Wie immer wird es eng mit dem Bauprogramm

In wenigen Tagen öffnet die Expo 2015 in Mailand ihre Tore. Zahlreiche Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen, weil Korruptions- und Mafiaermittlungen die Baustellen monatelang lahmgelegt hatten. Die Verantwortlichen sind aber zuversichtlich, dass pünktlich am 1. Mai alles bereit sein wird.

Dominik Straub/Rom
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Wie immer, wenn Italien eine Grossveranstaltung ausrichtet, wird es am Ende eng mit dem Bauprogramm. So auch diesmal vor der Eröffnung der Expo. Aber wie immer dürften auch diesmal die Arbeiten auf den letzten Drücker einigermassen fertig werden – das war bei den Fussball-Weltmeisterschaften 1990 so, und bei der Winterolympiade in Turin 2006 war es nicht anders. Und falls doch noch etwas unfertig sein sollte, hat die Expo-Leitung für diesen Zweck eigens ein Budget von 2,7 Millionen Euro für architektonische Camouflagemassnahmen bereitgestellt.

Expo-Chef Giuseppe Sala zeigte sich in diesen Tagen betont optimistisch: «Ich rechne fest damit, dass am 1. Mai fast alles fertig ist, wenn nicht sogar alles.» Zu den Pavillons, die noch einen Rückstand auf die Marschtabelle aufweisen, gehört ausgerechnet auch jener des Gastgeberlands, der Palazzo d'Italia. Das fünfstöckige Ausstellungsgebäude, das grösste der Expo, bietet allein über 10 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Anleihen bei antikem Städtebau

Insgesamt beteiligen sich an der Weltausstellung 145 Länder, davon 52 mit einem eigenen Pavillon. Das Expo-Gelände ist so gross wie 170 Fussballfelder; die vom Römer Architekten Massimiliano Fuksas entworfene Anlage orientiert sich am antiken Städtebau. Das Thema heisst «Feeding the Planet, Energy for Life» (Den Planeten ernähren, Energie für das Leben).

Die Regierung und die Expo-Macher verbinden die Weltausstellung mit grossen Hoffnungen: Die Expo soll dem krisengeplanten Land neue, entscheidende Impulse geben, insbesondere im Tourismus und in der Lebensmittelindustrie. In Sachen hochwertige Lebensmittel, einem zentralen Thema der Ausstellung, hat das Gastgeberland mit seinen weltbekannten Spezialitäten und seiner Spitzenküche einiges zu bieten – und wird sich im besten Licht präsentieren können.

Insgesamt werden an der Expo zwischen dem 1. Mai und dem 31. Oktober über 20 Millionen Besucher erwartet, davon drei Viertel aus dem Inland. Die Prognose dürfte realistisch sein. Bis jetzt sind bereits knapp neun Millionen Eintrittskarten verkauft worden sind, wie die Expo-Leitung stolz verkündet.

Italien lässt sich die Weltausstellung 1,3 Milliarden Euro kosten, eine weitere Milliarde steuern die Teilnehmerländer bei, und 350 Millionen investieren Private und Sponsoren. Mit Blick auf die Expo haben die Stadt Mailand und die Region Lombardei ein umfangreiches Programm mit Kulturanlässen, Kongressen und Führungen auf die Beine gestellt. Zur Eröffnung am 1. Mai wird beispielsweise der Sänger Andrea Bocelli zusammen mit dem Orchester der Scala auf dem Mailänder Domplatz ein Konzert geben; Giorgio Armani will auf die Weltausstellung hin sein Modemuseum eröffnen. Jeder auswärtige Besucher, kalkulieren die Expo-Macher, werde für drei bis fünf Tage in der Region bleiben und täglich durchschnittlich 110 Euro ausgeben. Wie die Millionen Besucher untergebracht werden sollen, vermag derzeit aber niemand verlässlich anzugeben. Kritiker befürchten ein Chaos und eine «globale Blamage».

«Tsunami von Beton»

Kritiker hat die Expo etliche. Einer ist Schlagersänger Adriano Celentano, der schon früh gewarnt hatte, die Weltausstellung werde «Mailand den Gnadenstoss versetzen». Die Umgebung des Messegeländes werde unter einem «Tsunami von Beton» begraben werden, und die einzigen, die von dem «pharaonischen Event» profitieren würden, seien die Bauwirtschaft, korrupte Politiker und die Mafia. Befürworter halten dagegen, dass die Hälfte der Expo-Fläche bepflanzt werde und sich Mailand als «weltweites Zentrum für nachhaltige Entwicklung» profilieren könne.

Zumindest was die Korruption und die Mafia anbelangt, sollten die Kritiker recht behalten. Die Expo mit ihren millionenschweren Bauaufträgen stand im vergangenen Mai im Zentrum eines riesigen Korruptionsskandals, bei welchem unter anderem der Planungs- und Bauchef der Weltausstellung sowie etliche Politiker und Unternehmer hinter Schloss und Riegel wanderten. Das viele öffentliche Geld hatte unweigerlich auch die Mafia angelockt, die sich Aufträge im Wert von über 100 Millionen Euro unter den Nagel gerissen hatte. Es gab massenweise Razzien, zahlreiche Ermittlungsverfahren laufen noch. Gebessert hat es erst, als die Regierung den Superkommissar und Antikorruptionsexperten Raffaele Cantone nach Mailand schickte. Dieser hat Dutzende von Bauaufträgen wegen Korruption und Mafia-Infiltration annulliert, damit aber auch die Arbeiten unterbrochen.

«Wir hatten Fehler gemacht, aber wir haben dazugelernt», sagt dazu Expo-Chef Giuseppe Sala. Die Unternehmen, die heute auf dem Gelände arbeiteten, seien alle sauber. «Und sie haben bereits ein halbes Wunder vollbracht, wenn man bedenkt, dass die Bauarbeiten wegen der Antikorruptionsermittlungen monatelang auf Eis gelegt waren.»