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Interview

VöV-Direktor Ueli Stückelberger: «Fliegen muss teurer werden, aber Zugfahren nicht per se billiger»

Der Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV), Ueli Stückelberger, verteidigt im Interview mit CH Media die Diskussion über eine Verteuerung des Generalabonnements. Eine Kundengruppe will er unbedingt nicht verärgern.
Pascal Ritter
Ueli Stückelberger, Direktor Verband öffentlicher Verkehr, fotografiert am Bahnhof Bern. (Bild: Jakob Ineichen, 7. Juli 2017)

Ueli Stückelberger, Direktor Verband öffentlicher Verkehr, fotografiert am Bahnhof Bern. (Bild: Jakob Ineichen, 7. Juli 2017)

Die Verkehrsbetriebe der Schweiz diskutieren über Pläne, das Generalabonnement (GA) zu verteuern. Ab 2021 soll die freie Fahrt im öffentlichen Verkehr jährlich 4250 Franken statt bisher 3860 Franken kosten.

Wie der «Beobachter» berichtet, sind auch der Studentenrabatt für über 25-Jährige und die Gemeinde-Tageskarten in Frage gestellt. Dies geht aus einer Vorlage für die Sitzung des strategischen Ausschusses von CH-Direct hervor. CH-Direct legt als nationale Tariforganisation des öffentlichen Verkehrs die Preise fest.

Das Generalabo ist äusserst beliebt. Ganze 494'058 Stück sind davon im Umlauf. Die treusten Zugfahrer erlebten bereits in der Vergangenheit eine Verteuerung. So kostete das GA im Jahr 1990 noch schlappe 2150 Franken. Mit den aktuellen Plänen würde sich der Preis für das GA also innerhalb von 30 Jahren verdoppelt haben.

Die Redaktion von «CH Media» sprach mit Ueli Stückelberger, dem Präsident des Verbandes öffentlicher Verkehr, über die bekannt gewordenen Erhöhungspläne.

Herr Stückelberger, was halten Sie von der Idee, das GA auf 4250 Franken zu erhöhen?

Ueli Stückelberger: Zuerst will ich klarstellen, dass man nicht isoliert eine mögliche Massnahme diskutieren kann. Wir wollen einen bezahlbaren öffentlichen Verkehr. Das ist die Kernaussage. Die Branche macht sich dauernd Überlegungen zum Sortiment, dies muss sie auch. Zu Recht wird auch breit gedacht. Dabei muss am Schluss das Gesamtpaket stimmen. Grundsätzlich wollen wir den öffentlichen Verkehr attraktiver machen. Die Rückmeldungen der Kunden zeigt uns, dass von einigen vor allem der volle Preis einer Zugfahrt als zu teuer empfunden wird. Das GA ist trotz Preiserhöhungen in der Vergangenheit beliebter als je und die Nachfrage steigt weiter.

Also ist es in Ordnung, wenn man das GA teurer macht und dafür das einzelne Billett billiger?

Ich kann nur sagen, dass das Preis-/Leistungsverhältnis des GA phänomenal ist. Man bekommt für unter 4000 Franken die volle Mobilität, also den Gegenwert für die Kosten eines Autos und dessen Unterhalt. Wie gesagt kommt es auf das Gesamtpaket an. Natürlich würde niemals jemand sich je beschweren, dass das GA zu billig ist. Aber die hohe Nachfrage zeigt, wie attraktiv das Angebot ist.

Die Jugend demonstriert für Massnahmen gegen den Klimawandel. Wer fliegt, wird kritisiert. Das ist doch der falsch Moment, um die Ticketpreise für die treuesten Kunden zu erhöhen.

Grundsätzlich ist Fliegen viel zu billig und der Zug tatsächlich die perfekte Alternative. Es sind aber die CO2-verursachenden Verkehrsmittel, die teurer werden müssen. Der ÖV heute ist nicht per se zu billig. Unser Fokus muss darauf liegen, den öffentlichen Verkehr durch Verbesserungen des Angebots attraktiver zu machen, etwa bessere Verbindungen ins Ausland oder ein einfacherer Ticketbezug.

Sie sprechen von einem Gesamtpaket. Bekannt wurde, dass das GA teurer, Gemeinde-Tageskarten und der Studentenrabatt für über 25-Jähriege abgeschafft werden sollen. Welche anderen Massnahmen sind denn als Ausgleich auf dem Tisch?

Die Diskussionen sind in vollem Gang. Zu einzelnen Massnahmen sage ich nichts. Am Schluss haben die Organe von CH-Direct zu entscheiden. Einig ist man sich aber, dass man die Jugend für den öffentlichen Verkehr gewinnen will. Stichwort das neue Gleis 7 (24/7). Zudem soll das Freizeitangebot ausgebaut werden. Mit dem Modulabo (Halbtax, das an einigen Tagen zum GA wird) hat man einen ersten wichtigen Schritt schon gemacht.

Was ist mit dem Senioren-GA. Wird das auch in Frage gestellt?

Nein, das steht nicht im primären Fokus. Wir möchten ja nicht eine grosse Kundengruppe einfach verärgern.

Laut dem bekannt gewordenen Papier, sollen die intensiven Nutzer mehr bezahlen. Geht es nun Richtung Mobility Pricing. Soll also für die tatsächlich gefahrene Strecke bezahlt werden?

Ein umfassendes Mobility Pricing lehnen wir ab. Wir stehen zu den beliebten Abonnementen, wie das GA, Halbtax und die Verbundabonnemente. Es darf nicht sein, dass Pendler und Schüler bestraft werden. Wir setzen auf freiwillige Massnahmen. Umgekehrt müssen wir die Nutzer durch Rabatte auf weniger gut ausgelastete Verbindungen umlenken. Das passiert jetzt schon durch die Spar-Billette.

Mitarbeiter des Öffentlichen Verkehrs und zum Teil ihre Familien profitieren von Gratis-GAs oder stark vergünstigen GAs. Wenn die GAs für den Normalverbraucher teurer werden, wird die Diskussion darüber wieder aufflammen.

Der Verband Öffentlicher Verkehr und die öV-Branche stehen zu den Fahrvergünstigungen fürs Personal. Überlegungen zum Sortiment haben mit den Fahrvergünstigungen fürs Personal keinen direkten Zusammenhang.

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