Kommentar

Virtuelle Tat, reale Folgen

Die vom Bundesamt für Statistik veröffentlichten Zahlen zeigen eigentlich eine positive Entwicklung. Social-Media-Delikte erreichten aber Höchstwerte. Dass digitale Straftaten oft als Kavaliersdelikt gelten, ist eine Fehleinschätzung.

Yannick Nock
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Von einem Spiegelbild der Realität, vom virtuellen Raum oder von einer Parallelwelt wird häufig gesprochen, wenn es um die sozialen Medien geht. Doch das stimmt nicht. Es ist keine Welt neben der realen, die virtuelle Tat ist die Realität. Die Entwicklung schlägt sich in der Kriminalstatistik nieder: Während die Zahl der gemeldeten Straftaten insgesamt zum sechsten Mal in Folge gesunken ist, sind die Social-Media-Delikte explodiert. Anzeigen wegen Gewaltdarstellungen, Pornografie und Ehrverletzungen nehmen stark zu. Gerade Jugendliche geraten wegen der Verbreitung von illegalen Inhalten zunehmend ins Visier der Justiz.

Dass digitale Straftaten wie Cybermobbing oft als Kavaliersdelikt gelten, ist eine Fehleinschätzung. Obwohl keine frühere Generation mit der digitalen Welt so vertraut ist wie die heutige, müssen Eltern und Lehrer auf die Gefahren hinweisen. Denn Beleidigungen im Netz können Jugendliche härter treffen, als es manche Anfeindung ins Gesicht tut. Das hat mehrere Gründe. Erstens endet das Mobbing nicht mehr im Klassenzimmer oder auf dem Schulgelände. Jeder kann die Beleidigungen lesen und weiterverbreiten. Zweitens vergisst das Netz nicht. Jahre später lassen sich die Anfeindungen noch finden. Und drittens ist die Enthemmung im Internet grösser, die Beleidigungen sind härter. Das belegen nicht nur Studien, ein Blick in die Kommentarspalten der grossen Newsportale reicht.

Einbrüche haben abgenommen, weil die Leute das Problem ernst genommen und sich besser geschützt hätten, sagt der oberste Polizeikommandant der Schweiz. Nun gilt es, die digitale Gefahr ernst zu nehmen.