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Wichtig oder kontraproduktiv? Meteorologe glaubt Hitzewarnungen seien nutzlos und im schlimmsten Fall kontraproduktiv

Felix Blumer, Meteorologe bei Radio und Fernsehen SRF, kritisiert die Hitzewarnung, die der Bund am Sonntag ausgesprochen und am Montag für Basel und Wallis erhöht hat. Auf ­«Radio SRF 4 News» sprach er von einer regelrechten «Warnitis».
Pascal Ritter

Auf Anfrage dieser Zeitung konkretisiert Felix Blumer: «Warnungen machen nur Sinn, wenn eine unerwartete Gefahr naht und sich die Bevölkerung dank der Warnung schützen kann.» Bei einer Hitzewelle sei dies aber nicht der Fall. «Im Radio, im Fernsehen und in den Zeitungen wurde die Hitze angekündigt. Was bringt es da, wenn noch einmal eine Warnung mit der gleichen Information ausgesprochen wird?», fragt er. Ratschläge à la «auf Sport verzichten» hält er für unnötig. «Da kommen die Leute selber drauf.»

Warnen als Geschäftsmodell

Blumer kritisiert, dass die Leute nicht mehr auf tatsächlich nötige Warnungen reagierten, wenn sie zu oft unnötig gewarnt würden. Seine Kritik richtet sich nicht nur gegen den staatlichen Wetterdienst Meteo Schweiz, sondern auch gegen private Anbieter. «Das Warnen ist zum Teil zu einem Geschäftsmodell verkommen.» Es herrsche ein Wettbewerb um Klicks und Zitierungen, was die Dienste dazu verleite, zu oft zu warnen. Bei Meteo Schweiz, wo die Hitzewarnung ausgesprochen wurde, kommt die Kritik vom SRF-Kollegen nicht gut an. «Unsere Warnungen sind vernünftig», sagt Meteorologe Daniel Murer. «Im Gegensatz zu SRF Meteo und privaten Wetterstationen haben wir mit Behörden festgelegte Kriterien, wann wir eine ­Warnung aussprechen», sagt Murer, der während der letzten zwölf Jahre für die Unwetterwarnungen bei Meteo Schweiz zuständig war. Er gibt zu bedenken, dass Meteo Schweiz zusammen mit seinen Auftraggebern vom Bund und den Kantonen jährlich auswertet, ob die Warnungen adäquat waren. «Wir haben eine Trefferquote von mindestens 85 Prozent und müssen das gegenüber dem Innendepartement nachweisen. Ganz im Gegensatz zu den Privaten», sagt Murer.

Murer gibt zudem zu bedenken, dass es bei einer Hitzewarnung einen Index gibt, der aus Hitze und Feuchtigkeit berechnet wird. Im Unterschied etwa zu Gewitterwarnungen seien Hitzewarnungen besser und präziser vorhersagbar.

Gemäss Murer ergingen in den letzten zehn Jahren maximal drei Hitzewarnungen pro Jahr. Er warnt davor, die Hitze zu unterschätzen. «Im Vergleich zu anderen Naturgefahren wie Stürmen oder Hochwassern ist die Hitze mit Abstand am tödlichsten.» Das werde unterschätzt, weil die Todesfälle nicht spektakulär seien und vor allem den älteren Teil der Bevölkerung betreffen würden. Murer erinnert daran, dass in der Schweiz gegen 1000 Personen an den Folgen der Hitzewelle im Jahr 2003 starben.

Warnen als Ausdruck des Zeitgeistes

Der alarmkritische SRF-Meteorologe Felix Blumer lässt sich durch diese Argumente nicht von seiner Meinung abbringen. Er glaubt nicht, dass eine Warnung 2003 etwas gebracht hätte. «Es ist wie bei kalten Wintern. Leider sterben dann mehr ältere Menschen als sonst. Eine Warnung kann das nicht verhindern.» Für Blumer sind die Warnungen auch ein Ausdruck des Zeitgeistes. «Wir versichern uns gegen alles und warnen vor jeder noch so kleinen Gefahr. Durch die Alarme wird den Leuten die minimalste Eigenverantwortung abgenommen.»

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