«WEICHSPÜL-RS»: Schweizer Armee prüft Jokertage für Rekruten

Die Armee erwägt, dass Rekrutenschüler während ihrer Militärausbildung an ein bis zwei Tagen ohne speziellen Grund fehlen dürfen. Die Idee dürfte die Diskussion um die «Weichspül-RS» weiter anheizen.

Sebastian Keller
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Jokertage, wie sie bereits von Volksschulen in mehreren Kantonen bekannt sind, stehen für die Rekurtenschule zur Diskussion. (Bild: Keystone)

Jokertage, wie sie bereits von Volksschulen in mehreren Kantonen bekannt sind, stehen für die Rekurtenschule zur Diskussion. (Bild: Keystone)

Unbegründet fehlen – das ist heute in der Rekrutenschule undenkbar. Urlaub erhalten Soldaten und Rekruten nur, wenn ihn der zuständige Kommandant bewilligt. Ein Anrecht besteht nicht.

Nun macht sich die Schweizer Armee Gedanken, ob sie diese Regelung lockern soll. Sogenannte Jokertage, wie sie bereits von Volksschulen in mehreren Kantonen bekannt sind, stehen zur Diskussion. Tage also, an denen Soldaten ohne Begründung eine Auszeit nehmen dürfen. «Die Idee ist in Überlegung», bestätigt Armeesprecherin Delphine Al­lemand Recherchen der «Ostschweiz am Sonntag». Die Überlegungen fänden im Rahmen der Planung für die künftige Ausbildung in der Armee statt. Zwei freie Tage seien die Diskussionsgrundlage, sagt die Sprecherin weiter. Wie eine mit der Materie vertraute Person sagt, sei angedacht, dass die Jokertage nicht eingesetzt werden dürften, wenn beispielsweise lange Märsche oder Abschlussübungen anstehen. Sperrtage seien wahrscheinlich. So handhaben es auch die Volksschulen. Am ersten Schultag sind mancherorts die Jokerkarten nicht gültig.

Ausbildungschef fordert bessere Erholung

In den vergangenen Wochen war in den Medien von «Weichspül-RS» die Rede. Dies, weil Daniel Baumgartner, Chef Heer und Projektleiter Kommando Ausbildung der Armee, in der NZZ sagte, dass sich Rekruten während des Dienstes besser erholen können sollen. «Unsere Gesellschaft ist sich einen Dienstbetrieb von 6 bis 23 Uhr schlicht nicht mehr gewohnt.» Deshalb sollen mehr Freiräume geschaffen werden.

Die Armee braucht pro Jahr 18'000 neue Soldaten. Doch längst nicht alle, die auf dem Papier militärdiensttauglich sind, treten auch zum Dienst im Tarnanzug an. Ostschweizer Militärverantwortliche stellen fest, dass junge Männer vermehrt zivilen Ersatzdienst leisten. Diese Personen fehlen der Armee. Die Quote mit den meisten Militärdiensttauglichen weist der Kanton Appenzell Innerrhoden aus. Im Jahr 2016 erfüllten über 80 Prozent der Innerrhoder Stellungspflichtigen die Anforderungen für den Militärdienst.