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«Wir müssen uns nicht verstecken»

Die Grossbank Credit Suisse investiert mehr als bisher in ihren Heimmarkt. Thomas Gottstein, Chef der neu geschaffenen Schweizer Einheit, zeigt sich überzeugt, dass die grössere Selbstverantwortung frischen Schwung bringt.
Thorsten Fischer
Thomas Gottstein ist Chef der Credit Suisse (Schweiz) AG. Sie ist eine eigenständige Einheit der Gruppe und könnte im 2. Halbjahr 2017 an die Börse gehen. (Bild: Ralph Ribi)

Thomas Gottstein ist Chef der Credit Suisse (Schweiz) AG. Sie ist eine eigenständige Einheit der Gruppe und könnte im 2. Halbjahr 2017 an die Börse gehen. (Bild: Ralph Ribi)

Das Marktumfeld für Banken bleibt schwierig. Zugleich schreitet die Digitalisierung voran. Im hiesigen Markt stellt sich die von Thomas Gottstein geführte Credit Suisse (Schweiz) AG diesen Herausforderungen.

Das Schweizer Geschäft der Credit Suisse startet in Kürze als eigenständige Tochter der Credit Suisse Group. Wer wird mehr davon merken – Kunden oder Mitarbeiter?

Für die Bank und ihre Mitarbeiter ist das ein Mammutprojekt. Es arbeiten über 1000 Spezialisten daran, und 1200 IT-Applikationen sind davon betroffen. Die Kunden hingegen müssen nichts machen und sollen möglichst wenig merken. Hingegen wollen wir, dass die Kunden über die Zeit spüren, dass wir wieder mehr in die Schweiz investieren und die Kundennähe ausbauen. Wir haben in den vergangenen Jahren zwar auch in den Heimmarkt investiert, aber nicht so stark, wie man es von einer Credit Suisse hätte erwarten können.

Die Aufteilung hat die Finanzmarktaufsicht den Grossbanken vorgeschrieben. Sehen Sie darin gleichzeitig eine Chance? Der Konzern als Ganzes musste in jüngerer Zeit Verluste und Kritik einstecken.

Wir sehen in der separaten Einheit tatsächlich neue Möglichkeiten. Wir schaffen damit die Voraussetzung für den Börsengang. Er wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2017 stattfinden, sofern das Marktumfeld stimmt. 20 bis 30 Prozent der Schweizer Tochter sollen an den Markt gebracht werden. Die Erlöse daraus stärken einerseits die Gruppe, aber sie machen auch den Wert des Schweizer Geschäfts deutlich. Und am wichtigsten ist mir mehr Selbstverantwortung und Selbstbestimmung für das Schweizer Geschäft. Das motiviert auch die Mitarbeiter und wird von Kunden positiv aufgenommen.

Bleibt der Schweizer Teil langfristig in der Credit Suisse Group? Es gibt Befürchtungen, die CS verscherble mit dem Börsengang leichtfertig ihr Tafelsilber.

Die Schweizer Einheit bleibt weiterhin ein Teil der Gruppe. Auch der neue Verwaltungsrat der Schweizer Einheit wurde mit Blick darauf zusammengesetzt. Führungspersonen aus dem nationalen und dem internationalen Geschäft und erfahrene Kenner des Finanzplatzes sind darin vertreten. Wir streben trotz grösserer Selbständigkeit keine Abnabelung von der Gruppe an. Wir sind weiterhin ein Teil von ihr und sehen darin viele Vorteile.

Welche sind das genau?

Know-how in internationalen Fragen anbieten zu können, ist auch für eine Bank im Heimmarkt Schweiz wichtig. Dank der Gruppe können wir dies. Beispielsweise wenn es darum geht, eine Schweizer Biotechfirma an die New Yorker Technologiebörse zu bringen. Oder wenn eine Schweizer Firma plant, ein ausländisches Unternehmen zu kaufen. Für Schweizer Privatkunden ist es zudem interessant, aus erster Hand über ausländische Investitionsmöglichkeiten informiert zu werden. Und dennoch ist die neue CS Schweiz, die kein Offshore-Geschäft betreiben wird, eine der wenigen schweizweit tätigen Banken, bei der praktisch alle Kunden – 98 Prozent – ihren Wohnsitz in der Schweiz haben.

