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Von Ogi bis Maurer: Wenn Viola Amherd ruft, stehen die ehemaligen Sportminister Schlange

Am 6. November feiert die Schweiz 75 Jahre Sportförderung. Bundesrätin Viola Amherd hat dafür die noch lebenden Sportminister eingeladen. Dass alle kommen, ist ungewöhnlich: Adolf Ogi, Samuel Schmid, Ueli Maurer und Guy Parmelin. Nur Ruth Dreifuss fehlt wohl.
Othmar von Matt
Viola Amherd, CVP. Leitet das VBS seit 2019.Viola Amherd, CVP. Leitet das VBS seit 2019.
Guy Parmelin, SVP. 2016 - 2018.Guy Parmelin, SVP. 2016 - 2018.
Ueli Maurer, SVP. 2009 - 2015.Ueli Maurer, SVP. 2009 - 2015.
Samuel Schmid, SVP. 2001 - 2008.Samuel Schmid, SVP. 2001 - 2008.
Adolf Ogi, SVP. 1995 - 2000.Adolf Ogi, SVP. 1995 - 2000.
Kaspar Villiger, FDP. 1989 - 1995.Kaspar Villiger, FDP. 1989 - 1995.
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Die Sportminister der letzten Jahre

«Du kannst den Sport haben», sagte ihm Innenministerin Ruth Dreifuss. Der Sport war noch Bestandteil des EDI. Und vom Justizdepartement erhielt Ogi den heutigen Bevölkerungsschutz und ein Kommunikations-Bataillon von Medienschaffenden.

Das war im Jahr 1998, nachdem Ogi das Militärdepartement 1995 übernommen hatte, das damals noch EMD hiess. Er baute das EMD bis zum Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) um. «Ich wollte einen ‹Spirit of Sport› schaffen», sagt er heute. Er habe dem Sport politisch wie gesellschaftlich Bedeutung geben wollen, «vom Breiten- bis zum Spitzensport». Ogi stand dem Schweizer Sport von 1995 bis 2000 vor.

«Nie wieder Bormio»

Auch Samuel Schmid erinnert sich bestens an seine Zeit als Sportminister (2001 bis 2008). Im Februar 2005 erlebte er die «Schweizer Nullnummer» (Swissinfo) an den Ski-Weltmeisterschaften in Bormio vor Ort mit: Die Schweiz blieb erstmals seit 39 Jahren an einem Grossanlass ohne Medaille.

Es kam zu einer Krisensitzung in Magglingen im Anschluss an die Ski-WM, unter dem Motto «Nie wieder Bormio». «Die Sportfunktionäre wollten mehr Geld», erzählt Schmid. Mehr Geld habe er aber nicht geben können. «Wir müssen andere Wege gehen», sagte er - und baute die Spitzensport-RS um: mehr Sport, weniger Militär. Er nahm auch die Sportverbände in die Pflicht: Sie mussten die Sportler in der RS trainieren.

Samuel Schmid leitete für das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Untersuchung, die zu einer Doping-Sperre Russlands für Pyeongchang 2018 führte. (Bild: Keystone)

Samuel Schmid leitete für das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Untersuchung, die zu einer Doping-Sperre Russlands für Pyeongchang 2018 führte. (Bild: Keystone)

Adolf Ogi und Samuel Schmid sind zwei der vier letzten Sportminister, welche eine Einladung der amtierenden Sportministerin Viola Amherd angenommen haben. Am 6. November feiert die Schweizer Sportförderung nämlich das 75-Jahre-Jubiläum in Magglingen. Auch Ueli Maurer (Sportminister von 2009 bis 2015) und Guy Parmelin (2016-18) haben zugesagt. Mit Maurer ist damit sogar der aktuelle Bundespräsident präsent. Nur Ruth Dreifuss (Sportministerin 1993-95) dürfte eher nicht kommen.

Ein ungewöhnlicher gemeinsamer Auftritt

Der gemeinsame Auftritt ist ungewöhnlich. «Das ist gut für den Sport», sagt Ogi. «Der Sport hat diese Aufmerksamkeit nötig, mehr denn je.» Und Bundesratssprecher André Simonazzi hält fest: «Gemeinsame öffentliche Treffen von amtierenden und ehemaligen Fachministern sind mir nicht bekannt.» Informelle Treffen ausserhalb der Öffentlichkeit hingegen gibt es. «Zweimal pro Jahr treffen sich amtierende und ehemalige Bundesräte», sagt Simonazzi.

