Wie Frauen über Waffen denken

Hauptsächlich sind es Männer, die schiessen. Nur wenige Frauen nehmen jemals ein Gewehr in die Hand. Gerade deshalb könnten sie bei der Abstimmung über die Waffen-Initiative ausschlaggebend sein.

Nina Rudnicki
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Frauen als Schützinnen beim Feldschiessen. (Bild: ky/Alessandro della Valle)

Frauen als Schützinnen beim Feldschiessen. (Bild: ky/Alessandro della Valle)

Verteidigungsminister Ueli Maurer hat gesagt, Frauen würden sich mit Waffen nicht auskennen und daher eher für die Waffen-Initiative stimmen. Spätestens seit dieser Aussage ist klar: Die Frauen spielen bei dieser Abstimmung eine wichtige Rolle.

Der richtige Umgang

Laut Dominique Grisard, Historikerin am Zentrum Gender Studies (Geschlechterforschung) an der Universität Basel, ist das Verhältnis der Frauen zu Waffen und Armee tatsächlich ein anderes als jenes der Männer. «Auch heute werden Waffen noch immer mit Männlichkeit assoziiert. Bei Frauen wird das Waffentragen als Vermännlichung betrachtet», sagt sie. Das werde in der Gesellschaft negativ gewertet. «Deshalb werden Mädchen auch selten im Umgang mit Waffen sozialisiert. Jungen spielen zum Beispiel viel öfter Computer-Kampfspiele oder mit Action-Figuren.»

Demnach gibt es bei der Waffenfrage einen Geschlechtergraben. Dafür sprechen auch die Mitgliederzahlen der Schützenvereine: «Leider sind nur rund zehn Prozent der Vereinsmitglieder Frauen», sagt Dora Andres von der FDP und Präsidentin des Schweizer Schiesssportverbandes. Wenn man den Umgang mit Waffen nicht kenne, lehne man ihn eher ab, schätzt auch Andres die Situation bezüglich der Waffen-Initiative ein.

Was der richtige Umgang mit Waffen ist, darüber gehen die Meinungen der Frauen auseinander. Rosemarie Zapfl-Helbling, die ehemalige CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Frauenorganisation «alliance F», hat selber im Militärschützenverein geschossen und am Zürcher Ratsschiessen teilgenommen. Sie wisse daher, wie gefährlich eine Waffe sei, und positioniere sich für die Initiative. Erst wenn es in privaten Haushalten keine Waffen mehr habe, gebe es auch kein Missbrauchsrisiko mehr. «Deshalb hoffe ich, dass gerade die Stimmen der Frauen ausschlaggebend für die Annahme der Initiative sein werden», sagt sie.

Die potenzielle Gewalt, die Frauen und Kinder durch Waffen in Familien drohe, ist laut den Initianten eines der wichtigsten Argumente für die Initiative. Frauen und Kinder würden in ständiger Gefahr leben, zudem erhöhe die leichte Verfügbarkeit von Schusswaffen das Risiko massiv, im Affekt zur Waffe zu greifen. «Es ist mir bewusst, dass sich die meisten Frauen nicht von Waffen bedroht fühlen und eine solche Situation nie erlebt haben», sagt Rosemarie Zapfl-Helbling: «Ich konnte das auch erst, als ich in einem Frauenhaus vorbeigeschaut habe. Dort habe ich Frauen kennengelernt, für die war die Angst vor Waffengewalt Realität.»

Missbrauchsrisiko sei gering

Für die Gegner der Initiative drängt diese Argumentation die Männer in eine Täterrolle. Diese Meinung vertritt die CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler. Mit der Kampagne werde ein Bild geschaffen, das jeden Schweizer Soldaten mit Waffe als Gefahr für seine Familie darstelle. Die Sicherheit der Schweizer Bürger sei ihr eines der wichtigsten Bedürfnisse, die Waffen-Initiative gehe ihr aber zu weit.

Informieren und aufklären

«Bei der Initiative darf nicht einfach zwischen links und rechts unterschieden werden», sagt Andrea Sprecher, Kampagnenleitern der SP Schweiz. Das sei die eigentliche Herausforderung. Jäger, Schützen und Sammler seien von der Initiative nicht betroffen. Es gehe um diejenigen Männer, die eine Waffe zu Hause hätten, weil sie irgendwann einmal im Militärdienst gewesen seien. «Abgesehen davon, fänden es viele Männer einfacher, wenn sie beim obligatorischen Schiessen direkt vor Ort eine Waffe beziehen könnten», sagt Sprecher. Es werde zwar nur ein Bruchteil der Frauen Opfer von Waffengewalt. Dass es solche Fälle gebe, sei aber Grund genug, sich für die Initiative einzusetzen.

Bild: Nina Rudnicki

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