Wir haben den besten Ruf der Welt: Kein Land ist so beliebt wie die Schweiz

Eine neue britische Studie zeigt: Die Schweizer gelten auch als exzellente Kommunikatoren. Die Neutralität kostet das Land aber gehörig an Einfluss.

Samuel Schumacher
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Sicher und so beliebt wie kein anderes Land: Das ist die Schweiz laut einer britischen Studie.

Sicher und so beliebt wie kein anderes Land: Das ist die Schweiz laut einer britischen Studie.

Bild: Pius Amrein

Gute Neuigkeiten für die Schweiz: Die Alpenrepublik ist das beliebteste Land der Welt. Das zeigt eine neue Studie, welche die britische Beratungsfirma Brand Finance gestern in London vorgestellt hat. 55000 Menschen in 100 Ländern wurden für die Untersuchung befragt. Die britischen Forscher wollten herausfinden, welches Land die grösste «Soft Power» hat. Darunter verstehen sie die Fähigkeit einer Nation, andere ohne Gewalt und politischen Druck zu beeinflussen. Das Ranking ist also sozusagen eine Influencer-Rangliste der internationalen Gemeinschaft.

Punkto Beliebtheit macht der Schweiz niemand etwas vor. Und dennoch: Im Gesamtranking der Soft-Power-Studie landet sie nur auf dem achten Rang. Den Einfluss der Schweiz auf andere Länder bewerteten die Befragten als eher gering (Rang 13), primär wegen der Neutralität, die es dem kleinen Land zuweilen verunmöglicht, klar Stellung zu beziehen. Doch gerade weil sich die Schweiz nicht in fremde Angelegenheiten einmischt und sich kaum Feinde schafft, gilt sie laut der Studie als das sicherste Land der Welt. Die Schweizer landen punkto Zuverlässigkeit auf Rang zwei (nach Schweden) und gelten nach den Kanadiern und den Briten als drittbeste Kommunikatoren der Welt.

Trump kann der US-Soft-Power nichts anhaben

Ban Ki Moon, der ehemalige UNO-Generalsekretär, sagte gestern bei der Vorstellung der Studie: «Soft Power ist ein essenzieller Bestandteil der internationalen Diplomatie.» Sie bringe Völker näher zusammen und ermögliche es, andere Gesellschaften für eigene Visionen zu begeistern. Moons Heimat Südkorea hat dieses Jahr punkto Soft Power bereits für eine grosse Überraschung gesorgt: Als erster nicht-englischsprachiger Film wurde die südkoreanische Produktion «Parasite» – ein Film über die koreanische Gesellschaft – bei den Oscars zum besten Film des Jahres auserkoren. Und das Mutterland von Samsung und dem Musikstil K-Pop hat bereits einen Namen für die südkoreanische Popularitätswelle, die über die Welt schwappt: «Hallyu».

Die unbestrittene Soft-Power-Supermacht ist aber nach wie vor die Heimat der Oscars: die USA. Trotz den Ansehensverlusten durch die zuweilen chaotische Politik unter Präsident Donald Trump hat das Land nichts von seinem Einfluss auf die Welt verloren. Punkto Beliebtheit landen die Amerikaner aber nur noch auf dem 13. Rang. Die zweitmächtigste Soft-Power-Nation ist Deutschland, das für seine stabile Wirtschaft bewundert wird. Die «Willkommenskultur», die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 ausgerufen hatte, bescherte Deutschland zudem den Ruf als hilfreichstes Land der Welt.

Spanier sind die freundlichsten Menschen

Auf Rang drei des Soft-Power-Rankings landet Grossbritannien, das vor allem dank Königin Elizabeth II noch immer weltweit beliebt sei, wie die Studienautoren schreiben. Grossen Einfluss haben die Briten nicht zuletzt dank ihres öffentlich- rechtlichen Rundfunks, der BBC. Mehr als 420 Millionen Menschen im Ausland hören oder schauen regelmässig deren Programme. Doch damit könnte bald Schluss sein: Premierminister Boris Johnson will der BBC den Geldhahn zudrehen und den gebührenfinanzierten Sender massiv verkleinern.

Und was ist mit dem omnipräsenten China? Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt ist zwar nicht sonderlich beliebt, landet aber dank ihres grossen wirtschaftlichen Einflusses auf Rang fünf des Rankings. Viel Lob von den Befragten kriegten zudem die Spanier: Sie gelten als die freundlichsten Menschen der Welt. Und auch für die Italiener hält die britische Studie einen Aufsteller bereit: Nirgendwo, sagten die Befragten, esse man besser als im Belpaese.