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Fall Boppelsen: Wie viel Mörderin steckt in Corine K.?

Ihr Mann liess zwei Männer ersticken. Corine K. sieht sich selber als Opfer. Und sie gab Auskunft über die Sache mit den Kindern.
Pascal Ritter
Corine K.: «Wenn ich gewusst hätte, dass es zu Gewalt kommt, hätte ich die Kinder nicht mitgenommen"»

Corine K.: «Wenn ich gewusst hätte, dass es zu Gewalt kommt, hätte ich die Kinder nicht mitgenommen"»

Am Anfang konnte man sie kaum verstehen. Corinne K. sprach leise, schluchzte und weinte, als sie zum Mord befragt wurde, den sie zusammen mit ihrem Mann und einem Kollegen begangen haben soll.
Die Tränen passten zur Geschichte, die sie vortrug. Sie handelt von einer zerrütteten Ehe der Verkäuferin mit Thomas K., dem Haupttäter, und von Geldsorgen. «Wir hatten gegen aussen ein erfolgreiches Transportunternehmen und führten eine glückliche Ehe. Aber in Wahrheit ging ich fremd und wir versanken in Schulden.»

In die beiden Tötungen, die Thomas K. bereits am ersten Verhandlungstag, am Montag, gestanden hatte, war Corine K. unterschiedlich involviert. Sie stritt aber eine direkte Tatbeteiligung ab.

Mit der Affäre im Wellnessbad

Während ihr Mann, von dem sie sich nun scheiden lassen will, im März 2016 das erste Opfer ins gemeinsamen Haus in einer abgelegenen Gegend lockte, war sie mit ihrer «damaligen Affäre» im Wellnessbad.

Zurück im Haus traf sie nicht nur auf Thomas K. und dessen Freund Markus N., sondern später auch auf den gefesselten Geschäftspartner, einen Serben aus der Stadt Bern. Corine K. ging ihnen dann zur Hand, etwa, indem sie Kabelbinder reichte. Trotzdem will sie nichts von der Gewalt mitbekommen haben, welche ihr Mann dem Opfer antat. Während der Tötung war sie damit beschäftigt, den Mercedes abzuholen, den ihr Mann dem Geschäftspartner abnehmen wollte, als Entschädigung für angebliche Schulden in der Höhe von 40 000 Franken.

Gemäss Anklage half Corine K. beim vergraben der Leiche. Sie sagt, sie sei nur im Weg gestanden. (Illustration: Alexia Papadopoulos)

Gemäss Anklage half Corine K. beim vergraben der Leiche. Sie sagt, sie sei nur im Weg gestanden. (Illustration: Alexia Papadopoulos)

Thomas K. tötete den Serben schliesslich, indem er ihm Mund und Nase mit Klebeband zuklebte. Er erstickte. Corine K. sollte noch bei der Beseitigung der Leiche auf dem Gelände des eigenen Hauses helfen. Vor Gericht sagte sie aber, sie sei keine grosse Hilfe gewesen, weil sie derart schockiert gewesen sei über die Tat ihres Mannes. Die Staatsanwaltschaft hat sie für diese Tat nicht wegen Mordes angeklagt, aber für eine andere.

Im Juni 2016 fuhr Corine K. zusammen mit ihrem Mann und dessen Kollegen Markus N. in den Zürcher Bezirk Dielsdorf. Die Männer begaben sich mit einem Spediteur, der einen Lastwagen verkaufen wollte, auf eine vermeintliche Probefahrt. Corine K. war mit ihrem Subaru Legacy angereist. Mit dabei waren auch die gemeinsamen Kinder der K.s im Alter von drei und vier Jahren.

Die Männer überwältigten den Lastwagenverkäufer und entführten ihn, während Corine K. das Handy des Opfers wieder zu dessen Einstellhalle brachte. So sollte der Eindruck entstehen, er sei dort wieder unversehrt angekommen.

In Wirklichkeit ging eine Irrfahrt durch das Schweizer Mittelland los, an dessen Ende das zweite Opfer auf dem Hof der K.s landete. Thomas K. zwang ihn dort, einen Kaufvertrag zu unterzeichnen und brachte ihn dann auf die gleiche Weise um, wie das erste Opfer.

«Ich habe nicht mit der Tötung gerechnet»

Corine K. stellte sich als Frau dar, die alles getan hätte, um die Wünsche ihres Mannes zu erfüllen. Sie habe sich auf die Aktion nur eingelassen, weil sie davon ausgegangen sei, dass es nur um einen Betrug ginge. Sie verwies auf einen früheren Fall, bei dem es Thomas K. gelang, einen Lastwagen zu ergaunern, ohne dass es zu Gewalt gekommen wäre. Das Paar plagte grosse finanzielle Not, auch weil Thomas K. gemäss seiner Frau das Geld unnötig ausgab.

Zwar habe sie schon während der Entführung befürchtet, dass es dem Zürcher ans Leben gehen könnte, sie habe aber «leider» nicht genug unternommen, um herauszufinden, was eigentlich abgehe. Sie gab an, dass die Ehe damals schon derart zerrüttet gewesen war, dass sie mit ihrem Mann kaum noch gesprochen habe.

Corine K. wurde insbesondere von einer Richterin und von der Staatsanwältin zu ihrer Rolle als Mutter befragt. Ein Thema dass beim Vater der Kinder viel weniger aufkam. Sie gab an, dass sie niemals ihre Kinder auf die Fahrt in den Kanton Zürich mitgenommen hätte, wenn sie damals davon ausgegangen wäre, dass es zu Gewalt hätte kommen können.

Aufschlussreich war ihre Stellungnahme zur «Serben-Mafia-Theorie», die ihr Mann aufgetischt hatte. Dieser schob die Schuld für die beiden Tötungen auf nebulöse Serben, die ihn mit Drohungen zu den Taten gezwungen haben sollen.

Darauf angesprochen sagte Corine K. «Ich würde es gerne glauben, aber ich glaube, es stimmt nicht.» Schliesslich habe sie nie etwas von dem Geld gesehen, das Thomas K. von den Serben erhalten haben will.

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