Zivildienstler nicht bestrafen

Unerwartet viele junge Männer wollen seit der Abschaffung der Gewissensprüfung Zivildienst leisten. Das ist an sich eine gute Nachricht. Sie zeigt, wie gross die Bereitschaft nach wie vor ist, unserer Gesellschaft zu dienen. Wir sind keine Nation von Drückebergern, die nur noch vom Egoismus angetrieben wird.

Drucken
Teilen

Unerwartet viele junge Männer wollen seit der Abschaffung der Gewissensprüfung Zivildienst leisten. Das ist an sich eine gute Nachricht. Sie zeigt, wie gross die Bereitschaft nach wie vor ist, unserer Gesellschaft zu dienen. Wir sind keine Nation von Drückebergern, die nur noch vom Egoismus angetrieben wird.

Für die Armeeführung hingegen ist die Nachricht weniger schmeichelhaft: Sie sollte sich ernsthaft fragen, wie der Militärdienst wieder attraktiver gestaltet werden kann. Das Hauptproblem in diesem Zusammenhang ist doch, dass sich sehr viele – oft gut ausgebildete – Soldaten in den jährlichen Wiederholungskursen langweilen. Selbst armeefreundlich gesinnte junge Männer haben oft Mühe, den Sinn ihrer Tätigkeit zu erfassen.

Dahinter stecken zwei Probleme: Erstens das starre WK-System, das viele Leerläufe produziert. Zweitens, weit gravierender, die nach wie vor unklare Definition dessen, was die Schweizer Armee können muss. Darüber sollten sich Politiker und Armeeführung Gedanken machen, anstatt nun jene weiter zu bestrafen, die bereit sind, einen anderthalb Mal so langen Dienst am Land im zivilen Bereich zu leisten. Dazu braucht es aber ein bisschen mehr politischen Tiefgang als das unehrliche Poltern gegen vermeintliche Drückeberger.

Stefan Schmid

s.schmid@tagblatt.ch