Vorsicht, wenn der St.Galler Stadtpräsident nach Ihrer Handynummer fragt

In jüngster Vergangenheit gibt es immer mehr Instagram-Profile, mit welchen Unbekannte versuchen, an private Daten zu gelangen. Betroffen sind unter anderem der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Wittenbachs Gemeindepräsidentschaftskandidat Norbert Näf. 

Tim Naef
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Nach Facebook und Twitter gibt es nun auch auf Instagram gefälschte Profile. (Bild: Raphael Rohner)

Nach Facebook und Twitter gibt es nun auch auf Instagram gefälschte Profile. (Bild: Raphael Rohner)

«Hallo, kannst du mir deine Telefonnummer geben :-)», heisst es auf dem Smartphone-Bildschirm. Es ist eine Direktnachricht von einem eigentlich bekannten Instagram-Freund. Kurz darauf eine zweite Nachricht: «Handy nummer bitte», gefolgt von: «nur für WhatsApp», «Keine Sorge?». Und zum Schluss noch einmal: «Handy nummer bitte». Die Orthographie ist zumindest fragwürdig. 

(Bild: Screenshot Instagram)

(Bild: Screenshot Instagram)

Spätestens jetzt sollten die Alarmglocken schrillen: Es könnte sich um ein dupliziertes Profil handeln. «Dieses Problem gibt es nicht nur bei Instagram», sagt Andreas Göldi, Experte für zum Thema Datenschutz. «Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter müssen sich schon seit längerem mit Fake-Profilen herumschlagen.» Nun habe das Phänomen auch auf Instagram Fuss gefasst. Die Betrüger hätten es dabei meist auf persönliche Daten abgesehen.    

Gut gemachte Fälschungen

Göldi empfiehlt bei jeder Anfrage oder Kontaktaufnahme dreimal hinzuschauen. «Vor allem wenn es um persönliche Daten geht, sollte man übervorsichtig sein.» Meist sei ein gefälschtes Profil nur schwer zu erkennen.

Ein Beispiel dafür liefert das gefälschte Profil des St.Galler Stadtpräsidenten Thomas Scheitlin. Sowohl das Original, als auch die Fälschung kommen mit dem selben Bild daher und auch die Berufsbezeichnung wurde übernommen: Mayor City of St.Gallen. Einzig beim Namen gibt es einen kleinen Unterschied. Doch sehen Sie selbst:

Hinweis an alle App-User: Klicken Sie auf «dieses Element anzeigen», um zum Bildvergleich zu gelangen.

Das gefälschte Profil von Thomas Scheitlin

Ein weiteres Beispiel für ein sogenanntes Fake-Profil liefert Norbert Näf, Kandidat für das Gemeindepräsidium Wittenbach. Dieser warnt sogleich seine Follower: 

«Spammer und Hacker zahlen gutes Geld für Handynummern»

«Vor allem bei Prominenten sollte man stets die Verifizierung überprüfen», so Göldi. Diese Profile würden von den Plattformen überprüft und mit einem blauen Haken versehen. «Bei Privatpersonen hat man diese Möglichkeit nicht. Da muss man einfach genau hinschauen.»

Meist gehe es den Betrügern um Kreditkarteninformationen oder wie in den aktuellen Fällen um Handynummern. «Für Privatnummern zahlen Spammer gutes Geld», sagt Göldi. Und auch für Hacker seien Handynummern interessant. «Kürzlich haben Hacker versucht, mit gestohlenen Handynummern Verifikations-Prozesse bei Kreditkartentransaktionen auszutricksen.» 

Was tun, wenn Daten weitergegeben wurden?

(tn) Falls Sie vertrauliche Daten preisgegeben haben, nehmen Sie umgehend Kontakt mit Ihrem Dienstleistungsanbieter (Finanzinstitut, Provider oder E-Mail-Dienst) auf und schildern Sie Ihre Situation, damit Sie die Kontrolle über Ihre Daten wieder erlangen. Melden Sie den Phishing-Angriff ausserdem MELANI über das entsprechende Meldeformular

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