im Sommer hatte sie genug von den Geschichten und den plötzlichen Absagen, sobald die Männer ihr Bild sahen und sie ihnen offenbar nicht Vamp genug war: «Es macht schon müde – eine Pause tat gut.» Im November merkte Marie-Louise Scherrer dann plötzlich, dass wieder viel läuft auf den Kontaktanzeigen. Also fasste sie noch einmal Mut und setzte ein witziges Inserat in die Zeitung.

Eben erst hat sie ein anregendes Mittagstreffen mit einem Landwirt hinter sich. «Es ist offen, ob wir uns noch einmal treffen.» Eigentlich hofft sie eher auf den jüngeren Tom, der momentan auf einer grossen USA-Reise weilt: «Den würde ich gerne wieder treffen – was immer sich daraus ergibt.»

So lautet ihr Jahresfazit denn auch: «Egal, was wird, es war ein intensives, wichtiges Jahr.» Über Weihnachten fliegt sie jetzt erst mal für Golfferien in den Süden. Wer weiss, vielleicht steht sie nächstes Jahr ebenso frisch verliebt da wie Veronika Bäcker. Es muss ja nicht gleich Kuba sein.

*Namen von der Redaktion geändert