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Kommentar

Warum es beim Klimaschutz keinen Mondlandungs-Moment geben wird

In seinem Wochenkommentar schreibt Chefredaktor Patrik Müller über den Ehrgeiz, scheinbar Unmögliches zu erreichen, wie dies den USA vor 50 Jahren mit der Mondlandung gelungen ist. Und er erklärt, warum keine Regierung einen Anreiz hat, beim Klimaschutz einen ähnlichen Effort zu leisten.
Patrik Müller

Jeder US-Präsident wird mit einem Museum verewigt, dasjenige von John F. Kennedy ist ein bombastischer Glasbau in seiner Geburtsstadt Boston, in dem die angeblich grösste US-Flagge des Landes hängt. JFK war nicht einmal drei Jahre im Amt, als er 22. November 1963 ermordet wurde, und doch hat er Geschichte geschrieben wie nur wenige andere Präsidenten.

Im JFK-Museum wird die Mondlandung vom 20. Juli 1969 als Kennedys grösstes Vermächtnis gefeiert. Besucher können seine Rede vor dem US-Kongress nachhören, die er nur wenige Monate nach Amtsantritt hielt: „Dieses Land sollte sich zum Ziel setzen, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen.“ Um dieses Ziel zu erreichen, investierten die USA vier Prozent ihres Bruttoinlandprodukts. Kennedy trieb weniger die Entdeckungslust an als der Wettbewerb mit der kommunistischen Sowjetunion, die im All die Nase vorn hatte. Doch ihm gelang mit dem Apollo-Programm die Wende und so erreichte er postum das scheinbar unmögliche Ziel.

US-Präsident John F. Kennedy spricht am 25. Mai 1961 vor dem US-Kongress und sagt, die USA müssten das Ziel verfolgen, den ersten Menschen auf den Mond zu schicken. (Bild: Nasa)

US-Präsident John F. Kennedy spricht am 25. Mai 1961 vor dem US-Kongress und sagt, die USA müssten das Ziel verfolgen, den ersten Menschen auf den Mond zu schicken. (Bild: Nasa)

Neil Armstrongs Fussabdruck auf dem Mond steht für den Machbarkeitsglauben der damaligen US-Politik und einer ganzen Nation: Wenn wir wollen und alles dafür tun, können wir alles schaffen. Wäre ein solcher Kraftakt heute noch denkbar? Es gäbe genug Ziele, die man mit einem Apollo-Effort verfolgen müsste. Vor allem in der Medizin - etwa im Kampf gegen Krebs und Alzheimer - und im Umweltschutz, insbesondere im Klimaschutz.

Zwischen der Eroberung des Mondes und dem Umweltschutz besteht eine direkte Verbindung. Als die Menschheit vor 50 Jahren erstmals Bilder von der Erdkugel zu sehen bekam, mit den tiefblauen Ozeanen und den Kontinenten, wurde ihr bewusst, wie prächtig und zugleich verletzlich die Erde aussieht, gerade im Vergleich zum kargen Mond. „Oh mein Gott. Wow, ist das schön“, sagte der Raumschiff-Kommandant, der als erster die Erde erblickte. Die atemberaubenden Fotos stehen am Anfang der Umweltbewegung.

Kein Präsident wird sagen können: „Seht her, unsere Nation hat als erste den Klimawandel besiegt“

Seither hat die Umweltbewegung einige Erfolge vorzuweisen - die Luft ist reiner und das Ozonloch deutlich kleiner geworden. Doch was ist mit der grössten Herausforderung, dem Stoppen der Klimaerwärmung? Es gibt keine Anzeichen, dass sich hier die Grossmächte einen ähnlichen Wettlauf liefern wie vor 50 Jahren im Weltall. Der Wettbewerb der Systeme spielt hier nicht. Denn kein Staat wird, wenn er sich zum Vorreiter beim Klimaschutz macht, einen sichtbaren Triumph erzielen können. Es gibt keinen Fussabdruck-Moment. „Seht her, unsere Nation hat als erste den Klimawandel besiegt“, diesen Satz wird nie ein Präsident aussprechen können, weil die Erwärmung ein globales Problem ist und ein einzelner Staat kaum etwas bewirken kann.

Darum hat keine Regierung wirklich einen Anreiz, voranzugehen. Die bevölkerungsreichsten Staaten haben den Klimaschutz faktisch aufgegeben: Die USA kündigten das Pariser Abkommen, China kurbelt mit allen Mitteln das Wirtschaftswachstum an, ebenso Indien. Dass der Verbrauch von Kohle erstmals seit langem wieder ansteigt, sagt alles über die Prioritäten der grossen Volkswirtschaften. Der Machbarkeitsglaube, der die Mondlandung erst möglich machte, fehlt beim Klimaschutz komplett.

Die grossen Durchbrüche werden heute nicht mehr von Regierungen, sondern von privaten Unternehmen geschafft

Ein weiterer Unterschied zur Zeit vor 50 Jahren: Heute sind es nicht mehr Staaten und Regierungen, welche die grossen Pionierleistungen anpeilen, sondern private Unternehmen. Das gilt selbst für die Raumfahrt: Die ehrgeizigsten Pläne hat nicht mehr die staatliche Nasa, sondern der Silicon-Valley-Guru Elon Musk, der den Mars kolonialisieren will. Auch in der Medizin erhofft man sich von der privaten Forschung Durchbrüche etwa beim Krebs. Und unseren Alltag beeinflussen die Tech-Konzerne Apple, Google oder Netflix mehr als alles, was Donald Trump in seiner Amtszeit getan hat und tun wird.

Die Disruptionen werden heute nicht mehr im Weissen Haus beschlossen, die Apollo-Momente sind privatisiert worden. Die ganz grossen Erfolge im Kampf gegen die Erderwärmung werden darum kaum von Regierungen ausgehen, sondern von neuen Technologien - nicht angekündigt vor dem US-Kongress und in keinem Präsidentschafts-Museum verewigt, zuallerletzt in jenem von Donald Trump.

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