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Wie Roger Köppel die Zürcher Ständerats-«Arena» beinahe sprengte

Die Zürcher Ständeratskandidaten diskutierten in der «Arena» über übliche Themen: Klima, Europa, Gleichstellung. SVP-Nationalrat Roger Köppel grätschte dazwischen, wurde aber gestoppt.
Peter Blunschi / watson.ch
In der «Arena» trafen sich die Kandidierenden für den Ständerat im Kanton Zürich. (Bild: Screenshot/SRF)

In der «Arena» trafen sich die Kandidierenden für den Ständerat im Kanton Zürich. (Bild: Screenshot/SRF)

Im Ständerat wird im Herbst fast die Hälfte der 46 Sitze neu besetzt. Es kommt im «Stöckli» somit zu einer umfassenden «Blutauffrischung». Für das Schweizer Fernsehen war dies Anlass für eine Ständeratswoche. In den Newssendungen wurden diverse spannende Rennen in den Kantonen vorgestellt. Den Abschluss bildete eine «Arena» mit den sieben Kandidierenden im Kanton Zürich.

Einfach war die Übungsanlage nicht, denn die beiden bisherigen Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP) sitzen ziemlich fest im Sattel, trotz illustren Herausforderern wie Roger Köppel (SVP) und Tiana Angelina Moser (GLP). Folglich hätte man die «Arena» öffnen und grundsätzlich über die Funktionsweise des Ständerats, seine Kompromiss- und Hinterzimmerkultur diskutieren können.

Michael Hermanns Wahlprognose:

«Der Ständerat hat eine stabilisierende Rolle», sagte der als Experte geladene Politgeograf Michael Hermann, der sonst kaum zu Wort kam. Hoffnungen oder Befürchtungen, es werde auch in der kleinen Kammer zu einer «grünen Welle» kommen, versetzte er einen Dämpfer: «Der Ständerat wird gleich bleiben oder ein wenig nach rechts rutschen.»

Kösitsch statt Nositsch?

Trotz grosser Erneuerung dürfte sich wenig ändern – auch keine ideale Voraussetzung für eine packende Ständerats-«Arena». Moderator Sandro Brotz lancierte immerhin ansatzweise eine Systemdebatte, indem er die «ungeteilte Standesstimme» zur Sprache brachte, also die Frage, ob die beiden Vertreter eines Kantons als «Tandem» funktionieren müssen.

Bei Noser und Jositsch scheint dies so gut zu klappen, dass Köppel das Zürcher Duo als «Nositsch» verspottet. Der SP-Ständerat stellte klar, dass er mit einem möglichen Tandem «Kösitsch», also mit Köppel statt Noser, wenig anfangen kann: «Die Frage stellt sich, ob es sinnvoll ist, dass der Kanton Zürich sich neutralisiert.» Dies sei auch eine Frage der Professionalität.

Köppel wiederum reagierte ungerührt auf den Hinweis auf seine häufigen Absenzen im Nationalrat: «Ich spare dem Steuerzahler Geld, indem ich nicht an überflüssigen Sitzungen in Bern teilnehme.» Im Unterschied zu den heutigen Ständeräten benutze – oder missbrauche – er sein Amt nicht für «Pöstchenjägerei im ganz grossen Stil». Genau dies würden Noser und Jositsch tun.

Roger Köppel provoziert Jositsch und Noser:

Die beiden Angesprochenen reagierten sichtlich angesäuert auf Köppels Provokation. Für den «Weltwoche»-Chef aber war dies nur der Anfang. Denn als Sandro Brotz begann, die Debatte auf die üblichen und in der «Arena» mehrfach durchgekauten Themen Klima und Europa zu lenken, warf Roger Köppel munter weitere Sprengsätze in die gleiche Richtung.

