Wahlkampf in der SP: Es wird um jede Stimme der Genossen geworben

Mit Helmut Hubacher und Jean Ziegler haben sich zwei alte Granden für Mattea Meyer und Cédric Wermuth ausgesprochen. Die SP-Fraktion hingegen tendiert zu Priska Seiler Graf und Mathias Reynard.

Othmar von Matt
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Kampf um Stimmen vor der Juso in Bern (von links): Priska Seiler Graf, Cédric Wermuth, Mattea Meyer und Mathias Reynard.

Kampf um Stimmen vor der Juso in Bern (von links): Priska Seiler Graf, Cédric Wermuth, Mattea Meyer und Mathias Reynard.

Keystone

Zuerst war da Helmut Hubacher, 93. Die SP dürfe ruhig aufmüpfiger werden, sagte der grosse alte Mann der Schweizer Sozialdemokratie (Präsident von 1975 bis 1990) im «Blick» – und empfahl auch gleich ein Präsidium mit den Nationalräten Cédric Wermuth und Mattea Meyer.

Gestern meldete sich dann Jean Ziegler, 85, zu Wort. Er hoffe, dass Wermuth und Genossin Meyer Co-Präsidenten würden, sagte der Soziologe und Kapitalismuskritiker in einem Interview in der «WochenZeitung». «Der sozialistische Geist lebt in ihnen. Das wäre die Gelegenheit einer Wiedergeburt.» «Danke, Genosse Jean Ziegler», twitterte Wermuth artig.

Vor allem Helmut Hubacher sei «schon eine recht starke Unterstützung», sagt SP-Nationalrätin Min Li Marti. Persönlich tendiere sie ebenfalls ein bisschen in Richtung Meyer/Wermuth. «Sie sind inhaltlich substanzieller.» Von Priska Seiler und Mathias Reynard müsse politisch noch etwas kommen. «Mein Fragezeichen ist aber», sagt Marti, «ob Meyer/Wermuth es schaffen, die ganze politische Breite der Partei einzubinden.»

Ein Team für Seiler/Reynard

Edith Graf-Litscher.

Edith Graf-Litscher.

Keystone

Dass sie inhaltlich noch etwas liefern müssen, haben Seiler/Reynard realisiert (siehe oben). Deshalb scharten sie ein Team um sich, das sie eng begleitet. Dazu gehört Verkehrspolitikerin Edith Graf-Litscher (SG), Ex-SP-Generalsekretärin und Nationalrätin Flavia Wasserfallen (BE), Franziska Roth (SO) und Angelo Barille (ZH). Seiler/Reynard wollen aber noch einen Kampagnespezialisten beiziehen.

Marco Kistler.

Marco Kistler.

Keystone

Denn in Sachen Kampagnen liegt #teammamuth, wie Meyer/Wermuth heissen, gefühlt deutlich in Führung. Wermuth hat seit 2011 Mail-Adressen gesammelt, hütet einen Schatz von mehreren tausend Adressen, die er im Präsidiumswahlkampf einsetzt. Marco Kistler, Lebenspartner von Mattea Meyer, ist langjähriger Freund Wermuths. Der ausgewiesene Kampagnenfachmann führte auf dem SP-Generalsekretariat Basiskampagnen. Er ist Co-Gründer von Digital/Organizing.

Wie wichtig Juso-Vertreter im Umfeld von #teammamuth sind, zeigte sich während der Session. Immer wieder besprachen sich die Nationalrätinnen Tamara Funiciello, Samira Marti und Mattea Meyer. Manchmal mit Wermuth. Alle waren sie zentrale Juso-Exponenten. Funiciello ist inzwischen Co-Präsidentin der SP-Frauen.

Der Argwohn in der Fraktion

In der SP-Fraktion wird das sehr genau beobachtet – und sorgt für Argwohn. Die Rede ist vom Juso-Clan, der andere ausgrenze. Fände die Wahl in der SP-Fraktion statt, gewänne wohl das Duo Seiler/Reynard. Das zeigen die vielen Gespräche.

Die Wahl wird aber ausserhalb des Parlaments entschieden. Total werden am Parteitag, der am Freitag vom April auf den 17./18. Oktober verschoben wurde, etwa 950 Delegierte erwartet. 200 bis 250 kommen aus der Westschweiz. Sie sollen zum grössten Teil für Seiler/Reynard sein. Königsmacher sind aber die Delegierten aus der Deutschschweiz, vor allem jene aus Bern und Zürich (je 200). Bei ihnen haben Meyer/Wermuth einen Vorsprung.

Wie umstritten das Rennen aber ist, verdeutlicht die Aussage von Ständerat Roberto Zanetti. «Für die Innenwirkung wäre Meyer/Wermuth besser», sagt er. «Für die Aussenwirkung allerdings eher Seiler/Reynard.»

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