Wie St. Moritz von Amsterdam profitierte

St. Moritz und die Olympischen Winterspiele verbindet eine lange Tradition. Zu verdanken hat dies der Bündner Ferienort den Niederländern.

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Plakat der Winterspiele von 1928. (Bild: pd)

Plakat der Winterspiele von 1928. (Bild: pd)

Als Pierre de Coubertin 1894 in Paris das Olympische Komitee (IOC) gründete, liess er eine Liste mit allen wünschenswerten Sportarten für die Spiele zusammenstellen. Nur eine einzige Winterdisziplin schaffte es ins Programm: der Eislauf. Doch wie sollte Griechenland im Sommer des Jahres 1896 zu einer Eisfläche kommen?

Der erste, der das Thema Wintersport wieder ins Olympische Komitee trug, war der Italiener Eugène Brunetta d'Usseaux. Seine Idee, gesonderte Winterspiele durchzuführen, scheiterte 1911 jedoch am Widerstand der Skandinavier: Sie sahen darin eine Konkurrenz für ihre Nordischen Spiele, die sie seit 1902 austrugen. Der Durchbruch gelang nach dem Ersten Weltkrieg, beim olympischen Wiederbeginn 1920 in Antwerpen: Erstmals standen Eiskunstlauf und Eishockey auf dem Programm. Doch weil Kunsteis kaum verfügbar war, fanden die Wettbewerbe bereits im April statt – Monate vor den offiziellen Beginn im August und abseits des grossen Publikums.

Überwältigender Erfolg in Chamonix

Nach diesem Misserfolg konnte sich das IOC erst recht nicht entscheiden, eigene Winterspiele auszurichten. Letztlich liess sich das Komitee von einer abgespeckten Variante überzeugen: Das nächste Land, das Olympische Spiele veranstaltete, sollte auch eine Wintersportwoche durchführen. Am 24. Januar 1924 war es so weit: Die erste Olympische Wintersportwoche im französischen Chamonix wurde eröffnet. Der Erfolg war für damalige Verhältnisse überwältigend: 258 Sportler aus 16 Nationen nahmen teil, über 10 000 Zuschauer verfolgten das Spektakel. Auch das IOC erkannte das Potenzial und ernannte die Wettbewerbe von Chamonix rückwirkend als I. Olympische Winterspiele. Und damit begannen die Probleme: Wie sollten die Niederlande, Gastgeber der Spiele von 1928, Ski- und Schlittenrennen durchführen?

St. Moritz in der Favoritenrolle

In der Schweiz wusste man von diesem Handicap. Bereits im März 1925 schlug deshalb der Schweizerische Landesverband für Leibesübungen dem Schweizerischen Olympischen Komitee (SOC) drei Orte für Winterspiele vor: Davos, Engelberg und St. Moritz. Die Favoritenrolle fiel sofort St. Moritz zu. Das einstige Bauerndorf war längst ein mondäner Ferienort. Zudem gab es dort schon einige Sportanlagen. Im Mai 1926 war das IOC überzeugt: St. Moritz ist der ideale Ort für Olympische Winterspiele. Knapp zwei Jahre später, am 11. Februar 1928, fiel der Startschuss für die ersten olympischen Wettkämpfe in der Schweiz. Das Spektakel war bei weitem nicht kostendeckend. Der Kartenverkauf brachte gerade mal 280 000 Franken ein, die Ausgaben von 706 000 Franken konnten nur dank diverser Subventionen gedeckt werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten nur St. Moritz und Lake Placid (USA) Interesse an Winterspielen. Dem IOC fiel der Entscheid nicht schwer: Im Gegensatz zu den USA war die Schweiz im Krieg neutral geblieben; zudem war die Infrastruktur im Engadin vorhanden. Die Mehrheit stimmte deshalb im Februar 1946 für St. Moritz. Die Finanzierung bereitete aber erneut grosse Probleme. Der Erlös der Eintrittskarten deckte die Ausgaben von 1,1 Millionen Franken längst nicht. Bundessubventionen kamen bei der damaligen Finanzlage des Bundes nicht in Frage. Erst die Herausgabe einer Sonderbriefmarke, die den Organisatoren mehrere hunderttausend Franken einbrachte, rettete die Olympischen Winterspiele von 1948 vor einem finanziellen Desaster. Andri Rostetter

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