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Zürich sagt Ja zum neuen Stadion

Die Stadtzürcher geben grünes Licht für ein neues Fussballstadion und befürworten das Projekt «Ensemble» mit 53,7 Prozent. Bis die Bagger auffahren, dauert es aber noch. Die Stadiongegner wollen sich weiter gegen das Projekt wehren.
Matthias Scharrer
Das 570 Millionen Franken teure Projekt «Ensemble» sieht 174 Genossenschaftswohnungen, ein Stadion für 18'000 Zuschauer und zwei 137 Meter hohe Wohn- und Bürotürme mit 600 Wohnungen vor. (Bild: Nightnurse images)

Das 570 Millionen Franken teure Projekt «Ensemble» sieht 174 Genossenschaftswohnungen, ein Stadion für 18'000 Zuschauer und zwei 137 Meter hohe Wohn- und Bürotürme mit 600 Wohnungen vor. (Bild: Nightnurse images)

Wie vom Fotografen gewünscht, setzen der FC-Zürich-Präsident Ancillo Canepa und GC-Präsident Stephan Anliker zum Luftsprung an, als das Abstimmungsresultat feststeht: 53,7 Prozent der Stadtzürcher Stimmberechtigten haben sich gestern für das Stadionprojekt «Ensemble» ausgesprochen. Damit soll auf dem städtischen Hardturm-Areal ein Fussballstadion für 18000 Zuschauer entstehen, das durch zwei direkt daneben platzierte Hochhäuser mit Wohnungen querfinanziert wird. Ausserdem ist auf dem Hardturm-Areal eine Genossenschaftssiedlung mit 174 gemeinnützigen Wohnungen geplant.

FCZ-Präsident Ancillo Canepa (links) und GC-Präsident Stephan Anliker jubeln wie Fussballer nach dem Ja zum Fussball-Stadion. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

FCZ-Präsident Ancillo Canepa (links) und GC-Präsident Stephan Anliker jubeln wie Fussballer nach dem Ja zum Fussball-Stadion. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri)

Die Stadionbefürworter hatten sich schon am Mittag im Café Metropol im Herzen Zürichs versammelt. GC-CEO Manuel Huber gab sich «vorsichtig optimistisch» und verriet: Im Gegensatz zur letzten Zürcher Stadionabstimmung, die 2013 knapp verloren ging, habe man viel mehr in die Kampagne investiert. In Zahlen: 480'000 Franken.

Stadrat macht Druck auf Gegner

Als Canepa eintrifft, umarmt er Anliker. Immer wieder hatten die beiden Clubpräsidenten im Vorfeld betont, vom Stadionbau auf dem Hardturm-Areal hänge die Zukunft des Zürcher Spitzenfussballs ab. Denn statt wie im Letzigrund Miete an die Stadt zu bezahlen, können die Clubs im geplanten neuen Stadion mehr Einnahmen kassieren. Als das Abstimmungsergebnis feststeht, tritt der Zürcher Stadtrat mit Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP), Sportminister Filippo Leutenegger (FDP), Hochbauvorstand André Odermatt (SP) und Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) gleich vierköpfig vor die Medien. «Es steht 1:0 für den Fussball, für durchmischtes Wohnen und die Quartierversorgung», sagt Odermatt. Und fügt an: «Wir brauchen noch weitere Goals.»

Denn bevor die Bagger auffahren können, muss zuerst noch der Gestaltungsplan vom Stadtparlament bewilligt werden. «Er ist rekurs- und referendumsfähig», sagt Odermatt. Auch gegen die darauf folgenden Baubewilligungsverfahren seien Einsprachen möglich. «Rekurse sind zulässig», sagt der SP-Stadtrat. «Aber wir haben nun einen klaren Willen der Stimmbürger.» Der Stadtrat macht sanften Druck auf die Gegner des Projekts Ensemble. Zum einen sind dies Anwohner aus dem Zürcher Stadtteil Höngg. Sie fürchten auf ihrem Hügel um die freie Sicht auf die Alpen und finden «Ensemble» wegen der beiden 137-Meter-Hochhäuser städtebaulich falsch. Der Stadtkreis 10, zu dem Höngg gehört, lehnte als einziger das Projekt Ensemble, zu dem die Stadt vergünstigtes Bauland beisteuert, ab.

