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Zwei Männer sind favorisiert

Die SP nennt eine ganze Reihe von Papabili für die Nachfolge von Micheline Calmy-Rey. Kronfavoriten aber sind der Freiburger Alain Berset und der Waadtländer Pierre-Yves Maillard.
Der Freiburger SP-Ständerat Alain Berset. (Bild: ky)

Der Freiburger SP-Ständerat Alain Berset. (Bild: ky)

So viel steht für die SP bereits heute fest: Auf dem Ticket für die Nachfolge von Micheline Calmy-Rey wird kein Name aus der Deutschschweiz zu finden sein. «Wir wollen für diesen Sitz erneut jemanden aus der lateinischen Schweiz, also aus der Romandie oder aus dem Tessin», sagt Fraktionschefin Ursula Wyss. Die Suche nach dem Mann oder der Frau, welche die Kriterien «nationale Bekanntheit, Durchsetzungskraft, politisches Stehvermögen, grosse politische Erfahrung sowie Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Partei und der Fraktion» erfüllt, beschränkt sich damit auf die Waadt, das Wallis, Genf, Freiburg, Neuenburg, den Jura und das Tessin. Und in diesen sieben Kantonen haben zwei mögliche Kandidaten bereits die Nase vorn: der Waadtländer Regierungsrat Pierre-Yves Maillard und der Freiburger Ständerat Alain Berset.

Sprinter Berset

Mehr als einer hatte verdutzt geschaut, als der damals erst 31jährige Freiburger Sozialdemokrat Alain Berset einen Freisinnigen hochkant aus dem Amt warf und im erlauchten Kreis der Ständeräte Platz nahm. Schliesslich hatte der junge Berset erst ein paar Jährchen politische Erfahrungen gesammelt, im kantonalen Verfassungsrat sowie im Gemeinderat seines Wohnorts Belfaux. Zwei Jahre lang war der studierte Politologe und Wirtschaftswissenschafter als politischer Berater eines Neuenburger Regierungsrats tätig, zuvor hatte er als Forscher an einem renommierten deutschen Wirtschaftsinstitut gewirkt.

Doch von einem Regieunfall, wie nach seiner Wahl da und dort getuschelt wurde, sprach in Bundesbern niemand mehr lange. Rasch machte sich Berset einen Namen als Fachmann für Finanz- und Wirtschaftsfragen und nahm Einsitz in drei einflussreichen Kommissionen. Eine sportliche Leistung, auch für einen ehemaligen Mittelstreckenläufer: Alain Berset war einst Westschweizer Juniorenmeister im 800-Meter-Lauf. Im Parlament legte der damals jüngste Ständerat einen veritablen Sprint hin. Bereits im Alter von 36 Jahren nahm der stets elegant gekleidete Politiker mit dem höflichen Umgangston Platz im Chefsessel der kleinen Kammer, und er machte damit klar, dass er im richtigen Moment zuzugreifen weiss. Als die SP für das Ständeratspräsidium an der Reihe war, meldete er sogleich sein Interesse dafür an.

Stark in Wirtschaftsfragen

In Wirtschaftsfragen zählt Berset innerhalb der SP Schweiz zu den Schwergewichten, in der Romandie ist er deren unbestrittenes Aushängeschild. Bersets Dossierkenntnisse, die übrigens auch den ehemaligen freisinnigen Bundesrat Hans-Rudolf Merz beeindruckt haben, erklären sich auch so: Als einer der wenigen Parlamentarier betreibt der dreifache Vater Politik im Hauptberuf, die Familie lebt vom Ständeratseinkommen.

Staatsmann Maillard

Bersets Eignung für den Bundesrat ist in der SP unbestritten. Inzwischen ist dem 39jährigen Freiburger aber im Nachbarkanton Waadt ernsthafte Konkurrenz erwachsen. Pierre-Yves Maillard, seit sieben Jahren Waadtländer Gesundheitsdirektor, gilt als zweiter Favorit. Wer Maillard noch als Nationalrat, als streitbaren Gewerkschafter und vor allem als hitzigen Kampfredner gegen die Strommarktliberalisierung in Erinnerung hat, muss sich an ein anderes Bild von ihm gewöhnen: Maillard ist in das Exekutivamt hineingewachsen und hat mit seinem Talent für tragfähige Lösungen viele Skeptiker überzeugt. Staatsmännisches Format wird dem 43-Jährigen heute auch vom politischen Gegner zugesprochen. Maillard ist in der Waadt zum Hoffnungsträger für die ersehnte Rückkehr in die Landesregierung avanciert; tatsächlich ist dort der drittgrösste Kanton seit Jean-Pascal Delamuraz nicht mehr vertreten. Maillard spricht zudem gut Deutsch, und er bringt ebenso wie Berset die für eine nationale Wahl notwendige «Arena»-Tauglichkeit mit.

Auf der Skala weiter links

Maillard wäre nach Willi Ritschard erst der zweite Bundesrat, der aus einem Arbeitermilieu stammt, und er politisiert im Vergleich zu Berset auch klarer links. Seine Wahl könnte all jene Genossen versöhnen, die sich statt Simonetta Sommaruga die Zürcherin Jacqueline Fehr gewünscht hätten. Dass eine zweite SP-Frau in die Landesregierung gewählt wird, das wünschen sich die SP-Frauen. Als mögliche Konkurrentin für die Männer gilt die 45jährige Tessiner Nationalrätin Marina Carobbio, die kürzlich mit der Wahl an die Spitze des Schweizer Mieterverbands national für Schlagzeilen gesorgt hat. Die Tessinerin ist Vizepräsidentin der SP Schweiz und steht wie der Waadtländer Maillard pointiert links. Für die zwei Waadtländerinnen auf der Wunschliste der SP-Frauen, Ständerätin Géraldine Savary und Regierungsrätin Anne-Catherine Lyon, ist Maillards Schatten wohl zu lang.

Als Papabili genannt werden auch Nationalrat Stéphane Rossini (VS), der im Parlament über ein gutes Netzwerk verfügt, sowie der jurassische alt Regierungsrat und heutige Ständerat Claude Hêche. Ihre Chancen dürften aber geringer sein als jene von Berset und Maillard, was wohl auch auf den Neuenburger Regierungsrat und alt Ständerat Jean Studer zutrifft. Die notorischen Streitereien in Neuenburgs Exekutive sind kein Empfehlungsschreiben für den Bundesrat.

Denise Lachat, Bern

Der Waadtländer SP-Regierungsrat Pierre-Yves Maillard. (Bild: ky)

Der Waadtländer SP-Regierungsrat Pierre-Yves Maillard. (Bild: ky)

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