«Wir sind kein Indianerreservat»

Als Bub half Roberto Schmidt seinem Vater, Schafe auf dem Rücksitz eines VW zu transportieren. Als Nationalrat fordert er nun, Wölfe präventiv abzuschiessen.

Denise Lachat
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Roberto Schmidt (Bild: ky)

Roberto Schmidt (Bild: ky)

bern. Sein Kampf gegen den Wolf, der im Wallis Schafe und ein Rind gerissen hat, bringt Roberto Schmidt viele böse Briefe und Mails ein. Jemand hat ihm anonym gedroht: «Beim nächsten Wolf bist du dran.» Ein rabiater Tierschützer, wohl einer aus der Deutschschweiz, mutmasst der Walliser CSP-Nationalrat und seufzt. Die Deutschschweizer! Die wünschten sich das Wallis als unberührtes Naturparadies, in dem sie den Wolf, den Luchs und den Bär bewundern können. So habe es ihm einer sinngemäss geschrieben und damit begründet, das Wallis erhalte schliesslich genug Subventionen aus dem nationalen Finanzausgleich.

«Wollen normal leben können»

Das kommt bei Schmidt schlecht an. «Das Wallis ist doch kein Indianerreservat, wir wollen hier normal leben können wie andere auch.» Das Leben, das sich Schmidt am liebsten vorstellt, ist eines, in dem es den Wolf nicht gibt. Doch der Präsident der Oberwalliser Gemeinde Leuk macht sich keine Illusionen. Die Wölfe seien, nachdem das Wallis 1947 das letzte Tier geschossen habe, nun wieder da, würden bleiben und sich vermehren. Regulieren müsse man ihren Bestand hingegen wie beim Wild, verlangt Schmidt. Konkret heisst das, dass die Kantone in Absprache mit dem Bundesamt für Umwelt Wölfe zur Jagd freigeben dürfen, sobald ihre Zahl eine bestimmte Grenze übersteigt – also bevor sie, wie es das heutige Gesetz formuliert, Nutztiere wie Schafe oder Rinder reissen. Das fordert Schmidt in einer Motion, die der Ständerat heute behandelt; zudem will er mehr Mittel für den Herdenschutz.

Vater war ein «Rucksackbauer»

Roberto Schmidt ist weder Jäger noch Schafzüchter, die Liebe zum Schaf hat er von seinem Vater geerbt. Dieser arbeitete in der Fabrik und hielt daneben ein Dutzend Schafe: Er war ein «Rucksackbauer» wie so viele andere Walliser auch. Jeden Sonntag brachte die Familie den Schafen «Gläck» auf die Alpweiden der Gemmi und der Leuker Sonnenberge, «das war nicht immer lustig», sagt Schmidt. Doch wenn er in der Wandelhalle des Bundeshauses davon spricht, wie er mit dem Vater auf der Rückbank des VW-Käfers einen zuchtstarken Widder festhielt, damit er auf der Fahrt von einem Walliser Dorf zum nächsten nicht vom plastikbezogenen Sitz rutschte, leuchten seine Augen vor Stolz.

Für Schmidt, der noch heute «an jede Schafschau geht und viele Freunde unter den Schäfern hat», steht trotzdem ausser Frage, dass ein Nutztier wie ein Schaf einen höheren Stellenwert hat als ein Raubtier. Und er warnt : Niemand habe geglaubt, dass Wölfe grössere Tiere wie Rinder angreifen würden, passiert sei es dann aber doch. Den Beteuerungen der Fachleute, dass der Wolf den Menschen nicht angreift, mag der Walliser Nationalrat nicht glauben. Der Wolf werde seine Scheu vor dem Menschen verlieren wie bereits heute der Fuchs.

Eingangspforte für den Wolf

Wölfe leben heute in elf Kantonen, zu reden geben sie vor allem im Wallis. Sein Kanton sei eben die Eingangspforte für den Wolf aus Italien und aus Frankreich, erklärt Roberto Schmidt. Und er ist überzeugt: «Hätte der Kanton Zürich diese Funktion, gäbe es dort ein ebenso lautes Geschrei.»