Zum Schutz des Check-in-Personals: Flughafen Zürich stellt 300 Plexiglas-Wände auf

Der Flughafen reagiert mit zusätzlichen Massnahmen auf die Corona-Krise. Einzelne Schalter und Gates sind derzeit stillgelegt. Auch Kurzarbeit ist ein Thema.

Benjamin Weinmann
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Das Flughafenpersonal ist zunehmend beunruhigt. Deshalb installiert der Flughafen rund 300 Schutzwände an den Schaltern.

Das Flughafenpersonal ist zunehmend beunruhigt. Deshalb installiert der Flughafen rund 300 Schutzwände an den Schaltern.

Flughafen Zürich AG

Die internationale Luftfahrt steht nahe am Grounding. Das bekommen auch die Flughäfen zu spüren, so auch der Landesflughafen in Zürich-Kloten. Weniger Flüge bedeutet weniger Passagiere, die es abzufertigen gilt. Mit Folgen für die Infrastruktur vor Ort: «Einzelne Check-in-Schalter und Gates werden zurzeit aufgrund der geringen Nachfrage nicht bedient», sagt Sprecherin Raffaela Stelzer. Man prüfe derzeit laufend, wie man die Infrastruktur optimal nutzen könne aufgrund des geringeren Passagieraufkommens. Möglich wäre zum Beispiel, dass ein ganzer Teil eines Terminals temporär ausser Betrieb genommen würde, um die Kosten zu senken.

Doch nach wie vor arbeiten viele Angestellte am Flughafen, um jene Kunden, die noch verreisen müssen, einzuchecken und deren Tickets zu kontrollieren. Laut Stelzer sind diese Mitarbeitenden an der Front zunehmend verunsichert. «Dem wollen wir Rechnung tragen.» Deshalb hat der Flughafen kürzlich rund 300 Plexiglas-Schutzscheiben an diversen Schaltern beim Check-in, bei den Gates oder an den Informationsdesks installiert. Zu diesem Schritt habe man sich in der Taskforce in Absprache mit den Flughafenpartnern entschieden. «Die Sicherheit und Gesundheit der Flughafenmitarbeitenden hat für uns oberste Priorität», sagt die Sprecherin. Insgesamt arbeiten 27‘000 Menschen am Flughafen Zürich.

Wie Stefan Tschudin, Betriebschef des Flughafens, vergangenen Woche gegenüber CH Media sagte, hatte der Flughafen die Schutzscheiben vor knapp zwanzig Jahren während der Sars-Krise angeschafft und gelagert. Nun kommen sie zum Einsatz.

Nach wie vor hängen am Flughafen die Plakate des Bundesamts für Gesundheit mit den empfohlenen Verhaltensregeln (Abstand halten, Hände waschen), es gibt Flyer und Desinfektionsmittel-Spender. Allerdings gibt es bei Letzteren ein Problem, wie Tschudin in dieser Zeitung zuletzt sagte: «Manche Passagiere füllen es in PET-Flaschen ab», sagt Tschudin. Er appelliere deshalb an die Solidarität der Passagiere. Zudem wird mehr gereinigt. Vor allem stark benutzte Flächen werden häufiger geputzt, wie zum Beispiel Rolltreppen-Bänder, Knöpfe und Toiletten.

Inzwischen prüft der Flughafen Zürich auch Kurzarbeit, wie Sprecherin Stelzer auf Anfrage bestätigt. «Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.» Ein Kostenstopp in der Verwaltung wurde bereits verhängt. Ebenfalls noch nicht eingeführt ist eine Massnahme, die im Ausland zur Anwendung kommt: Das so genannte Exit-Screening. So werden zum Beispiel in Italien Passagiere vor ihren USA-Flügen gefragt, in welchen Ländern sie sich zuletzt aufgehalten haben, und es wird ihre Temperatur gemessen. Die Sprecherin betont, dass diese Massnahme vom Bund oder anderen Staaten mit eingeschränkten Einreisebewilligungen angeordnet werden müsste, nicht vom Flughafen.

Laut Tschudin hätte man die nötigen Produkte wie Fiebermesser, um diese Massnahme einzuführen. Dabei könne man sich auch auf die Hilfe der Behörden oder des Militärs verlassen. «Innert 48 Stunden könnten wir diese Massnahme einführen.» Das für die Screenings nötige Personal könnte man voraussichtlich selber stellen, sagt Tschudin. Allerdings bezeichnet das Geschäftsleitungsmitglied der Flughafen Zürich AG das Fiebermessen als Placebo-Massnahme, da nicht jeder Virus-Träger eine erhöhte Temperatur aufweise.