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Wieso setzt die FDP nicht voll auf Keller-Sutter?

Derzeit scheint die Dominanz von Karin Keller-Sutter absolut. Und doch ist es wenig wahrscheinlich, dass sie ohne Konkurrenz bleiben wird. Eine Einzelkandidatur wäre sehr aussergewöhnlich. Es gab sie in den vergangenen 25 Jahren nur ein einziges Mal.
Roger Braun
Die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter gibt an einer Medienkonferenz ihre Kandidatur für den Bundesrat bekannt. (Bild:KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter gibt an einer Medienkonferenz ihre Kandidatur für den Bundesrat bekannt. (Bild:KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Karin Keller-Sutter entspricht in vielem einer idealen Bundesrätin. Die Ständerätin hat Führungserfahrung als ehemalige Regierungsrätin. Sie ist im Bundesparlament über die Parteigrenzen hinweg respektiert. Sie spricht mehrere Landessprachen. Und sie könnte als St.Gallerin sowohl die Untervertretung der Frauen wie auch der Ostschweiz im Bundesrat korrigieren. Für den FDP-Nationalrat Matthias Jauslin (AG) ist denn auch klar, dass die FDP der Bundesversammlung einzig Keller-Sutter als Kandidatin vorschlagen soll. Er sagt:

«Sie ist die perfekte Bundesratskandidatin. Neben ihr jemanden aufzustellen, ist eine reine Alibiübung.»

Was Jauslin fordert, ist ungewöhnlich. Nicht nur steht er damit in der FDP-Fraktion ziemlich alleine, auch ist sein Vorschlag aus der Zeit gefallen. In den letzten 25 Jahren passierte es erst einmal, dass eine Partei nur eine einzige Person für die Ersatzwahl in den Bundesrat vorschlug. Es war im Jahre 2006, als die CVP voll – und mit Erfolg – auf ihre damalige Parteipräsidentin Doris Leuthard setzte. Sonst boten die Parteien dem Parlament immer eine Auswahl an Kandidaten.

Von der CVP 2006 als einzige Kandidatin aufgestellt und gewählt: Doris Leuthard. (Bild: Keystone)

Von der CVP 2006 als einzige Kandidatin aufgestellt und gewählt: Doris Leuthard. (Bild: Keystone)

Lange Zeit gab es nur Einerkandidaturen

Der Lausanner Politologe Georg Lutz stellt eine deutliche Verschiebung von Einerkandidaturen zu Doppel- und Dreifachkandidaturen fest. Zwischen 1919 und 1979 beschränkten sich die Parteien ohne Ausnahmen darauf, einen einzigen Kandidaten vorzuschlagen. Erst die SVP ermöglichte 1979 dem Parlament bei der Nachfolge von Rudolf Gnägi erstmals eine Auswahl. Grund war der innerparteiliche Unmut über den Daueranspruch der Berner SVP auf einen Bundesratssitz. Prompt machte denn auch ein Bündner das Rennen: Leon Schlumpf, der Vater von Eveline Widmer-Schlumpf.

Der Hauptgrund für aufkommende Doppelkandidaturen war indes ein anderer: Die Fälle fehlgeschlagener Einerkandidaturen häuften sich. Besonders eindrücklich zeigte sich das bei der Dreiervakanz im Dezember 1973. Vorgeschlagen war jeweils ein Kandidat – nicht einer machte das Rennen. Stattdessen wurden Willi Ritschard (SP), Hans Hürlimann (CVP) und Georges-André Chevallaz (FDP) gewählt.

Den definitiven Umschwung brachte die fehlgeschlagene Wahl von Christiane Brunner im Jahr 1993. Die SP hatte einzig auf Brunner gesetzt, die bürgerliche Mehrheit zog Francis Matthey vor. Matthey lehnte die Wahl in der Folge ab, weil die Sozialdemokraten unbedingt eine Bundesrätin wollten. Schliesslich stellte die SP beim zweiten Durchgang neben Brunner auch Ruth Dreifuss auf, die dann tatsächlich gewählt wurde.

Christiane Brunner (links) verpasste die Wahl 1993 – Bundesrätin wurde ihre SP-Parteikollegin Ruth Dreifuss. (Bild: Keystone)

Christiane Brunner (links) verpasste die Wahl 1993 – Bundesrätin wurde ihre SP-Parteikollegin Ruth Dreifuss. (Bild: Keystone)

Seither bieten die Parteien dem Parlament mit Ausnahme Leuthards stets eine Auswahl an Kandidaten an.

Doppelkandidaturen sind ein Erfolgsmodell

Diese Strategie zahlt sich aus. Politologe Lutz hat für die vergangenen hundert Jahre berechnet, dass bei Einervorschlägen in 22 Prozent der Fälle ein wilder Kandidat gewählt wird. Schlägt eine Partei hingegen mehrere Kandidaten vor, sinkt dieser Anteil auf 6 Prozent. Bei 17 Doppel- und Dreierkandidaturen kam das erst ein Mal vor. Dies war im Jahr 2000, als die Bundesversammlung die Wahlvorschläge der SVP in den Wind schlug und anstelle von Roland Eberle oder Rita Fuhrer den gemässigten Ständerat Samuel Schmid wählte.

Die FDP-Fraktion entscheidet am 16. November, wen sie als Nachfolger von Johann Schneider-Ammann nominieren wird. Derzeit deutet wenig auf eine Einzelkandidatur Keller-Sutter hin. Fraktionschef Beat Walti sagt, die FDP erwarte von den anderen Parteien jeweils konsequent eine Auswahl. Er könne sich deshalb schwer vorstellen, dass die FDP nur einen Kandidaten vorschlage. Schliesslich müsse aber die Fraktion entscheiden, und dabei sei zentral, wer sich neben Keller-Sutter zur Verfügung stelle.

Macht es Keller-Sutter wie Leuthard?

Der FDP wird sich am 16. November die Frage stellen, ob die Situation mit jener von Leuthard vergleichbar ist. Gewisse Parallelen gibt es durchaus. Wie heute bestand 2006 ein hoher Druck, eine Frau zu wählen, da mit Micheline Calmy-Rey eine einzige Frau im Bundesrat sass. Leuthard wie auch Keller-Sutter sind innerhalb ihrer Parteien weder zu links noch zu rechts. Beide stossen bei anderen Parteien zudem auf Wohlwollen.

Entscheidend kam bei Leuthard hinzu: Sie war innerhalb ihrer Partei konkurrenzlos. Niemand wollte gegen sie antreten. Ob dies bei Keller-Sutter auch der Fall sein wird, wird sich spätestens am 24. Oktober zeigen, wenn die Anmeldefrist für die Kandidaten abläuft.

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