Zu den Wortführern der Höngger Projektgegner zählt der ehemalige FDP-Gemeinderat und Heimatschutzpräsident Marcel Knörr. Eine Anfrage dieser Zeitung liess er gestern unbeantwortet. Gegenüber Radio SRF sagte er: «Wir werden sicher weiterkämpfen.» Allenfalls bis vor Bundesgericht. Er und seine Mitstreiter seien nicht gegen das Stadion, sondern gegen die Hochhaustürme. Eine Lösung könnten drei weniger hohe Türme sein.

Wird das Projekt aufgesplittet?

Eine andere mögliche Lösung spricht im «Metropol» Daniel Meier an. Der frühere CVP-Gemeinderat ist Präsident der Vereinigung Pro Sport Zürich und Teilhaber der Stadion Zürich Betriebs AG, die das neue Stadion dereinst betreiben soll. Ihm schwebt vor, das Projekt aufzusplitten: Zuerst gelte es, die politisch unbestrittenen Teile zu realisieren, nämlich das Stadion und die Genossenschaftssiedlung. Dann, und davon losgelöst, die Hochhäuser. Martin Kull, Besitzer der HRS Real Estate AG, unter deren Federführung das Projekt Ensemble geplant, finanziert und realisiert werden soll, erteilt Meier eine Absage: «Das Ensemble bleibt zusammen. Man kann es nicht aufsplitten. Es gibt überall Schnittstellen.» Man werde aber nochmals das Gespräch mit den Gegnern suchen und ihnen das Projekt erneut erklären. «Uns geht es darum, dass nicht Partikularinteressen Einzelner über das allgemeine Interesse gestellt werden», sagt Kull.

Eine andere Gruppe von Gegnern des Projekts spricht Stadtpräsidentin Mauch an: ihre eigene Partei. Die SP hatte das «Ensemble» bekämpft, weil es die Stadt langfristig zu viel kosten würde – und deshalb eine Volksinitiative für ein rein städtisch finanziertes Stadion lanciert. Nun sagt Mauch: «Ich appelliere an die SP, dass sie ihre Volksinitiative zurückzieht.

Wortführerin der «Ensemble»-Gegner in der SP ist Nationalrätin Jacqueline Badran. Sie sei dafür, dass die SP ihre Initiative zurückziehe, sagt sie am Telefon. Diese sei nun obsolet. Ob die Initiative bereits jetzt oder erst bei Baubeginn definitiv zurückgezogen wird, entscheide die Partei am 6. Dezember, teilt die SP per Communiqué mit. «Es kommen spannende Kreise auf uns zu, die sagen, wir sollen noch warten», orakelt SP-Co-Präsident Marco Denoth. «Mehr sage ich jetzt nicht.»

Für Badran ist klar: «Das war ein Pyrrhussieg. Jetzt fängt’s erst richtig an.» Der Höngger Freisinn werde das Projekt mit Rekursen bis vors Bundesgericht bekämpfen und jahrelang blockieren.

Zerknirschte Linke

Seine Körpersprache verriet es: Marco Denoth, Co-Präsident der Stadtzürcher SP, war nach dem Volks-Ja zum Stadionprojekt sichtlich zerknirscht. Die Sozialdemokraten hatten es abgelehnt und stattdessen ein rein städtisch finanziertes Stadion mit Genossenschaftssiedlung, aber ohne profitorientierte Hochhäuser vorgeschlagen. «Die Zürcher stufen es höher ein, dass ein Stadion kommt als 100 Prozent gemeinnützige Wohnungen», sagte er. Auch die Grünen waren gegen das Projekt. «Wir haben es nicht geschafft, durchzubringen, dass es um städtebauliche Fragen geht», sagte ihr Gemeinderat Markus Knauss. Die Gegenseite wiederum habe mit viel Geld glauben gemacht, es gehe vor allem um ein Stadionprojekt. FDP-Stadtparteipräsident Severin Pflüger entgegnete, die SP habe aus der Stadionfrage einen ideologischen Kampf um die Frage gemacht, wie Bauland verwendet werden dürfe. SVP-Gemeinderat Roger Bartholdi meinte, entscheidend sei der Wunsch gewesen, dass Zürich endlich ein richtiges Fussballstadion erhalte. (mts)

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