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Kampf ums SRG-Radiostudio in Bern: Warum Züri West gegen Zürich poltert

Tout Berne wehrt sich mit schrillen Anti-Zürich-Parolen gegen den Umzug des Radiostudios. Der Aufschrei legt die empfindliche Seele des Berner Bären offen, der den Untergang des burgundischen Hegemonialstaates nie ganz überwunden hat.
Stefan Schmid
Leander Jaggi, Präsident der SRG Bern Freiburg Wallis. (Bild: Anthony Anex (Bern, 30. August 2018))

Leander Jaggi, Präsident der SRG Bern Freiburg Wallis. (Bild: Anthony Anex (Bern, 30. August 2018))

«Irgendeinisch fingt’s Glück eim», singt Kuno Lauener, der charismatische Bandleader von Züri West, 2004. Das Lied wurde nicht nur zum Kultsong aller YB-Fans, die jahrelang aufs Glück in Form eines Schweizer Meister­titels warten mussten. Sondern auch generell von allen, die sich als stolze Berner verstehen. Und das sind viele im einst mächtigsten Kanton der Eidgenossenschaft.

Umso gekränkter reagieren deshalb die chauvinistischen Berner Seelen, wenn die nationale Radio- und Fernsehgesellschaft das Berner Radiostudio nach Zürich an den Hauptsitz der SRG Deutschschweiz zügeln möchte. 170 Mitarbeiter wären von der Reorganisation betroffen, die laut Zahlen, die der «Sonntags-Blick» gestern veröffentlicht hat, Einsparungen von rund 2,6 Millionen Franken bringen dürfte.

Es geht um Radiosendungen wie «Echo der Zeit», «Rendez-vous» oder die «Samstagsrundschau», die künftig im neuen Newsroom zu Zürich und nicht mehr im guten alten Bern produziert werden sollen. In der Hauptstadt verbleiben die Bundeshausredaktion sowie die Mitarbeiter des Regionaljournals Bern Freiburg Wallis.

Schulterschluss von links bis rechts

Der Umzug, über welchen der SRG-Verwaltungsrat am 18. September befinden will, lässt nebst den betroffenen Journalisten auch die gesamte Berner Politik in einer Art kantonalem Schulterschluss zusammenrücken. Mit 140 zu 7 Stimmen fordert das Kantonsparlament die SRG auf, die Pläne zu stoppen. Von der Grünen Regula Rytz über FDP-Mann Christian Wasserfallen bis zum SVP-Hardliner Adrian Amstutz steht die bernische Politprominenz geschlossen hinter dem Radiostudio Bern. Selbst jene, die vor wenigen Monaten die No-Billag-Initiative unterstützt und den angeblich fehlenden Sparwillen der «zu grossen» SRG moniert haben, wollen von dieser Sparmassnahme nichts wissen.

Die Argumente für einen ­Verbleib in Bern ähneln sich. Da ist von «Meinungsvielfalt» die Rede, vom Kampf gegen den medialen «Einheitsbrei», von der Brückenfunktion der Bundesstadt und von einem qualitativ besonders anspruchsvollen Journalismus, der in Bern angeblich noch zelebriert werde.

Über allem aber schwebt der Geruch der latenten Zürich-Feindlichkeit. Die Schweiz sei viel mehr als Zürich, war auf Plakaten an einer Demonstration auf dem Bundesplatz zu lesen – fast so, als wäre die Schweiz nur die Schweiz, solange es in Bern ein Radiostudio gibt. Stadtpräsident Alec von Graffenried sieht denn auch nichts weniger als den ­«Zusammenhalt des Landes» bedroht, sollte die SRG Informationssendungen ausschliesslich in Zürich produzieren. Ob das die Ost- und Zentralschweizer, die selber nur kleine SRG-Regionalstudios in Luzern respektive St. Gallen haben, auch so sehen, darf bezweifelt werden.

Der Grad der Aufregung und die latent Zürich-feindliche Stimmung legen ein Malaise offen, das die Berner seit dem Untergang ihres burgundischen Hegemonialstaates nie ganz überwunden haben. Seit Jahrhunderten erodiert die Macht Berns unaufhaltsam. Brandbeschleuniger des bernischen Niedergangs war der 1945 vom eidgenössischen Parlament gefällte Entscheid, den grössten nationalen Flughafen in Zürich-Kloten und nicht in Bern-Utzenstorf zu bauen.

Gewichtsverlust im nationalen Vergleich

Berns wirtschaftlicher Bedeutungsverlust im Vergleich zu den boomenden Wirtschaftsregionen Zürich, Genfersee und Basel hat sich in den letzten Jahren noch akzentuiert. Er kann selbst durch die Anwesenheit von fast allen wichtigen Staatsbetrieben im Grossraum Bern nicht kompensiert werden.

Infolge eines unterdurchschnittlichen Bevölkerungswachstums verliert Bern laufend an relativer Grösse, was sich in einer sinkenden Zahl Nationalratssitze niederschlägt.

Der erste YB-Meistertitel seit 32 Jahren hat das Glück zurück nach Bern gebracht. An der Empfindlichkeit der bernischen Volksseele, die ihrer vergangenen ­Geltung nachtrauert, hat sich ­dadurch aber nichts verändert.

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