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Wie viel Chemie darf's denn sein?

Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel wird höchst unterschiedlich beurteilt: Der Agrochemie ist er zu streng, den Umweltschützern viel zu lasch.
Richard Clavadetscher

Die Umweltorganisationen BirdLife, Greenpeace, Pro Natura und WWF fordern einen strengeren Aktionsplan Pflanzenschutzmittel, als ihn das Bundesamt für Landwirtschaft in die Vernehmlassung geschickt hat. «Mit den jetzigen zaghaften Vorschlägen werden nicht einmal die gesetzlichen Vorgaben wie etwa die Grenzwerte für Fliessgewässer erfüllt», wird Pascal König, Landwirtschaftsexperte bei BirdLife, in der gestrigen gemeinsamen Medienmitteilung der Umweltschutzorganisationen zitiert.

Die Vernehmlassungsantwort der Umweltschützer steht nicht nur bei den Massnahmen für die Fliessgewässer jener der Pflanzenschutzmittelhersteller diametral entgegen, sie tut es ganz allgemein: Während sich die Pflanzenschutzmittelhersteller für die Abschwächung der im Aktionsplan gemachten Vorschriften stark machen (Ausgabe vom 20. Oktober), sind diese für die Umweltschützer «lediglich ein kleiner, zaghafter Schritt in die richtige Richtung».

Unterschiedliche Ansichten bei Lenkungsabgabe

Am klarsten zeigt sich der Unterschied wohl bei der Lenkungsabgabe: Die Agrochemie lehnt sie ab mit der Begründung, diese schade der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, verteuere die landwirtschaftliche Produktion und reduziere die Risiken nicht effektiv. Demgegenüber sind die Umweltschützer der Meinung, eine sinnvoll ausgestaltete Lenkungsabgabe helfe sehr wohl die im Aktionsplan gesteckten Ziele zu erreichen – und sie verweisen in diesem Zusammenhang auf eine Studie der ETH und der Universität Bonn, die zu diesem Schluss kommt.

Kein Verständnis haben die Umweltschützer auch dafür, dass der Bund die Überschreitungen der gesetzlich vorgegebenen Pestizidkonzentrationen in Fliessgewässern bis in zehn Jahren lediglich halbieren will. Ein Aktionsplan, der diesen Namen verdiene, müsse doch solche Gesetzesverstösse in kürzester Frist auf Null reduzieren. Als ebenfalls zu zaghaft kritisieren die Umweltschutzorganisationen unter anderem auch die angestrebten Reduktionen bei besonders gefährlichen Pestiziden.

Schliesslich verweisen BirdLife, Greenpeace, Pro Natura und WWF einmal mehr auf Studien, die die generelle Reduktion der Pflanzenschutzmittel bis ins Jahr 2020 um über 50 Prozent für umsetzbar halten, und zwar ohne deswegen landwirtschaftliche Ertragseinbussen in Kauf nehmen zu müssen. Die Halbierung der Risiken des Pestizideinsatzes, wie sie auch Leitziel des Aktionsplans sei, bringe nämlich nur dann etwas, wenn sie klare Fristen setze und aufzeige, wie das Risiko effektiv gemessen und bewertet werde.

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