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Von Erzsozialisten und Kuchenbäckern

Die Katze ist aus dem Sack: Die britische Labour-Partei hat einen neuen Anführer.
Gabriel Felder (Bild: Gabriel Felder)

Gabriel Felder (Bild: Gabriel Felder)

Die Katze ist aus dem Sack: Die britische Labour-Partei hat einen neuen Anführer. Genau genommen war die Katze gar nie im Sack und genauer genommen ist der Gewählte gar nicht neu: Jeremy Corbyn war vor einem Jahr schon einmal ins höchste Amt der «offiziellen Oppositionspartei Ihrer Majestät» gewählt worden. Seine Wiederwahl war so gut wie eine beschlossene Sache – eine Krönungsfeier sozusagen. Und von aussen betrachtet ein Sturm im ideologischen Wasserglas.

Labour zerriss sich während eines heissen politischen Sommers von innen, mit linksradikalen Splittergruppen im Aufwind und dem gemässigten Flügel der Partei mächtig am Rudern. Der charismatische Corbyn – eine Vaterfigur vor allem für junge Idealisten – bot eine Alternative zu überpoliert wirkenden Berufspolitikern. Seine Art zu politisieren nennt er «netter, ehrlicher und sanfter», fernab von den üblichen Grabenkämpfen. «Persönliche Angriffe sind nicht mein Ding», wird er nicht müde zu deklarieren, unabhängig vom schweren Geschütz, das in seine Richtung schiesst und oft aus den eigenen Reihen stammt.

Die Mehrzahl seiner eigenen Parlamentsmitglieder sprach sich in einem Misstrauensantrag gegen ihn aus, und es galt als Zeichen von Corbyns Standhaftigkeit, dass er sich davon nicht von seinem Kurs abbringen liess. Andere Stimmen kritisierten ihn als «sturen Kopf», der nicht einsehen wolle, dass die Zeiten sich geändert haben und erzsozialistische Ideen wie die Wieder-Nationalisierung der Eisenbahn im Jahre 2016 keine Relevanz haben. Corbyn wird vorgeworfen, dass sein Politprogramm zwar von einer linken Garde lautstark bejubelt wird – die britische Labour-Partei gilt mit über einer halben Million Mitgliedern nun als grösste Partei Europas –, bei einer breiteren Wählerschicht allerdings auf Ablehnung stösst. «Ich bin nicht interessiert an einer Protestbewegung», liess Corbyns Gegenkandidat in der Labour-Leaderwahl, Owen Smith, verlauten: «Wir müssen Wahlen gewinnen, um unsere Ideen als glaubwürdige Regierungspartei umsetzen zu können.» Ironischerweise gewann Smith eine Umfrage, die die Glaubwürdigkeit als Premierminister auf den Prüfstand stellte: Eine Mehrheit konnte sich Smith besser vorstellen im Regierungssitz von Downing Street. Corbyn steht auf jeden Fall unter enormem Druck, seine Botschaft von einer sozial faireren Nation massentauglich zu machen.

Labour wird ganze Heerscharen von konservativen Wählern davon überzeugen müssen, dass Corbyns Vision eines «Kapitalismus, der für alle funktioniert», politisch wie auch ökonomisch was taugt. Selbst die umstrittene Pro-Corbyn-Lobbygruppe Momentum spricht von einer «monumentalen Aufgabe», die nur gelingen kann, wenn die abtrünnigen Parlamentsmitglieder dem Ruf nach Einheit und Disziplin folgen. Viel Zeit bleibt nicht.

Die Stimmung innerhalb der Labour-Partei gleicht im Moment einem Kuchenteig: Süss mischt sich mit salzig, und es braucht starke Hände, die Masse in die richtige Form zu kneten. Und damit wären wir beim zweiten Drama, das die englische Volksseele bewegt derzeit: Die populärste TV-Sendung des Landes, «The Great British Bake-Off», wechselt von der BBC zu einem Privatsender. Der nostalgisch wirkende Wettstreit um Kuchen und Brote passte wie angegossen zum «Tantchen», wie die BBC im Volksmund liebevoll genannt wird. Niemand weiss, ob das Format im Haifischbecken der freien Marktwirtschaft Überlebenschancen hat. Jeremy Corbyn kennt das Gefühl wohl nur allzu gut.

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