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Warum die Grünen im Tessin nicht zulegen - und 4 weitere Erkenntnisse aus den Kantonsratswahlen

Das Tessin hat sein Kantonsparlament neu gewählt. Grüne Welle? Das Ergebnis weicht von den letzten Wahlen in Zürich, Luzern oder Baselland ab. Experten erklären, wie das Resultat zustande kam - und was es für Folgen haben wird.
Dominic Wirth
Christian Vitta, wiedergewählter FDP-Staatsrat, stellt sich den Medien. (Bild: ky)

Christian Vitta, wiedergewählter FDP-Staatsrat, stellt sich den Medien. (Bild: ky)

1. Die Grüne Welle bleibt aus, doch das ist erklärbar

In der Deutschschweiz haben die grünen Parteien zuletzt ganz schön zugelegt. Das war im Tessin anders. Die Grünen stehen weiterhin bei sechs Sitzen. Die GLP, die im Südkanton noch in den Kinderschuhen steckt, schaffte es - wenn auch sehr knapp - nicht einmal, einen Sitz zu erringen. Kenner der Tessiner Politik wollen aber nicht von einer grünen Niederlage sprechen.

Politikwissenschafter Nenad Stojanovic, der an der Universität Genf forscht, nennt drei Gründe für das Ausbleiben der grünen Welle. Da ist einmal die hohe Wahlbeteiligung im Kanton. «Das hat zur Folge, dass sich politische Trends weniger auswirken, weil der Effekt der neu mobilisierten Wähler abgeschwächt wird» sagt Stojanovic.

Dazu kommt laut dem Experten, dass die Umwelt-Thematik im Tessin stark von der Rechtspartei Lega besetzt wird. «Sie gibt den Grenzgängern die Schuld für die Umweltprobleme, etwa die Luftverschmutzung - und holt damit viele Stimmen», sagt Stojanovic.

Als dritter Faktor kommt laut Stojanovic hinzu, dass die Grünen im Tessin mit internen Querelen zu kämpfen hatten, die im Rückzug des ehemaligen Parteichefs Sergio Savoia gipfelte. «Wenn man das in Betracht zieht, ist es für die Grünen ein Erfolg, dass sie ihre Sitze halten konnten», sagt Stojanovic.

Tessin: Sitzverteilung im Grossen Rat

90 Sitze
FDP
23
Sitze
–1
Lega dei Ticinesi
18
Sitze
–4
CVP
16
Sitze
–1
SP
13
Sitze
SVP
7
Sitze
+2
Grüne
6
Sitze
Più donne
2
Sitze
+2
MpS
3
Sitze
+2
KP
2
Sitze
+1
Montagna Viva
0
Sitze
–1

2. Die Frauen im Rekordhoch

31 Frauen sitzen neu im Tessiner Kantonsparlament - so viele wie noch nie zuvor. In der letzten Legislatur waren es erst 22 von 90 Kantonsräten gewesen. Nenad Stojanovic führt das unter anderem darauf zurück, dass in der Tessiner Regierung seit 2015 keine Frau mehr sitzt. Das habe zu reden gegeben im Kanton - und dürfte sich nun ausgewirkt haben.

Unter anderem kämpften Frauenorganisationen mit einer Kampagne gegen die Untervertretung. Oscar Mazzoleni, Politikwissenschafter an der Universität Lausanne, spricht von einem «überraschenden Wandel».

3. Im Tessin interessiert der Kantonsrat viel mehr

34 Prozent in Baselland, 41,5 Prozent in Luzern, 32 Prozent in Zürich: So sah die Wahlbeteiligung bei den drei bisherigen kantonalen Wahlen dieses Jahres aus. Im Tessin gingen mit fast 60 Prozent viel mehr Bürger an die Urne. Woher kommt das?

Nenad Stojanovic nennt die besondere Beschaffenheit der Tessiner Medienlandschaft als Hauptgrund. Das Tessiner Fernsehen RSI berichtet ausführlich und zur Prime Time über die Wahlen. «In der Deutschschweiz gibt es keinen Sender, der sich mehr oder weniger auf einen Kanton konzentrieren kann. Im Tessin ist das anders, die mediale Berichterstattung über die Kantonsratswahlen dadurch sehr gross - und das wirkt sich auf die Wahlbeteiligung aus», sagt Stojanovic.

4. Die Kleinen legen zu - das hat Folgen

Auch wenn die grüne Welle es nicht bis ins Tessin schaffte: Die Linken legten dennoch zu, während das bürgerliche Lager Sitze einbüsste, insbesondere die Lega. Die Kommunisten haben neu zwei Vertreter, die Bewegung Movimento per il socialismo legte um zwei auf drei Sitze zu. Das bedeutet eine weitere Fragmentierung des Tessiner Parlaments. Die Regierungsparteien haben im Kantonsrat Sitze verloren. Oscar Mazzoleni sagt, es werde so im Parlament noch schwieriger, Koalitionen zu finden.

5. Die Lega tut sich schwer

Die Rechtspartei Lega schaffte es zwar, ihre zwei Sitze im Staatsrat zu halten. Am Montag, als die Ergebnisse aus dem Kantonsrat bekannt wurden, folgte aber der Dämpfer: Im Parlament hat die Lega vier Sitze verloren. Sie bleibt damit zwar zweitstärkste Kraft hinter der FDP, muss aber doch eine Niederlage hinnehmen. Die gemeinsame Liste mit der SVP hat der Partei zwar geholfen, ihre zwei Sitze im Staatsrat zu retten. Im Parlament legte aber die SVP zwei Sitze zu, während die Lega verlor.

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