Zuwanderung besser abfedern

Ständerätin Karin Keller-Sutter fordert ein Massnahmenpaket, um inländische Arbeitskräfte zu stärken. Die Bemühungen des Bundes gehen ihr zu wenig weit.

Eveline Rutz
Merken
Drucken
Teilen

BERN. Welche Auswirkungen hat die Personenfreizügigkeit mit der EU auf den Arbeitsmarkt? Dieser Frage wird gemäss Ständerätin Karin Keller-Sutter (FDP/SG) in der öffentlichen Diskussion zu wenig Gewicht gegeben. Mit einem Postulat fordert sie den Bundesrat deshalb dazu auf, darüber Bericht zu erstatten. «In weiten Teilen der Bevölkerung herrscht ein Unbehagen über die Zuwanderung der letzten Jahre», sagt sie und verlangt, dass das Potenzial inländischer Arbeitskräfte besser ausgeschöpft wird. Sie denkt dabei an die Frauen, die während der Familienphase oft nur Teilzeit erwerbstätig sind, sowie an ältere Arbeitnehmer. Aber auch ausländische Arbeitskräfte, die bereits in der Schweiz leben, sollen besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Die FDP-Politikerin regt zudem dazu an, inländische Fachkräfte durch Aus- und Weiterbildung zu stärken und gegen die Akademisierung der Berufsbildung vorzugehen.

Bereits Strategie festgelegt

Beim Bundesrat rennt sie damit offene Türen ein. Er beantragt dem Parlament, das Postulat anzunehmen. Dessen Anliegen seien ihm sehr wichtig, teilt er mit. Deshalb habe er 2011 die Fachkräfteinitiative lanciert. Das Programm wurde zusammen mit den Kantonen und den Sozialpartnern erarbeitet. Es sieht unter anderem Massnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zum Ausbau berufsbegleitender Studiengänge und für einen möglichst langen Verbleib im Erwerbsleben vor.

Auch Firmen sind gefordert

Keller-Sutter begrüsst diese Arbeiten, sie bemängelt allerdings, dass sie auf die demographische Entwicklung fokussierten. Die Veränderungen durch die Personenfreizügigkeit kämen zu kurz. Ihr Postulat biete die Chance, diesen Aspekt aufzunehmen. Die Ständerätin appelliert auch an die Unternehmen: «Es muss spürbar werden, dass sie bemüht sind, die eigenen Arbeitskräfte zu fördern, bevor sie im Ausland rekrutieren.» Nur so stehe die Bevölkerung weiterhin hinter den Freizügigkeitsabkommen.