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Weniger Junge wollen zur Luftwaffe

Das Interesse an der Ausbildung zum Militärpiloten ist gesunken. Der Präsident der Sicherheitskommission warnt vor einem Engpass.
Lorenz Honegger
Ein F/A-18-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe. (KEYSTONE/Dominic Favre)

Ein F/A-18-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe. (KEYSTONE/Dominic Favre)

Während die Kollegen bei den zivilen Airlines im Autopilot nach Mallorca fliegen, manövrieren Piloten der Luftwaffe ihre F/A-18-Maschinen durch Bergtäler. Sie betanken die Flieger wenn nötig in der Luft und müssen im Ernstfall den Abschussknopf drücken. Es ist ein anspruchsvoller Job, dafür stehen die F/A-18-Piloten in der Hackordnung der Schweizer Aviatik weit oben. Luftwaffen-interne Stimmen fragen sich allerdings, wie lange noch.

Mehrere tragische Abstürze und die seit beinahe einem Jahrzehnt andauernde politische Auseinandersetzung um den Kauf neuer Jets drücken laut Insidern auf die Moral der Truppe. Der Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates (SIK) Werner Salzmann warnt vor einem Nachwuchsproblem bei der Rekrutierung: Wenn die Schweiz das neue Kampfflugzeug nicht rechtzeitig beschaffen könne, sei der Bestand an Militärpiloten «mittel- bis langfristig» gefährdet, sagt der Berner SVP-Politiker. «Die Bewerber von heute wissen nicht, ob sie je in einem neuen Jet fliegen können – oder ob die Schweizer Luftwaffe die alternden F/A-18 noch viele Jahre weiterbetreiben muss.» Bereits jetzt seien die Zahlen der Teilnehmer bei der vormilitärischen Pilotenselektion im Rückgang. «Sollte sich die Beschaffung weiter verzögern, wird sich diese Tendenz verstärken.»

«Militärpilot kein Traumberuf mehr»

Die neuesten Statistiken der Luftwaffe bestätigen das geringere Interesse an der fliegerischen Vorschulung Sphair. Binnen sieben Jahren sank die Teilnehmerzahl um 21 Prozent von 420 auf 329 Personen. Ebenfalls stark schrumpfte die Gruppe jener Absolventen, die vom Kursleiter der Luftwaffe die Empfehlung für die Ausbildung zum Militärpiloten erhielten: von 169 (2012) auf 124 Personen (2018).

Aviatikexperte Max Ungricht kennt diese Zahlen. Er sagt, früher sei Militärpilot «ein absoluter Traumberuf» gewesen. «Das ist heute nicht mehr so.» Mittlerweile gebe es mehr attraktive Jobmöglichkeiten in anderen Berufsfeldern. «Der Weg in ein Kampfjetcockpit ist lang und beschwerlich.» Ein negativer Grundton bei der anstehenden Diskussion um neue Flieger könne das Nachwuchspotenzial zusätzlich schmälern. Bis jetzt konnte die Luftwaffe ihren Bedarf an Nachwuchspiloten für Helikopter und Kampfjets immer decken: Eine Sprecherin gibt sich auf Anfrage optimistisch und spricht von «sehr konstanten Zahlen», wenn man den Zeitraum der letzten fünf Jahre betrachte. «Wir können keine Korrelation zwischen der Diskussion über ein neues Kampfflugzeug und den Interessentenzahlen erkennen.» Die Fluktuationen bei den Teilnehmern könnten laut Luftwaffe auch auf Entwicklungen in der zivilen Aviatik zurückzuführen zu sein, denn nicht alle Sphair-Absolventen streben eine militärische Pilotenlaufbahn an.

Abstimmung bereits 2020?

Nicht wegreden lässt sich die absehbare Verzögerung im Beschaffungsprozedere nach dem ersten Auftritt von Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) in der Sicherheitspolitischen Kommission diese Woche. «Frau Amherd hat uns in der Kommission mitgeteilt, dass sie sich zuerst ins Dossier einlesen muss, bevor sie über das weitere Vorgehen entscheidet», sagt SIK-Präsident Salzmann. Das sei absolut verständlich, habe aber zur Folge, «dass der derzeitige Fahrplan gefährdet sein könnte. Unser Ziel sollte sein, dass die Bevölkerung im Frühling 2020 abstimmen kann.»

Einen Fortschritt konnte das Verteidigungsdepartment am Freitag verbuchen: Alle fünf eingeladenen Kampfjethersteller haben ihre Offerten eingereicht. Der amerikanische Hersteller Lockheed Martin steigt mit dem modernsten Kampfflugzeug der Welt, dem F-35, ins Rennen, nachdem die Amerikaner bei der letzten Kampfjetevaluation zu Beginn des Jahrzehnts auf eine Offerte verzichtet hatten. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich der Bundesrat für den mit Abstand teuersten Fliegertypen entscheidet, könnte dies laut Aviatikexperte Max Ungricht bei der Nachwuchsrekrutierung «gewisse Sogwirkung» entfalten.

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