Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Glosse

Von Rechten und Fiesen, oder: Wie Frau Martullo vom Klimawandel befallen wurde

Kurz vor den Wahlen entdeckt nach der FDP auch noch die SVP den Klimawandel - und stellt dabei alle in den Schatten. Aber nicht so, wie Sie jetzt denken. Eine Glosse.
Henry Habegger

Böse Zungen sagen, die beiden grossen bürgerlichen Parteien SVP und FDP hätten das Thema Klima in den letzten Jahren verschlafen. Das ist falsch. Es sind nette Zungen. Die Zungen der «Linken und Netten», die laut der SVP «die Schweiz kaputt machen». Und weil die Schweiz die SVP ist und umgekehrt, geht fatalerweise die SVP zugrunde.

Aber jetzt gibt es neue Hoffnung. Seit gestern haben FDP und SVP Klima-Boden gutgemacht, sie rissen das Steuer herum. Sie richteten, knapp drei Wochen vor den grossen Wahlen, in Bern je eine wichtige Medienkonferenz aus.

Die FDP legte dar, dass sie ihre «Versprechen in der Umwelt- und Klimapolitik erfüllt». Von einem «beispiellosen Effort» der Partei war die Rede, in nur «vier Monaten» sei eine «starke, freisinnige Umwelt- und Klimapolitik erarbeitet worden.» Das ist, kurz vor den Wahlen, eine erfrischend selbstkritische Diagnose. Sie besagt, dass es bis anhin keine «freisinnige Umwelt- und Klimapolitik» gab.

Aber jetzt geben die Freisinnigen, wohlverstanden, Klima-Gas. Und zwar ohne «Verbote, Verzicht und Selbstkasteiung», wie das Links-Grün wolle, um «sozialistische Träume vom Systemwechsel zu verwirklichen». Die bahnbrechende FDP-Erfindung zur Rettung des Klimas dagegen besteht aus «Eigenverantwortung, Innovation und Lenkung».

Wirtschaftsklimahysterie

Der Klimawandel hat auch die Köpfe der SVP-Strategen erfasst, der Temperaturanstieg ging nicht spurlos an ihnen vorbei. Neuerdings warnt auch die rechte Partei vor der Katastrophe. «Wie einst in den Jahren 2008/2009 verdüstert sich aktuell das Wirtschaftsklima», teilte SVP mit. Das klingt nach Wirtschaftsklimahysterie.

Laut der Medienmitteilung der Partei ist Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher besonders vom Wirtschaftsklimawahn betroffen. «Gegenüber dem Vorjahr sanken die Auftragseingänge bei den MEM-Betrieben im 2. Quartal um fast 20 Prozent», äusserte sich die milliardenschwere Chemieunternehmerin zu den Aussichten der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. 20 Prozent! Das ist mal eine anständige Hysterie: Die globale Erwärmung von einigen lumpigen Grad ist ein Nasenwasser dagegen. Magdalena schlägt Greta.

Wirtschaftsklimaleugner

Die SVP sieht sich leider mit Wirtschaftsklimaleugnern konfrontiert. So sieht Eric Scheidegger, der Chefökonom des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco, «keine Anzeichen für eine schwere Rezession». Auch Scheideggers Chef, SVP-Bundesrat Guy Parmelin, redet den dramatischen Wirtschaftsklimawandel schön. «Vorhersagen sind schwierig», fiel er in einem Interview mit CH Media seiner eigenen Wirtschaftsklimawandelhysterieikone in den Rücken.

Den Klimawahn werde die Bevölkerung teuer bezahlen müssen, teilte die SVP weiter mit. Schuld seien «die Linken und die Netten aller Parteien», die «unsere Wirtschaft mit immer mehr Regulierungen und Forderungen fest im Würgegriff haben.»

Die Klima-Würger gehen um. Wir dürfen immerhin hoffen, dass uns die Rechten und Fiesen am 20. Oktober mitsamt dem Klima vor den Linken und Netten retten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.