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Zürcher Kinderspital zeigt Herzchirurgen an – sein Anwalt spricht von «falschen Vorwürfen»

Der Ärztestreit am Zürcher Kinderspital eskaliert: Personen aus der Chefetage des Spitals haben ihren ehemaligen Mitarbeiter wegen Drohung angezeigt. Der Herzchirurg war im Frühling fast drei Monate im Hungerstreik. Sein Anwalt weist alle Vorwürfe zurück und nennt die Vorwürfe «unwahre Anschuldigungen».
Leo Eiholzer
Herzchirurg A.S. wurde vom Zürcher Kinderspital wegen Drohung angezeigt. (Quelle: Leo Eiholzer)

Herzchirurg A.S. wurde vom Zürcher Kinderspital wegen Drohung angezeigt. (Quelle: Leo Eiholzer)

Am Anfang ging es um die Begründung einer Kündigung, nun sind im Ärztestreit am Kinderspital Zürich plötzlich Polizei und Staatsanwaltschaft involviert: Personen aus der Chefetage des Kinderspitals haben ihren ehemaligen Angestellten – den Herzchirurgen A. S.* – wegen Drohung angezeigt. Dieser war im Januar entlassen worden und trat danach für fast drei Monate in den Hungerstreik (CH Media berichtete). Er warf dem Interims-Chefarzt der Herzchirurgie vor, ihn bei Operationen absichtlich gestochen zu haben, was das Kinderspital vehement zurückwies. Ausserdem beklagte er sich über Mobbing und verlangte ein aus seiner Sicht faires Arbeitszeugnis. Der Kündigung wegen «ungenügendem Leistungsverhalten» widerspricht, dass das Kinderspital A.S’ Lohn erhöhte und seinen befristeten Vertrag in einen unbefristeten umwandelte.

Nun ist die Situation eskaliert. Das Kinderspital machte die Anzeige gegen den 42-jährigen Herzchirurgen gestern per Medienmitteilung publik und spricht von «mehreren massiven Drohungen», die A. S. im Rahmen einer Mediation geäussert habe. Der Herzchirurg wehrt sich. Sein Strafverteidiger Marc Engler schreibt: «Mein Mandant weist die Vorwürfe, er habe anlässlich der Mediation irgendwelche Drohungen ausgesprochen, vehement zurück.» Alle Aussagen, die in der Mediation getätigt wurden, seien wie von allen Parteien gewünscht streng vertraulich. Daher könne er sich nicht im Detail zu den «falschen Vorwürfen» äussern. «Es befremdet, dass das Kinderspital gegen die Vertraulichkeit verstösst und diese unwahren Anschuldigungen in die Öffentlichkeit trägt», so der Anwalt. «Damit entsteht der Eindruck, dass mit allen Mitteln versucht wird, den Ruf meines Mandanten zu beschädigen.»

Eine E-Mail, auf die auch das Kinderspital verweist, liegt dieser Zeitung vor. Diese ist wütend geschrieben, enthält augenscheinlich aber keine Gewaltdrohungen. A. S. schreibt darin, die Verantwortlichen des Kinderspitals hätten sein Leben kaputtgemacht: «Ich gebe mein Leben für mein Recht», so A. S., dem das Kinderspital nun fristlos gekündigt hat. Es sei verbal zu massiven Drohungen gekommen, sagt das Kispi.

Am frühen Samstagmorgen tauchte die Kantonspolizei Zürich bei mehreren ehemaligen Mitarbeitern des Kinderspitals auf und suchte nach dem Herzchirurgen, wie diese Zeitung weiss. Die Zürcher Staatsanwaltschaft äussert sich dazu auf Anfrage nicht und bestätigt nur, dass die Anzeige des Kinderspitals eingegangen ist. A. S.’ Anwalt sagt, sein Mandant sei wie schon länger geplant nach Deutschland gefahren und habe erst dort von der Strafanzeige erfahren.

Die Veröffentlichung des unbewiesenen Vorwurfs rechtfertigt die Kinderspital-Sprecherin damit, dass man «Spekulationen» zuvorkommen wollte. In der Medienmitteilung kommt die Unschuldsvermutung, die auch in diesem Fall gilt, nicht vor.

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