Köppels gekaufte Politiker

«Ich finde es bemerkenswert, dass man über das Thema der gekauften Politiker hinweggehen will», stichelte er, als Brotz ihn auf die Klimaschiene lotsen wollte. Nun drohte die Debatte aus dem Ruder zu laufen. «Ich lasse mich von Herrn Köppel nicht als gekauft bezeichnen», schimpfte Daniel Jositsch, und Ruedi Noser betonte, er sei stolz auf seine vielen ehrenamtlichen Mandate.

Schliesslich blockte Brotz Köppels verbale Blutgrätsche mit einem resoluten Tackling ab und setzte seine Agenda durch. Was man als Zuschauer bedauern konnte, denn wie befürchtet bekam man beim Klimathema «more of the same» zu hören. Roger Köppel beklagte die Belastung der Büezer und verwies darauf, dass die Schweiz «keinen messbaren Einfluss auf das Weltklima» habe. Moser und Noser gerieten sich bei Mobility Pricing und Lenkungsabgaben in die Haare.

Jositsch für Rahmenabkommen

Dafür waren die «Liberalen» in der Europapolitik ein Herz und eine Seele. Köppel stellte fest, dass beim Rahmenabkommen «ein Ozean» zwischen ihm und den übrigen sechs Kandidierenden liege. Daniel Jositsch erklärte, er würde das vorliegende Rahmenabkommen unterzeichnen. Brotz' Einwand, er stelle sich damit gegen die SP-Führung und die Gewerkschaften, liess ihn kalt: «Die SP wird nicht mit der SVP zur Totengräberin der Bilateralen werden.»

Moser und Noser streiten über Lenkungsabgaben:

Beim dritten grossen Thema, der Gleichstellung, wirkten die im Wahlkampfstress stehenden Teilnehmer schon etwas ermüdet. Jositsch, Moser und Noser sprachen sich mehr oder weniger enthusiastisch für eine Elternzeit oder zumindest einen Vaterschaftsurlaub aus. Köppel, der bald zum vierten Mal Vater wird, erkannte darin ein Symptom einer «wohlstandsverblendeten Schweiz».

Alles deutet auf Status Quo hin

Und die drei Aussenseiter? CVP-Kandidatin Nicole Barandun verteidigte die umstrittene Google-Kampagne ihrer Partei: «Wer das nicht verträgt, ist in der Politik am falschen Ort.» Die Grüne Marionna Schlatter vermochte sich nicht über das «Blackfacing» des kanadischen Premiers Justin Trudeau zu empören und warnte vor «überhöhten moralischen Ansprüchen» an Politiker.

Einen kleineren Glanzpunkt setzte EVP-Nationalrat Nik Gugger, als er sich für eine griffige Schweizer Klimapolitik aussprach: «Wir sind ein Erstwelt-Land und müssen ein Zeichen setzen», sagte der gebürtige Inder, der von einer Schweizer Familie adoptiert wurde, und erhielt für sein Statement den einzigen Szenenapplaus der gesamten Sendung.

Daniel Jositsch zum Rahmenabkommen:

Leise Wahlchancen darf sich höchstens Schlatter ausrechnen. Vielmehr deutet die am Freitag veröffentliche Umfrage des «Tages-Anzeigers», die von Michael Hermanns Institut Sotomo erstellt wurde, auf einen Status Quo in Zürich hin. Daniel Jositsch dürfte schon im ersten Wahlgang mit einem Glanzresultat bestätigt werden. Ruedi Noser muss vielleicht «nachsitzen», aber kaum ernsthaft bangen.

Vielleicht war diese Ausgangslage das Hauptproblem der mässig gelungenen «Arena». Ein Tausch mit dem «Club» vom Dienstag wäre auf der Hand gelegen. Dort trafen sich die Kandidierenden aus dem Aargau, die sich ein äusserst spannendes Rennen um die beiden frei werdenden Sitze liefern. Ohne Quoten-Garant Köppel, dafür mit Cédric Wermuth, einem anderen begabten Provokateur.

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