Weg mit den Fehlanreizen

Zur Sache

Balz Bruder
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Das kommt nicht alle Tage vor. In seltener Einmütigkeit sprechen sich Ärzte, Krankenversicherer und Spitäler gegen gedankliche Turnübungen von Gesundheitsminister Alain Berset aus. Konkret: Sie halten wenig bis gar nichts von den Vorschlägen einer Expertengruppe, die ungebremste Kostenentwicklung unter anderem mit Globalbudgets in den Griff zu bekommen. Gewiss, die Deckelung von Kosten und Mengen hat ökonomisch gesehen ihren Reiz. Die Ausgaben und deren Wachstum werden auf diese Weise planbar. Doch diese Logik greift im Gesundheitswesen eindeutig zu kurz. Das Erkranken und Gesunden zeichnet sich eben gerade durch fehlende Planbarkeit aus. Und die wird durch Globalbudgets nicht ausgeschaltet, im Gegenteil. Deshalb: Anstatt immer neue Reformideen zu wälzen, täte der Bundesrat gut daran, endlich die auf der Hand liegenden Massnahmen zur Dämpfung des Kostenwachstums zu ergreifen. Erstens müssen die falschen Anreize für Ärzte und Spitäler weg, immer mehr und immer mehr Unnötiges zu behandeln. Zweitens braucht es endlich ein Finanzierungssystem, das sich nicht nach dem grösstmöglichen Gewinn für die Leistungserbringer, sondern nach der besten und kostengünstigsten Behandlung für den Patienten richtet. Das Gesundheitswesen muss nicht neu erfunden werden. Schon gar nicht mit Massnahmen, die sowohl seinen sozialen Kern als auch seine Qualität gefährden. Aber es muss vom Selbstbedienungsladen zum effizienten Gewährleister einer guten und bezahlbaren Grundversorgung werden. Das wäre ein Segen. Vor allem für uns Patienten, die gleichzeitig Prämien- und Steuerzahler sind. Seite 5