«Zielkonflikte lösen»

Herr Schellenbauer, subjektiv hat man den Eindruck, es werde viel gebaut. Weshalb sind Wohnungen dennoch Mangelware?

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Patrik Schellenbauer Ökonom, Avenir Suisse

Patrik Schellenbauer Ökonom, Avenir Suisse

Herr Schellenbauer, subjektiv hat man den Eindruck, es werde viel gebaut. Weshalb sind Wohnungen dennoch Mangelware?

Wir stellen fest, dass sich das Bevölkerungswachstum beschleunigt, die Neubautätigkeit in den letzten 10 Jahren aber rückläufig war. Zugleich hatten wir steigende Löhne. Ökonomisch betrachtet, muss diese Nachfrage irgendwie zurückgedrängt werden – eben durch höhere Mieten an den gefragten Lagen.

Weshalb wird nicht mehr gebaut?

Der Bevölkerungsdruck konzentriert sich stark auf die Städte und Wirtschaftszentren. Dort wird es zunehmend schwieriger, überhaupt noch neue Projekte zu realisieren. Ausserdem haben wir in der Schweiz eine Aversion gegen dichte Städte. Unser Idealbild sieht nicht aus wie die Skyline von Manhattan oder London.

Sollte man die Zuwanderung begrenzen?

Die Löhne sind trotz der Zuwanderung nicht gesunken, sondern gestiegen. Die Schweiz gehört ohne Zweifel zu den Gewinnern in der Globalisierung. Die Wirtschaft ist auf Fachspezialisten aus dem Ausland angewiesen. Wir müssen uns aber der Zielkonflikte bewusst sein: Wir können nicht zugleich ein offenes Land haben, tiefe Mieten und eine intakte Landschaft haben.

Ihr Vorschlag?

Wichtig ist, dass durch eine Öffnung von Baurecht und Zonenordnungen die Städte noch mehr verdichtet werden. Wenn jedes Gebäude ein Geschoss mehr hätte, brächte dies eine grosse Entlastung. Wir müssen dort bauen, wo die Nachfrage am grössten ist. (J. Z.)