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Wird der vierte Bauer Bundesrat?

Alle sieben Kandidaten haben einen Bezug zur Landwirtschaft – Peter Hegglin hat das Meisterdiplom, weitere Bundesratsanwärter sind über zwei Generationen hinweg direkt mit der Landwirtschaft verbunden.
Othmar von Matt
Der gelernte Landwirt Peter Hegglin während der Zeit, als er den Hof als Biobergbauer führte. (Bild: PD)

Der gelernte Landwirt Peter Hegglin während der Zeit, als er den Hof als Biobergbauer führte. (Bild: PD)

Er wohnt noch auf dem elterlichen Bauernhof, den er von 1987 bis 2002 führte. Als Peter Hegglin in den Zuger Regierungsrat gewählt wurde, legte er den Bauernhof aber still. «Um Vorwürfe wie Subventions- oder Direktzahlungsempfänger zu vermeiden», wie er sagt. Wegen der steilen Hanglange in Edlibach galt er als Biobergbauer. Das Land hat er anderen Bauern verpachtet. Er selbst hält noch 16 Bienenvölker, die 150 bis 250 Kilo Honig geben.

Hegglin ist nun CVP-Bundesrats-Kandidat. Er wäre der vierte Bauer im Bundesrat, nach Rudolf Minger (1929–40), Paul Chaudet (1954–66) und Guy Parmelin (seit 2015). Auch Christoph Blocher hatte eine landwirtschaftliche Lehre absolviert, war aber nie Bauer. Und Buchhalter Ueli Maurer war Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes.

Die zwei Bauerntöchter

Hegglin, gelernter Landwirt mit Meisterdiplom, war auch Prä­sident des Zuger und Vize­präsident des Schweizerischen Bauernverbandes. Er ist aber nicht der einzige Bundesratskandidat mit engem Bezug zur Landwirtschaft. Heidi Z’graggen (CVP, UR) und Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP, BL) sind Bauerntöchter. «Ich habe eine landwirtschaftliche Herkunft und bin sehr naturverbunden», sagt Z’graggen. Ihr Vater führte als junger Mann mit seinem Bruder den Hof der Eltern. «Meine Grosseltern hatten einen Tal- und einen Bergbetrieb auf 1500 Metern», erzählt Z’graggen. «Mein Vater musste, wenn sie auf dem Bergbetrieb waren, eine Stunde in die Schule im Tal und am Abend zwei Stunden zurück, wo noch die Hofarbeiten anstanden.» Die Landwirtschaft erbringe wichtige Leistungen für die Bevölkerung. «So die Lebensmittelproduktion, aber auch bei der Landschaftspflege.» Die Mitarbeit auf dem Bauernhof der ­Eltern habe sie «enorm geprägt und leistungs­fähig» gemacht, sagt Elisabeth Schneider-Schneiter. «Als Bauerntochter und Präsidentin der Handelskammer beider Basel traue ich mir das Gespür zu, die Balance zu finden für Lösungen zwischen Agrar- und Freihandelspolitik.»

Für Historiker Urs Altermatt, Herausgeber des Bundesrats-Lexikons, ist klar: «Die Schweizer haben, solange sie nicht aus dem städtischen Milieu stammen, über eine bis drei Generationen zurück die Landwirtschaft in ihrem familiären Hintergrund», sagt er. «Wir sind ursprünglich ein Bauernvolk mit städtischer Patrizierschicht.» Das zeigt sich bei den übrigen Bundesrats-Kandidaten. Auch sie sind – mit Ausnahme von FDP-Regierungsrat Christian Amsler (SH) – über zwei Generationen hinweg direkt mit der Landwirtschaft verbunden. Viola Amherds (CVP, VS) Grosseltern hielten als Nebenerwerb «Ziegen und eine bis zwei Kühe und Schweine», wie sie sagt. Auch Karin Keller-Sutter (SG), die FDP-Kronfavoritin auf die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann, hat einen Bezug zur Landwirtschaft, obwohl ihre Eltern in Wil das Restaurant Ilge führten. «Meine Grosseltern mütterlicherseits waren Bauern», sagt sie. «Meine Mutter wuchs also auf einem Hof auf.»

Keller-Sutters Bezug könnte besondere Bedeutung bekommen, falls sie Schneider-Ammanns Wirtschaftsdepartement übernimmt. Sie stimmte, als St. Galler Ständerätin, schon gegen Kürzungen im Agrarbudget. «Ich habe vor allem gegen Kürzungen bei den Direktzahlungen gestimmt», sagt sie, «weil dort direkt das Einkommen der Bauernfamilien betroffen ist.» Keller-Sutter betont, sie kenne die kritischen Punkte bei Freihandelsabkommen für die Landwirtschaft. Als Präsidentin der EU-Efta-Delegation war sie oft im Ausland zu Freihandelsgesprächen. «Ich bin auch mit der Landwirtschaft im Gespräch», betont sie. Diese sei nicht gegen Freihandel. «Sie hat aber gewisse Bedingungen, die erfüllt werden müssen. Aus meiner Erfahrung ist es möglich, sich mit den Bauern zu verständigen.»

Bäuerliche Wurzeln weist auch Ständerat Hans Wicki (NW) aus. Sein Vater wuchs in einer Bauernfamilie in Menznau (LU) auf. Heute führt Wickis Cousin den Hof. Regierungsrat Amsler absolvierte immerhin einen Landdienst.

Bauern – eine Macht im Parlament

Im Parlament, das die Bundesräte wählt, sind die Bauern eine Macht. Die Konferenz der bäuerlichen Parlamentarier umfasst 30 Mitglieder aus fünf Frak­tionen, wie CVP-Nationalrat Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes, sagt. Sie sind direkt mit der Landwirtschaft verbunden. Und dem landwirtschaftlichen Klub, der wichtige Themen aufgreift, gehören über 100 Parlamentarier an. Dass die Landwirtschaft bei den aktuellen Bundesratswahlen eine so wichtige Rolle spielt, hat für Ritter mit der bäuerlichen Ethik zu tun. «Seit die Prüfungskommissionen genauer hinsehen, haben einige Juristen aufgrund ihrer Mandate ein potenzielles Reputationsrisiko bei einer Kandidatur», sagt er. «Bäuerliche Ethik und saubere Politik aber passen gut zusammen.» Bauern hätten auch in der Politik relativ hohe Glaubwürdigkeit. «Man traut ihnen.»

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