Oft sind es Eitelkeiten, die verhindern, dass Bundesräte zusammen an die Öffentlichkeit treten. Davon lässt sich Sportministerin Viola Amherd aber nicht beeinflussen. Nach knapp einem Jahr im Amt zählt die Bevölkerung sie zwar gemäss SRG-Wahlbarometer nicht zu den zwei einflussreichsten Bundesratsmitgliedern. Dafür aber zur beliebtesten Bundesrätin. Das hat mit ihrer direkten und unprätentiösen Art zu tun.

Amherds erster grosser Auftritt als Sportministerin

Noch hat Amherd nur ansatzweise gesagt, welche Richtung sie mit dem Schweizer Sport einschlagen will. Der 6. November ist ihr erster grosser öffentlicher Auftritt als Sportministerin. Die Sportwelt erwartet, dass sie an diesem Tag Pflöcke einschlagen wird.

Vier Themen, das ist schon jetzt klar, sind Viola Amherd als Sportministerin besonders wichtig: Frauenförderung, Ehrenamtlichkeit, Nachhaltigkeit und Gewaltlosigkeit. In Sachen Frauenförderung hat auch die Sportwelt Nachholbedarf. An der Eidgenössischen Hochschule für Sport sind nur gut ein Drittel der Studierenden Frauen.

Sehr schnell reagiert hat die Sportministerin auf Fangewalt. Nach den Vorfällen von Sion und Luzern, als GC-Fans einen Spielabbruch tatsächlich oder beinahe erzwangen, lud sie die Präsidenten des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) und der Swiss Football League (SFL) zu einem Austausch ein. Sie schlug vor, konsequenter Stadionverbote zu erteilen und die Zusammenarbeit von Klubs und Behörden zu verbessern.

Als Adolf Ogi die Spitzensport-RS schuf

«Der Sportsgeist und damit Magglingen vereinigt und verbindet», sagt Christoph Lauener, Mediensprecher des Bundesamts für Sport (Baspo), das den Anlass organisiert. Am 6. November wird SRF-Moderatorin Sonja Hasler die ehemaligen Sportminister als Zeitzeugen zur Entwicklung des Sports befragen. Auch Adolf Ogi und Samuel Schmid.

Adolf Ogi gratuliert 1993 Ruth Dreifuss zur Wahl in den Bundesrat. Von ihrem Innenministerium übernimmt Ogi 1995 den Sport ins heutige VBS. (Bild: Keystone)

Adolf Ogi gratuliert 1993 Ruth Dreifuss zur Wahl in den Bundesrat. Von ihrem Innenministerium übernimmt Ogi 1995 den Sport ins heutige VBS. (Bild: Keystone)

Ogi wird sicher davon erzählen, dass er in seiner Amtszeit die Spitzensport-Rekrutenschule einführte, die Magglinger Landsgemeinde schuf (die später zum Magglinger Tag umfunktioniert und dann abgeschafft wurde), das erste sportpolitische Konzept schrieb und 1998 und 1999 die Eidgenössische Sportschule Magglingen zur Fachhochschule machte, gleichzeitig das Bundesamt für Sport (Baspo) und weiteres schuf.

«Je bouge, donc je suisse»

Und Schmid wird den Breitensport betonen. «Ich legte in meiner Amtszeit Wert auf den Breitensport», sagt er. «In den letzten Jahren ging etwas vergessen, dass die Bundesverfassung ihn erwähnt.» In Anlehnung an die Sprüche des Westschweizer Künstlers Ben Vautier («La Suisse n'éxiste pas»; «Je pense, donc je suisse») an der Weltausstellung von Sevilla 1992 kreierte Schmid als Bundesrat das Bewegungsprogramm «Je bouge, donc je suisse».

Samuel Schmid wäre aber nicht Samuel Schmid, wenn er die Bedeutung des Sportministers für Medaillen nicht augenzwinkernd relativieren würde. «Was hat denn ein Departementschef für eine Bedeutung, wenn ein Sportler eine Medaille gewinnt?», fragt er lakonisch. Seine Antwort: «Der Koch des Teams ist viel wichtiger. »

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