Wenn die Schweizer Wurzeln derart im Fokus stehen: Könnte man den Schweizer Credit-Suisse-Teil nicht gleich umbenennen und den traditionsreichen Namen SKA wieder aufleben lassen?

Wir treten weiterhin bewusst unter dem gut verankerten Namen Credit Suisse auf. Gerade wenn wir in einer Kundenberatung internationale Kollegen mit an den Tisch bringen, wären unterschiedliche Namen auf den Visitenkarten wenig sinnvoll. Im Übrigen hat sich die CS seit den SKA-Zeiten ja auch verändert. Seither wurden mehrere Banken übernommen, das Geschäft breiter aufgestellt, und die Marke Credit Suisse steht auch für diese Weiterentwicklung.

Wie sieht es mit dem Filialnetz aus? Bleiben Sie hier als Schweizer Universalbank sichtbar und präsent?

Ja sicher. Filialschliessungen sind bei uns kein Ziel, aber wir verfolgen die Trends im Markt genau und überprüfen unser Filialnetz regelmässig. Und wir investieren in die Erneuerung unserer regionalen Standorte. Banking findet weiterhin auch vor Ort statt – ob es nun um eine Hypothek oder Anlageberatung geht. Inzwischen haben wir an 17 Standorten spezielle Beratungsstandorte für Unternehmer und Führungsleute eingerichtet. Diese Kunden wollen wir noch stärker ansprechen. Immerhin zählte auch Alfred Escher, der die CS vor 160 Jahren gründete, zu den grossen Unternehmern der Schweiz.

Wie wird sich die Digitalisierung auswirken?

Transaktionen werden heute vermehrt digital abgewickelt, und wir investieren auch in diesen Bereich kräftig. Neben der Digitalisierung im Backoffice bauen wir auch unser Kundenangebot aus. Erst vor Kurzem haben wir zum Beispiel angekündigt, Geld am Bancomaten neu auch ohne Karte, sondern nur mit dem Smartphone beziehen zu können. Am Schluss entscheiden die Kundenbedürfnisse, was weiterhin im direkten Kontakt geschieht und was elektronisch.

Wie bringen Sie diese Entwicklungen zusammen? Es gibt sicher Kunden, die sehr viel digital machen möchten, weil sie mit den neuen Technologien aufwachsen. Zugleich wird aber auch die bisherige Infrastruktur weiter gefragt sein.

Das ist tatsächlich eine Herausforderung, der sich aber jede Bank zu stellen hat. Die Basisinfrastruktur muss fortlaufend mit neuen, modernen Erweiterungen ausgestattet werden. Konkret bei der Credit Suisse heisst das: In den letzten fünf Jahren sind im digitalen Bereich weit über 1000 Applikationen dazugekommen. Der Zahlungsverkehr läuft heute praktisch vollautomatisiert. Und wir investieren in den weiteren Ausbau des digitalen Angebots gegenüber unseren Kunden. Daneben bieten wir natürlich unverändert persönliche Beratung an. Für eine Anlageberatung oder einen Unternehmenskredit wollen die Kunden meist immer noch einen Berater treffen.

Der Heimmarkt ist nach den Turbulenzen im Auslandgeschäft für viele Banken wieder interessant. Damit ist die Konkurrenz sehr intensiv.

Wir haben Respekt vor unseren Mitbewerbern, aber wir müssen uns nicht verstecken. Wir stehen mit einem gesunden Selbstvertrauen in diesem Wettbewerb: Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich unsere Investitionen in den Heimmarkt Schweiz lohnen.

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