Wahlbarometer: Die Grünen sind weiterhin im Hoch, die SVP verliert deutlich

Die Grünen und die Grünliberalen legen zu, die SVP muss Federn lassen. Und während die SP die Trendwende geschafft hat, schwächelt die FDP. Das sind die Ergebnisse des neusten SRG-Wahlbarometers.

Tobias Bär
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Profitieren davon, dass der Klimawandel die Menschen bewegt: Die Grünen um Parteipräsidentin Regula Rytz, hier bei einem Klima-Marsch in Bern. (Bild: Anthony Anex, Keystone (8. Dezember 2018))

Profitieren davon, dass der Klimawandel die Menschen bewegt: Die Grünen um Parteipräsidentin Regula Rytz, hier bei einem Klima-Marsch in Bern. (Bild: Anthony Anex, Keystone (8. Dezember 2018))

Grün liegt im Trend. In Europa, wo die grünen Parteien jüngst bei der Wahl des EU-Parlaments deutlich zulegen konnten. Und auch in der Schweiz, wo in der laufenden Legislatur bei den kantonalen Wahlen keine Partei stärker zulegte als die Grünen (+41 Sitze).

Stand heute können die Grünen auch bei den Eidgenössischen Wahlen vom Herbst mit einem deutlichen Zugewinn rechnen: Gemäss dem neusten SRG-Wahlbarometer kommt die Partei auf einen Wähleranteil von 10,1 Prozent. Das wäre ein Plus von 3 Prozentpunkten gegenüber dem Resultat von vor vier Jahren und eine Verbesserung des bisherigen Rekordergebnisses von 2007, als die Partei 9,6 Prozent erreichte.

Mit dem Sprung über die 10-Prozent-Marke liegen die Grünen nur noch knapp hinter der CVP. Diese kommt gemäss dem Wahlbarometer noch auf 10,6 Prozent (-1). In der Deutschschweiz haben die Grünen die Christlichdemokraten gar bereits überflügelt.

Die Grünen profitieren davon, dass die Debatte über die Klimaerwärmung die Wähler weiterhin beschäftigt. Nach den Krankenkassenprämien und gleichauf mit den Beziehungen zur EU ist der Klimawandel für sie die derzeit wichtigste politische Herausforderung.

Jene Stimmen, die angesichts der Aufmerksamkeit für das Thema von einer «Klimahysterie» sprechen, stossen in der Bevölkerung auf wenig Verständnis: Über die Hälfte der Befragten sind der Meinung, dass die Parteien der Klimafrage zu wenig Beachtung schenken, 27 Prozent sind gegenteiliger Ansicht.

Die FDP entfernt sich von ihrem Wahlziel

Weiter an Dringlichkeit verloren hat gemäss dem Wahlbarometer das Thema Migration. Das bekommt die SVP zu spüren, für die der Kampf gegen die Zuwanderung weiterhin ein Schwerpunkt ist. Die wählerstärkste Partei liegt derzeit bei 26,5 Prozent und damit 2,9 Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2015. Auf Platz zwei folgt die SP, die mit 19,1 Prozent (+0,3) klar vor der FDP bleibt.

Beim Wahlbarometer vom Februar hatten die Freisinnigen und die Sozialdemokraten noch denselben Wähleranteil erreicht. In der Zwischenzeit musste die FDP aber Federn lassen, sie erreicht noch 16,2 Prozent (-0,2). Und die SP hat die Trendwende geschafft nach dem schlechten Ergebnis vom Februar, als für sie ein Verlust von 1,4 Prozentpunkten ausgewiesen wurde.

Damit hat sich die FDP von ihrem erklärten Wahlziel, die SP von Platz zwei zu verdrängen, entfernt. Die FDP-interne Debatte zur Positionierung in der Klimapolitik habe sich negativ auf den Formstand des Freisinns ausgewirkt, schreiben die Autoren des Wahlbarometers von der Forschungsstelle Sotomo.

Bewahrheiten sich die Ergebnisse der Umfrage, dann kommt es im Bundesparlament zu einem deutlichen Linksrutsch. Grüne und SP gewännen zusammen 3,3 Prozentpunkte dazu, SVP und FDP verlören insgesamt 3,1 Prozentpunkte. Die politische Mitte würde leicht schrumpfen, wobei die Grünliberalen (+1,8) die deutlichen Verluste von CVP (-1) und BDP (-1,2) teilweise kompensieren könnten.