Wachtdienst mit Pfefferspray statt mit durchgeladener Waffe

Der Wachtdienst mit durchgeladener Waffe ist in der Schweizer Armee ab sofort untersagt. Die Armee reagiert damit auf Serie von Pannen.

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Soldaten bewachen einen Zugang zum Flughafen in Kloten. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Soldaten bewachen einen Zugang zum Flughafen in Kloten. (Bild: ky/Steffen Schmidt)

bern. Die Armee reagiert auf acht ungewollte Schussabgaben während des Wachtdienstes: Sie verzichtet ab sofort auf den Wachtdienst mit durchgeladener Waffe. Dafür erhalten die Soldaten einen Reizstoffspray. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden in der Armee im Rahmen des Wachtdienstes acht ungewollte Schussabgaben registriert. Dabei wurde zwar niemand gravierend verletzt. Für die Armeeführung stehe aber die Sicherheit der Armeeangehörigen im Zentrum, teilte das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) mit.

Untersuchung der Unfälle

Aus diesem Grund habe sich der Chef des Führungsstabs der Armee, Divisionär Peter Stutz, dazu entschlossen, im Licht einer vertieften Risikobeurteilung den Wachtdienst mit durchgeladener Waffe per sofort auszusetzen. Die Vorfälle sollen detailliert untersucht werden. Diese Massnahme erfolge im Einvernehmen mit Bundesrat Samuel Schmid und dem interimistischen Armeechef, Divisionär André Blattmann.

Auf Anfang 2008 waren die Wachtdienst-Vorschriften dahingehend überarbeitet worden, dass der Wachtdienst mit geladener Waffe zur Regel erklärt wurde. Gleichzeitig wurde auch der Handlungsspielraum der Truppenkommandanten erweitert, indem es in ihrer Kompetenz lag, aufgrund der Lage und der jeweiligen Umstände die Art und Weise des Wachtdienstes festzulegen. Mit der nun erfolgten Ergänzung der Vorschriften über den Wachtdienst wird die untergeladene Waffe bis auf weiteres zur Regel erklärt.

Das bedeutet, dass das volle Magazin in der Waffe eingesetzt wird, aber auf die Ladebewegung verzichtet wird. Damit ist das Gewehr nicht wie bisher schussbereit. Allerdings kann der Kommandant ausnahmsweise nach wie vor den Wachtdienst mit durchgeladener Waffe anordnen, wie Christoph Brunner, Stellvertretender Armeesprecher, auf Anfrage sagte. «Wenn eine konkrete Bedrohungslage Tatsache wäre, dann könnte der verantwortliche Kommandant vor Ort die Wache mit durchgeladener Waffe befehlen. Aber da müsste man einen sehr konkreten Anhaltspunkt haben, dass es zu gewalttätigen Handlungen kommen könnte gegen die wacheleistenden Soldaten», erklärte Brunner.

Neu mit Pfefferspray

Um die Handlungsmöglichkeiten der Angehörigen der Armee im Wachtdienst zu erweitern, wird flächendeckend das Reizstoffsprühgerät eingeführt. Es handelt sich dabei um einen Pfefferspray, wie er bereits beim Truppeneinsatz an der Fussball-Europameisterschaft Euro 08 zur Ausrüstung gehörte. (ap/sda)

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