ZÜRCHER STADTRATSWAHLEN: Kommentar: SVP und CVP im Krebsgang

Mit Untergangsrethorik versuchten die bürgerlichen Parteien die Zürcher Stimmbürger auf ihre Seite zu ziehen - und scheiterten. Das Wahlergebnis müsste vor allem der SVP zu denken geben, schreibt Jürg Ackermann in seinem Kommentar.

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Die CVP verlor bei den Zürcher Wahlen ihren Sitz im Stadtrat. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Die CVP verlor bei den Zürcher Wahlen ihren Sitz im Stadtrat. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Schlecht regiert, verwaltet statt gestaltet, Zürich vor dem Niedergang: Mit markigen Worten versuchte das bürgerliche Bündnis aus FDP, CVP und SVP die Zürcher Wähler zu einem «umfassenden Politikwechsel für eine bessere Zukunft» zu bewegen. Das Unterfangen scheiterte kolossal. Gerade mal zwei von neun Sitze bleiben in der grössten Schweizer Stadt in bürgerlicher Hand. Den Rest besetzt Links-grün – und neu die GLP.

Dass solche Untergangsrhetorik in einer boomenden Stadt, die immer wieder internationale Preise für ihren Lebensstandard erhält, reichlich absurd anmuten musste, ist das eine. Dass die bürgerliche Solidarität ganz offensichtlich nicht spielt, das andere. Das Problem war hier einmal mehr die SVP: Wer auf nationaler Ebene so stark polarisiert wie die Blocher-­Partei, schafft es bei Exekutivwahlen nicht, über die eigene Anhängerschaft hinaus zu punkten – selbst mit moderaten Kandidaten wie in Zürich. Gerade für viele freisinnige Wähler bleibt die SVP ein rotes Tuch. Das müsste der Partei zu denken geben, zumal sie auch bei den Gemeinderatswahlen deutlich verlor.

Ein Flop waren die Zürcher Wahlen auch für die CVP. Und auch hier bestätigte sich ein nationaler Trend. Wie vor drei Monaten in St. Gallen schnappte die GLP, die beim urbanen Publikum offensichtlich besser ankommt, den weiter serbelnden Christlichdemokraten den einzigen Stadtratssitz weg.

Jürg Ackermann
juerg.ackermann@tagblatt.ch