Mediensprecher des Trinkwasserverbands zum Aktionsplan Pflanzenschutzmittel: «Wir vermissen konkretere Ziele»

Paul Sicher vom Trinkwasserverband SVGW äussert sich im Interview zur Trinkwasser-Initiative und erklärt, wie gut es um das hiesige Wasser steht.

Maja Briner
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Paul Sicher

Paul Sicher

Weshalb fordert der SVGW, der Verein der Trinkwasserversorger, einen Gegenvorschlag zur Trinkwasser-Initiative?

Paul Sicher: Es wird für die Wasserversorger immer schwieriger, sauberes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Im Mittelland enthalten 70 Prozent der Grundwasserbrunnen in landwirtschaftlich genutzten Gebieten mehr als 0,1 Mikrogramm Pestizide pro Liter – also mehr als der gesetzliche Anforderungswert. In den Bächen findet man einen ganzen Cocktail an Pestiziden, deren Wirkung nur unzureichend abschätzbar ist. Das sind deutliche Anzeichen, dass wir den Schutz der natürlichen Trinkwasservorkommen verbessern müssen.

Wie steht es um unser Trinkwasser?

Das Trinkwasser ist heute gut. Aber der Aufwand, um die gute Qualität zu halten, steigt. Es gibt heute praktisch keine Ausweichstandorte für alternative Wasserfassungen mehr. Als Hüter der Trinkwasserqualität legen wir viel Wert auf Vorsorge. Denn ein Stoff, der ins Grundwasser gelangt, ist Jahrzehnte danach noch nachweisbar.

Mussten Wasserversorger wegen Pflanzenschutzmittel- oder Nitrateinträgen Fassungen schliessen?

In einer Umfrage, die wir 2018 durchgeführt haben, sagten 28 Prozent, dass sie in den letzten 20 Jahren Fassungen schliessen mussten. Die Nutzungskonflikte nehmen zu, unter anderem mit der Landwirtschaft. Das Problem brennt den Wasserversorgern unter den Nägeln. Wir müssen heute schon teilweise Wasser mischen, damit die Höchstwerte der Lebensmittelgesetzgebung eingehalten werden können. Mittelfristig müssten wir Trinkwasser aufbereiten. Das ist teuer und nicht verursachergerecht.

Der Bundesrat setzt auf den «Aktionsplan Pflanzenschutzmittel». Wieso genügt das nicht?

Der Aktionsplan ist eine freiwillige Massnahme des Bundes. Wir vermissen die Verbindlichkeit und konkretere Ziele und Massnahmen zum Schutz des Grundwassers. Auch die Massnahmen, die der Bundesrat mit der Agrarpolitik 22+ vorschlägt, reichen nicht aus, und wir befürchten, sie sind leere Versprechen.

Ein Gegenvorschlag dürfte aber nicht mehrheitsfähig zu sein. Wird der SVGW in diesem Fall die Initiative unterstützen?

Das ist eine Option. Wir werden im Sommer das Geschäft mit unseren Mitgliedern diskutieren. Momentan glauben wir aber noch an einen Gegenvorschlag. Die Initiativen gehen sehr weit – wir sind der Überzeugung, dass wir mit spezifischen Massnahmen den Schutz des Trinkwassers und der Wasservorkommen besser erreichen können, doch dafür braucht es politischen Willen und einen Gegenvorschlag. Es ist zweifelsohne zielführender, Massnahmen zum Schutz der Gewässer und des Trinkwassers einzuführen, ohne die ganze Landwirtschaft umzukrempeln. (mjb)