Volles Rohr: Diese Klima-Sünder sorgen in Genf für hitzige Gemüter

In der Rhonestadt ist die Hitzewelle dieser Tage besonders stark zu spüren. Viele kleine Shops greifen deshalb zu mobilen Klima-Kühlgeräten. Doch bei der Handhabung hapert es gewaltig.

Benjamin Weinmann, Genf
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Energieeffizienz sieht anders aus: In Genf scheinen nicht alle Shopbetreiber zu wissen, wie Klimageräte korrekt einzusetzen sind.

Energieeffizienz sieht anders aus: In Genf scheinen nicht alle Shopbetreiber zu wissen, wie Klimageräte korrekt einzusetzen sind.

Benjamin Weinmann

Die Genfer sind am Schwitzen. Seit Wochen liegen die Temperaturen regelmässig auf höherem Niveau als im Rest der Schweiz. Und seit Freitag ist eine erneute Hitzewelle von mindestens fünf Tagen am Stück mit über 30 Grad angesagt. Vor allem in der Innenstadt, welche von mehrstöckigen Beton-Häusern und engen Strassen geprägt ist, ist die Gluthitze besonders stark zu spüren.

Kein Wunder greifen viele der kleinen Lebensmittelshops und Shisha-Bars zur kühlenden Klimaanlage. Doch weil eine professionelle Installation eine behördliche Bewilligung benötigt und sehr teuer ist, kommen vielerorts mobile Klimaanlagen zum Einsatz. Bei der Handhabung scheint das Umweltbewusstsein bei vielen Genfer Shop-Betreibern allerdings nicht allzu gross zu sein. Regelmässig trifft man als Passant auf das gleiche Bild: Das Klimagerät steht direkt beim Eingang, das Rohr, das die warme Luft nach aussen strömt, liegt am Boden auf die Strasse gerichtet – und die Eingangstür ist sperrangelweit geöffnet. Energie-Effizienz sieht anders aus.

Genfer Politiker übt Kritik

Pierre Eckert, Fraktionschef der Grünen im Genfer Grossrat und Mitglied der Energiekommission, spricht von einer «grossen Energieverschwendung» vergleichbar mit offenen Türen von geheizten Läden im Winter. «Diese Klimaanlagen erfüllen die energetischen Vorgaben definitiv nicht», sagt Eckert. Allerdings sei er sich bewusst, dass das Energiedepartement des Kantons notorisch unterbesetzt sei, und eine effektive Kontrolle deshalb nicht möglich sei.

Auch dieses Genfer Geschäft nimmt es mit der korrekten Handhabung nicht so genau.

Auch dieses Genfer Geschäft nimmt es mit der korrekten Handhabung nicht so genau.

Benjamin Weinmann

Kommt hinzu: Mobile Klimaanlagen benötigen keine kantonale Autorisierung. «Es bräuchte eine Gesetzesänderung auf nationaler Ebene», sagt Eckert. Er prüft nun einen parlamentarischen Vorstoss, um Genfs Regierung Fragen bezüglich der Kontrolle zu stellen, und sich für ein höheres Budget des Energiedepartements einzusetzen.

Gemeinden und Kantone sind gefordert

Georg Klingler, Klima-Experte bei der Umweltorganisation Greenpeace Schweiz, sagt, er habe ähnliche Situationen auch schon beobachtet. «In Städten wie Zürich, Basel oder Bern scheinen diese mobilen Klima-Anlagen aber nicht sehr verbreitet.» Er empfiehlt den Genfer Geschäftsinhabern zuerst Beschattungsmassnahmen zu prüfen und zudem die Energieberatung der Stadt zu beanspruchen. «Viele Städte haben ehrgeizige Energieziele und kein Interesse an Energieverschwendung.»

Zudem nimmt Klingler die Gemeinden und Kantone in die Pflicht. «Sie sollten sich definitiv mit der Hitze auseinandersetzen, denn das Problem wird sich leider wegen des mangelnden Klimaschutzes verschlimmern.» Dabei sei ein ganzheitlicher Ansatz wichtig, der schon beim Städtebau mit schwarzem Teer auf den Strassen beginnt.

SP-Politiker verteidigt die gebeutelten Händler

Rückendeckung erhalten die Genfer Shop-Inhaber von SP-Grossrat Diego Esteban. Es sei natürlich problematisch, wenn die Anlagen auf diese Art genutzt würden. Wenn aber keine andere Lösung zur Hitzelinderung möglich sei, könnten solche Geräte sinnvoll sein. Auch sollen derzeit keine Sanktionen in Betracht gezogen werden, da die lokale Wirtschaft im Zuge der Corona-Krise Unterstützung benötige. Wichtiger sei, dass die Behörden in den Ersatz von umweltschädlichen Heiz- und Kühlsystemen investierten und sicherstellten, dass jeder Neubau die bestmögliche Energie-Effizienz aufweist.

Eine Sprecherin der Stadt Genf sagt in Bezug auf die Klima-Sünder, man habe rechtlich keine Möglichkeiten, zu intervenieren. Und der Kanton? Cédric Petitjean, Direktor des Energiedepartements, verweist ebenfalls darauf, dass mobile Klimaanlagen nicht autorisiert werden müssen im Gegensatz zu solchen, die fix im Gebäude installiert werden. Allerdings gebe es seitens des Kantons Empfehlungen. So heisst es in einer Broschüre klar, dass man die Türen und Fenster von klimatisierten Räumen schliessen soll. Eine Botschaft, die in Genf noch nicht überall angekommen ist.

Viele kleine Geschäfte in Genf leiden unter der Corona-Krise, da vor allem die Touristen als Klientel wegbleiben. Hinzu kommt nun die Hitzewelle.

Viele kleine Geschäfte in Genf leiden unter der Corona-Krise, da vor allem die Touristen als Klientel wegbleiben. Hinzu kommt nun die Hitzewelle.

Benjamin Weinmann
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