Zulagen sollen den Umzug versüssen

Im nächsten Sommer steht den rund 400 Mitarbeitern des Bundesverwaltungsgerichts (BVGer) der Umzug von Bern nach St. Gallen ins Haus. Wie viele von ihnen die Zügelkartons in der Ostschweiz auch wieder auspacken, ist allerdings fraglich.

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Im nächsten Sommer steht den rund 400 Mitarbeitern des Bundesverwaltungsgerichts (BVGer) der Umzug von Bern nach St. Gallen ins Haus. Wie viele von ihnen die Zügelkartons in der Ostschweiz auch wieder auspacken, ist allerdings fraglich. Eine interne Personalumfrage hat ergeben, dass nur knapp die Hälfte der Angestellten das Arbeitsverhältnis fortsetzen will; 36 Prozent antworteten mit «vielleicht». Für 14,7 Prozent ist klar, dass sie nicht in St. Gallen arbeiten wollen.

Glas ist halbvoll

Nun könnte man annehmen, dass die drohende Gefahr, die Hälfte aller Mitarbeitenden zu verlieren, für Nervenflattern sorgt – zumal das BVGer schon heute wegen hoher Pendenzen in der Kritik steht. Doch die Verantwortlichen sprechen lieber von einem halbvollen Glas. «Wir sehen das positiv: Die Hälfte aller Befragten will mitkommen», sagt BVGer-Sprecher Andrea Arcidiacono. Dass das zögernde Drittel nicht mitkommt, will das BVGer mit Anreizen verhindern. Zum einen soll in einer Übergangszeit bis Ende 2013 an maximal zwei Tagen von zu Hause aus arbeiten können, wer ein begründetes Gesuch stellt. Umzugswillige sollen zudem fünf Tage frei nehmen können, um in St. Gallen ein Domizil zu suchen.

Geplant sind aber auch finanzielle Anreize, die das Parlament im Budget 2012 allerdings noch genehmigen müsste: Danach erhielten Mitarbeitende in Schlüsselpositionen ein Jahr lang eine Arbeitsmarktzulage. Allen umzugswilligen Angestellten winkt zudem eine einmalige Zahlung von 5000 Franken als Beitrag an die Kosten für den Standortwechsel, wie Arcidiacono sagt.

Zu weit für Pendler

Zudem hofft das BVGer, an der Universität St. Gallen Personal rekrutieren zu können. Zurzeit laufen Gespräche, um Rechtsstudenten Praktiken am BVGEr anzubieten. «Wir strengen uns an, um Westschweizer und Tessiner zu finden», versichert der BVGer-Sprecher. Denn angesichts der peripheren Lage St. Gallens ist es nicht einfach, Romands und Tessiner zum Umzug zu bewegen, zum Pendeln ist für sie die Distanz zu gross. Zudem: Wer sich in einem frankophonen Umfeld in der Region Bern häuslich niedergelassen hat, macht erfahrungsgemäss ungern den Schritt über die Sprachgrenze. (dla)