WINTERSPIELE: Schuss vor den Bug für Olympiaträume

Mit «Sion 2026» ist nur noch eine Schweizer Olympiakandidatur im Rennen. Als Reaktion auf das klare Bündner Verdikt planen die Verantwortlichen eine Kommunikationsoffensive. Und die Umweltverbände rüsten bereits zum Kampf.

Tobias Bär
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Die Promotoren der Westschweizer Kandidatur um Jean-Philippe Rochat (Mitte, weisser Schal). (Bild: Peter Schneider/KEY (Bern, 20. Januar 2017))

Die Promotoren der Westschweizer Kandidatur um Jean-Philippe Rochat (Mitte, weisser Schal). (Bild: Peter Schneider/KEY (Bern, 20. Januar 2017))

Tobias Bär

Es ist eine deutliche Absage: Mit 60 Prozent hat sich das Bündner Stimmvolk am Sonntag gegen Olympische Winterspiele in seinem Kanton im Jahr 2026 ausgesprochen. Damit ist der Weg frei für die Westschweizer Kandidatur. Dort ist am Tag nach dem Bündner Nein aber keine Euphorie auszumachen. «Einen Final zu spielen ohne Gegner macht nur beschränkt Freude», sagt der Berner SP-Ständerat Hans Stöckli, ein Aushängeschild der übrig gebliebenen Olympiakandidatur. Und der Präsident des Organisationskomitees, Jean-Philippe Rochat, meint: «Es braucht nun zusätzliche Anstrengungen, um Swiss Olympic von Winterspielen in der Schweiz zu überzeugen.»

Am 7. März stimmt der Exekutivrat des Verbandes über die Kandidatur ab, am 11. April ist dann das Sportparlament von Swiss Olympic an der Reihe. Stöckli glaubt nicht, dass das Bündner Nein die Stimmungslage in der Restschweiz widerspiegelt: «Die Bündner haben die Kandidatur als zu grosses Risiko für einen kleinen Kanton beurteilt und als Zwängerei empfunden, nachdem sie sich erst vor vier Jahren dagegen ausgesprochen hatten.» Rochat ergänzt, ein Anlass von der Dimension der Olympischen Spiele könne nicht von einem einzelnen Kanton gestemmt werden.

Dezentrale Spiele mit Sion als Zentrum

Die Westschweizer Kandidatur setzt auf dezentrale Spiele: Der Grossteil der Sportstätten ist im Wallis geplant, der Hauptort Sion soll das Zentrum der Spiele bilden. Mit im Boot sind aber auch die Kantone Waadt, Bern und Freiburg, wo ebenfalls Wettkämpfe stattfinden sollen. «So können wir neben der Infrastruktur auch die Risiken auf mehrere Kantone verteilen», sagt Rochat.

Die dezentrale Organisation hat zudem noch einen weiteren Vorteil. Die Ausgaben für die Kandidatur, die gemäss Swiss Olympic acht Millionen Franken betragen müssen, bleiben nicht an einem einzelnen Kanton hängen. Der Kanton Wallis beteiligt sich mit vier Millionen, die Waadt, Bern und die Stadt Sion mit jeweils einer Million und der Kanton Freiburg mit einer halben Million. Die verbleibende halbe Million deckt ein privater Investor. Die Beträge sind zu klein, als dass sich die Bevölkerung dazu äussern könnte. Anders als im Kanton Graubünden ist die Kandidatur also nicht auf den Segen des Volkes angewiesen.

Soll aus dem Traum von dritten Olympischen Spielen in der Schweiz nach 1928 und 1948 aber Wirklichkeit werden, dann sind Urnenabstimmungen früher oder später unumgänglich. Nämlich dann, wenn es um die Kosten für die Durchführung, die Infrastruktur und die Sicherheit geht. Wie viel die beteiligten Kantone beitragen müssen, hängt gemäss Rochat von der Höhe der Bundesbeteiligung ab. Derzeit gehe man aber von 180 Millionen Franken aus, wovon das Wallis rund die Hälfte stemmen soll. Im Wallis unterstehen Finanzbeschlüsse in dieser Höhe dem fakultativen Referendum. «Die Abstimmung dürfte gegen Ende 2018 stattfinden», sagt Rochat. Auch in Bern und in der Waadt seien Urnengänge wahrscheinlich.

«Das deutliche Nein der Bündner zeigt uns, dass wir die Bevölkerung früh und umfassend informieren müssen», sagt Rochat. «Wir müssen unsere Strategie entsprechend anpassen.» Auch Stöckli ist sich bewusst, dass allfällige Abstimmungen kein Spaziergang werden. Es herrsche eine Skepsis gegenüber dem Gigantismus des Olympischen Komitees (IOC). «Das liegt ausserhalb unseres Einflussbereichs.» Die Westschweizer Bewerbung orientiere sich aber klar an der Reformagenda des IOC, die tiefere Kosten, dafür mehr Transparenz und Nachhaltigkeit bringen soll.

Ein Volks-Nein wäre nicht zwingend das Ende

«An die Versprechen von nachhaltigen Spielen glaube ich nicht», sagt die Geschäftsführerin des WWF Oberwallis, Laura Schmid. Der WWF werde die Spiele auf jeden Fall bekämpfen. Der Anlass wäre mit unverhältnismässigen Eingriffen in Landschaft und Natur verbunden, sagt Schmid. «Und die touristischen Impulse, die man sich verspricht, sind bestenfalls ein Strohfeuer.»

Die Promotoren der Kandidatur halten fest, dass ein Volks-Nein in einem der Kantone das breit aufgestellte Projekt nicht gefährden würde. «Das Wallis muss aber sicher mitmachen. Und das wird es auch», sagt Rochat. Nimmt «Sion 2026» alle innenpolitischen Hürden, muss sich die Kandidatur 2019 noch beim Vergabeentscheid des IOC durchsetzen – und dort sind die Walliser Olympiaträume bislang immer geplatzt, zuletzt 1999.