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Weniger, aber länger arbeitslos: Was die Statistik über ältere Arbeitnehmer sagt

Informatiker, 59-jährig, 300 Bewerbungen und noch immer ohne Job: Solche Geschichten über ältere Arbeitslose prägen unser Bild. Der Bundesrat will nun eine gezielte Überbrückungshilfe für ältere Arbeitslose einführen. Doch wie sieht die Situation der älteren Arbeitnehmer auf dem Schweizer Arbeitsmarkt wirklich aus? Ein Blick in die Statistik.
Doris Kleck
Der Bundesrat will eine gezielte Überbrückungshilfe für ältere Arbeitslose einführen. (Symbolbild Oliver Menge.

Der Bundesrat will eine gezielte Überbrückungshilfe für ältere Arbeitslose einführen. (Symbolbild Oliver Menge.

Gleich zwei Bundesräte traten vor die Medien. Und wenn Volkswirtschaftminister Guy Parmelin keine anderen Termine gehabt hätte, wären es gar drei gewesen. Innenminister Alain Berset , Justiziministerin Karin Keller-Sutter und eine ganze Reihe von Chefbeamten präsentierten Massnahmen «zur Förderung des inländischen Arbeitskräftepotenzials». Eine Massnahme sticht dabei besonders heraus, weil sie nichts mit der Förderung des inländischen Arbeitskräftepotential zu tun hat, sondern mit dem würdigen Umgang mit älteren Arbeitslosen. Ihnen soll der Gang auf die Sozialhilfe erspart bleiben. Der Bundesrat möchte eine Überbrückungsleistung für ausgesteuerte Arbeitslose über 60 Jahren einführen, bis diese das reguläre AHV-Alter erreicht haben.

Schneller Sinneswandel

Damit haben die Gewerkschaften einen Erfolg erzielt. Der Umgang mit älteren Arbeitslosen ist nämlich seit langem ein grosses Politikum. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) präsentierte im Februar 2018 ein Konzept «Ergänzungsleistungen statt Sozialhlife» für ältere Arbeitslose. Als sich vor zwei Wochen die Sozialpartner mit Bundesrat Parmelin zur «fünften nationalen Konferenz zum Thema ältere Arbeitnehmende» trafen, liefen die Gewerkschaften mit der Forderung nach Überbrückungsleistungen noch auf. Wirtschaftskreise wehrten sich gegen den Sozialausbau. Die Notwendigkeit wurde in Frage gestellt. Der jahrelange Streit um die richtigen Massnahmen für ältere Arbeitslose hat auch viel mit der unterschiedlichen Beurteilung der Situation auf dem Arbeitsmarkt zu tun. Bundesrat und Wirtschaft meinten, alles sei in Ordnung. Doch was sagt die Statistik? Wie sieht die Situation von älteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt aus?

Erwerbstätigkeit

Zunächst einmal die gute Nachricht: In fast keinem anderen Land arbeiten so viele 55 bis 64-Jährige wie in der Schweiz. Die Erwerbstätigenquote liegt bei 73 Prozent. Nur in Island, Neuseeland, Schweden und Japan ist sie höher. Die 55 bis 64-Jährigen betätigen sich heute stärker am Arbeitsmarkt als noch vor 20 Jahren. Das hat damit zu tun, dass mehr Frauen arbeiten, das Rentenalter erhöht worden ist und die Frühpensionierungen zurückgehen. Doch was ist mit den 260'500 Menschen in diesem Alter, die nicht arbeiten? 24 Prozent arbeiten aus persönlichen Gründen nicht, 43 Prozent weil sie pensioniert sind. Die übrigen Gründe sind Dauerinvalidität (21 Prozent), Krank und deswegen vorübergehend arbeitsunfähig (10 Prozent). Drei Prozent der 55 - 64-Jährigen arbeiten nicht, weil sie keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.

Arbeitslosigkeit

Zur Bemessung der Arbeitslosigkeit gibt es zwei Methoden. Die ILO berücksichtigt alle erwerbslosen Personen. Die Zahl eignet sich für den internationalen Vergleich. Das Seco berücksichtigt nur diejenigen Personen, die bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) eingeschrieben sind und/oder Arbeitslosengelder beziehen.

Im Vergleich mit den übrigen OECD-Staaten hat die Schweiz eine tiefe Arbeitslosigkeit. Im dritten Quartal 2018 lag sie bei 4,4 Prozent gegenüber 5,3 Prozent im OECD-Durchschnitt. Betrachtet man nun aber nur die Gruppe der 55 bis 64-Jährigen, dann zeigt sich, dass die Schweiz nicht besser dasteht. Die Erwerbslosenquote liegt bei 3,9 Prozent – genau gleich wie im Durchschnitt der übrigen. Zwar sind 55 bis 64-Jährige nach wie vor unterdurchschnittlich arbeitslos. Allerdings hat ihre Erwerbslosenquote zwischen 2016 und 2018 im Gegensatz zu den übrigen Altersgruppen zugenommen. Zudem brauchen ältere Arbeitslose länger, um wieder einen Job zu finden. Der Anteil der Personen, die länger als ein Jahr erwerbslos sind, steigt mit dem Alter deutlich an. 2018 lag der Anteil an Langzeiterwerbslosen bei den 55 bis 64-jährigen Personen bei 63 Prozent, bei den 40 bis 54- Jährigen bei 46 Prozent und bei den 25 bis 39-Jährigen bei 33 Prozent.

Die Zahlen des Staatssekretariat für Wirtschaft zeigen ein ähnliches Bild. Zwar liegt die Arbeitslosenquote der über 50-Jährigen seit Anfang der 1990er Jahre unterhalb jener der der 35 bis 49-Jährigen. Die Differenz nimmt jedoch ab. Jüngere profitierten stärker und schneller von den letzten konjunkturellen Verbesserungen. Auch dies ein Hinweis darauf, dass ältere Arbeitslose mehr Mühe haben, wieder eine Stelle zu finden.

Sozialhilfe

6540 Personen, die älter als 55 Jahre waren, wurden 2018 ausgesteuert, das heisst, sie hatten keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld, bevor sie eine neue Stelle oder das Pensionsalter erreichten. Interessant ist, dass die 55 bis 64-Jährigen das tiefste Risiko haben, arbeitslos zu werden. Es ist halb so gross, wie das der Altersgruppe der 15 bis 24 Jährigen.

Allerdings hat keine andere Gruppe ein derart hohes Risiko für eine Aussteuerung. Das Risiko, im Verlauf der nächsten drei Jahre ausgesteuert zu werden, lag bei 31 Prozent, gegenüber 18 Prozent bei der jüngsten Altersgruppe. Auch bei ausgesteuerten Personen zeigt sich das Bild, dass jüngere häufiger wieder im Arbeitsleben Fuss fassen als ältere Personen. Bei den 25 bis 39-jährigen hatten fünf Jahre nach der Aussteuerung 70 Prozent wieder eine Arbeit, bei den über 55-Jährigen lediglich deren 47.

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