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ZÜRICH: Ex-Trump-Stratege Bannon: "Blocher war Trump vor Trump"

Stephen Bannon, ehemalige Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, hielt am Dienstagabend in Zürich einen Vortrag. Im Gepäck hatte er viel Lob für die Schweiz – und nur gute Worte für seinen Ex-Chef.
Dominik Weingartner, Zürich
Stephen Bannon (links) und «Weltwoche»-Chef Roger Köppel gestern in Zürich. (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Stephen Bannon (links) und «Weltwoche»-Chef Roger Köppel gestern in Zürich. (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Stephen Bannon ist tief gefallen. Im August 2017 nach nur einem halben Jahr im Amt als Chefstratege von US-Präsident Donald Trump geschasst, verlor er Anfang Jahr auch seinen Posten als Herausgeber des rechten US-Online-Magazins «Breitbart News». Trump brach mit Bannon endgültig, nachdem das Enthüllungsbuch «Fire and Fury» erschien, in dem Bannon mit einigen unvorteilhaften Aussagen unter anderem über Trumps Tochter Ivanka zitiert wird. Der US-Präsident sagte über seinen einst wichtigsten Mann gar, dass dieser seinen Verstand verloren habe.

Trotz dieses politischen und beruflichen Niedergangs verfügt der 64-Jährige noch immer über viel Anziehungskraft – jedenfalls in der Schweiz. Mit Spannung war sein erster öffentlicher Auftritt in Europa erwartet worden. Der von der «Weltwoche» organisierte Anlass mit Bannon in Zürich-Oerlikon am Dienstagabend war ausverkauft. Der Andrang war riesig, eine mehrere dutzend Meter lange Menschenschlange bildete sich vor der Halle 622, einer zur Eventhalle umgebauten ehemaligen Industrieanlage. Über 1200 Besucher erwarteten die Organisatoren im Vorfeld. Und sie alle mussten durch die Sicherheitskontrolle geschleust werden, die mehr an einen Flughafen erinnerte denn an einen Vortrag. Metalldetektoren und grimmig dreinblickende Sicherheitsleute inklusive.

Vor dem Auftritt wurden alle Besucher kontrolliert. (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Vor dem Auftritt wurden alle Besucher kontrolliert. (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))


Bannon kritisiert Finanzelite

Bannon verstand es gleich zu Beginn seines Auftritts, den Schweizern – und vor allem den zahlreich anwesenden «Weltwoche»-Abonnenten – Honig ums Maul zu schmieren. Die Bewegung gegen das Establishment, von der Bannon gerne spricht, habe ein bisschen in der Schweiz begonnen, sagte er. Nämlich 1992, als die Schweizer Stimmberechtigten den Beitritt zum EWR ablehnten. «Dr. Blocher hat sich alleine gegen das Establishment gestellt», sagte Bannon unter tosendem Applaus der Zuschauer. «Blocher war Trump vor Trump.» Doch so gut scheint sich Bannon mit den Schweizer Begebenheiten nicht auszukennen. Denn kurze Zeit später wetterte er vehement gegen die Finanzelite, die den einfachen Arbeiter ausnehme – ignorierend, dass der noch eben stark gelobte Milliardär Blocher einen Grossteil seines Vermögens mit Finanzgeschäften gemacht haben soll.



Die Kritik an der Wallstreet und dem Finanzsystem kam beim Publikum nicht so gut an wie das Gezeter gegen die sogenannten Eliten. Bannon sprach offen von einer «populistisch-nationalen Bewegung», die in den USA und in Europa auf dem Vormarsch sei. «Schauen Sie nach Italien», sagte er. «Zwei Drittel haben Anti-Establishment-Parteien gewählt», so Bannon. Auch der Aufstieg der AfD in Deutschland oder das Brexit-Votum in Grossbritannien seien Zeichen für diesen Vormarsch. «Es ist nicht vorbei, es beginnt erst», rief Bannon unter tosendem Applaus in den Saal. «Souveränität» war ein von ihm viel benutzter Begriff, der seine Wirkung im Publikum nicht verfehlte.

Vom Filmproduzenten zum Sprachrohr der Rechten

Dass Bannon zieht, liegt aber auch an Bannon selbst. Wenn der Begriff «schillernd» auf eine Person zutrifft, dann auf ihn. Navy-Offizier, Banker bei Goldman Sachs, Filmproduzent – unter anderem bei Sean Penns Regiedebüt «Indian Runner», Sprachrohr der amerikanischen Alt-Right-Bewegung und schliesslich Chefstratege im Weissen Haus. Bannon ist ein gewandter Redner, er gilt als sehr belesen und versteht es, sein Publikum zu unterhalten.

Auf die Frage von «Weltwoche»-Chef und SVP-Nationalrat Roger Köppel, ob er noch mit Trump spreche, sagte er nach viel Rumgedruckse, dass die Anwälte der beiden noch miteinander sprächen. Dennoch hatte der ehemalige Chefstratege nur lobende Worte für Trump übrig. Dessen Entscheide seien durchaus überlegt. Die jüngsten Beschlüsse zur Handelspolitik – Stichwort Stahlzölle – seien bereits seit März 2017 in Arbeit. «Trump arbeitet sehr unkonventionell», so Bannon. «Er liest keine hundertseitigen McKinsey-Berichte. Aber das ist auch nicht nötig.» Trotz allen Verwerfungen zwischen ihm und Trump sagte Bannon: «Ich liebe diesen Typen noch immer.»



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