Westschweizer Verein fordert «Bürgerdienst»: Auch Frauen sollen dienstpflichtig werden

Ein Westschweizer Verein arbeitet an einer Volksinitiative zur Einführung einer obligatorischen Dienstpflicht für Frauen und Männer. Die Initianten versuchen derzeit, Unterstützer für das Volksbegehren zu gewinnen.

Roger Braun
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Geht es nach dem Verein Service Citoyen, sollen künftig auch Frauen einen «Bürgerdienst» absolvieren. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Geht es nach dem Verein Service Citoyen, sollen künftig auch Frauen einen «Bürgerdienst» absolvieren. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Während sich die Armee und der Zivilschutz mit dem Zivildienst keilen, wagt eine Gruppe junger Menschen den grossen Wurf. In der Westschweiz hat der Verein ServiceCitoyen.ch eine Volksinitiative zur Einführung eines Bürgerdienstes ausgearbeitet. Damit müssten künftig neben den Männern auch die Frauen einen Dienst zu Gunsten der Allgemeinheit leisten. Neuland ist auch die Wahlfreiheit. Die Dienstpflichtigen sollen sich weitgehend frei entscheiden können, wo sie sich engagieren – und ohne wie heute beim Zivildienst durch eine Verlängerung der Dienstzeit bestraft zu werden.

Der neue Bürgerdienst wäre breiter als heute. Auch ein Engagement bei der Feuerwehr, in Vereinen oder als Gemeinderat soll berücksichtigt werden. Um der Armee genügend Soldaten zu garantieren, sieht die Initiative zudem einen Notfall-Artikel vor. Kommt es zu einem Engpass in der Armee, soll der Bundesrat das Recht erhalten, die Wahlfreiheit einzuschränken.

Initianten wollen das Milizsystem der Schweiz retten

Co-Präsidentin Noémi Roten vom Verein ServiceCitoyen.ch ist überzeugt, dass ein Bürgerdienst perfekt zur Schweiz passen würde. «Er unterstreicht die Verbundenheit der Bürger zum Staat, er verbessert den sozialen Zusammenhalt, und er stärkt die Solidarität in der Gesellschaft», sagt sie. Angesichts des Rückgangs der Freiwilligenarbeit und des Verteilkampfs zwischen Militär, Zivildienst und Zivilschutz sieht Roten das Bürgerengagement zunehmend bedroht. «Der Bürgerdienst wäre eine grosse Chance, die gemeinnützige Arbeit in der Schweiz zu fördern», sagt sie.

Die Arbeiten an der Volksinitiative sind weit fortgeschritten. Derzeit feilen Staatsrechtler an den sprachlichen Details des Textes. Parallel versucht der Verein möglichst breite Unterstützung für das Volksbegehren zu gewinnen. Im Zentrum stehen dabei die Jungparteien. «Es wäre ein starkes Zeichen, wenn die Initiative in erster Linie von jungen engagierten Menschen getragen wird», sagt Roten, die selber erst 30 Jahre alt ist und bei der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse arbeitet.

Die Jungparteien der Mitte stehen bereit

Im Initiativkomitee sind junge Menschen aller Parteien vertreten. Die grösste Unterstützung kommt derweil von der Mitte. Die Jungen Grünliberalen wollen nächsten Samstag bereits die Unterstützung zur Initiative beschliessen. Co-Präsident Tobias Vögeli sagt: «Ein Bürgerdienst könnte die individuellen Fähigkeiten gezielter einsetzen und damit den Nutzen für die Gemeinschaft erhöhen.» Positive Zeichen kommen auch von der Jungen CVP. In ihrem Wahlprogramm fordert sie eine allgemeine Dienstpflicht für Mann und Frau. Die neue Präsidentin Sarah Bünter sagt: «Eine Umgestaltung und Öffnung der Dienstpflicht stärkt das Milizsystem und ist aus unserer Sicht auch Bestandteil der Gleichstellung.» Sympathien äussert zudem die Junge BDP. Vizepräsident Philippe Tschopp sagt: «Wir haben den Bürgerdienst im Vorstand und mit den Kantonalparteien besprochen und sind uns einig, dass wir die Idee unterstützen.»

Etwas komplizierter gestaltet sich die Sache links und rechts des politische Spektrums. Die Linke ist militärkritisch und stört sich an der Mehrbelastung der Frauen. Rechts wiederum macht man sich Sorgen um den Militärdienst und steht dem staatlichen Zwang kritisch gegenüber.