Kampfjet-Abstimmung

Viola Amherd: «Die leuchtenden Augen der Armee-Generäle sind mir egal»

Sie wird als revolutionäre Armeechefin gefeiert und weibelt ersten Umfragen nach erfolgreich für neue Kampfflugzeuge. Mit ihrer Kampfjet-Kampagne schafft sich Bundesrätin Viola Amherd aber auch Gegner. In der Sendung «TalkTäglich» der TV-Sender von CH Media hat sie sich den kritischen Fragen gestellt.

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Viola Amherd über ...

... leuchtende Augen bei Armee-Generälen

Moderator und TV-Chefredaktor Oliver Steffen sieht die Augen der Luftwaffen-Generäle bereits leuchten, etwa angesichts des F35, eines topmodernen US-Kampflugzeuges mit Tarnkappenfunktion. Viola Amherd bleibt cool: «Ich kümmere mich nicht um die leuchtenden Augen der Luftwaffen-Generäle, die sind mir egal. Mir geht es um den Schutz der Bevölkerung und darüber stimmen wir auch ab.»

... den Einsatz von günstigeren Trainingsflugzeugen

«Auch die Aufgaben der Luftpolizei kann man nicht mit sogenannten Trainingsflugzeugen machen, dafür braucht es Kampfjets.» – «Die Gegner sagen etwas anderes», insistiert Steffen. Amherd kontert: «Als ich dieses Departement und damit dieses Dossier übernommen habe, habe ich mir gesagt, dass ich dazu auch noch eine neutrale Meinung einholen will. Also habe ich Astronaut Claude Nicollier eingeladen und er ist genau zum gleichen Schluss gekommen. Weil, die leichten Trainingsflugzeuge können zu wenig schnell, zu wenig hoch fliegen und verfügen auch nicht über den notwenigen Radar. Nicht ein einziges Land setzt solche leichten Jets für den Luftpolizeidienst ein.»

Am 27. September stimmen die Schweizer Stimmberechtigten über fünf Vorlagen ab. Eine davon ist der Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge. Darum geht es:

... über den Einsatz von unbemannten Drohnen anstelle von Kampfjets

Weshalb kauft die Schweiz keine Drohnen?, fragt Oliver Steffen. Das wäre viel zukunftsgerichteter. Schliesslich habe sogar US-Technik-Pionier Elon Musk gesagt, Kampfjets seien eine aussterbende Art. Amherd: «Drohnen haben einen wichtigen Nachteil: Sie sind unbemannt. Als ich mein Amt angetreten habe, musste ich in Dübendorf eine Schulung absolvieren. Denn sollte der Schweizer Luftraum bedroht werden, muss ich als Verteidigungsministerin entscheiden, ob ein Flugzeug abeschossen werden soll oder nicht. Ich weiss nicht, wie wohl es Ihnen wäre, wenn Sie dieses einfach mit einer Drohne abschiessen würden, ohne zu wissen, was die Ursache ist. Es könnte ja auch sein, dass es dem Piloten schlecht geworden ist. Mit einem Kampfjet hat man die Möglichkeit, sich ein Bild vor Ort zu machen. Aufgrund dieser Fakten kann man dann entscheiden. Denn in so einem Flugzeug sind immer Menschen, diese kommen zu schaden und das Flugzeug fällt irgendwo auf den Boden in unserem dicht besiedelten Land.» Viola Amherd glaubt daran, dass es möglich sein kann, unbemannte Drohnen dereinst sehend zu machen. Doch dafür sei die Technik noch nicht weit genug entwickelt.

... zum Klimaschutz

Oliver Steffen zitiert ein weiteres Argument der Gegner: Kampfjets produzieren eine Menge CO2. «Ich glaube, eine Flugstunde ist etwa mit 100'000 Autokilometern gleichzusetzen. Stört sie das nicht?» Jetzt zeichnet sich auf dem Gesicht der Bundesrätin ein Lächeln ab. «Es ist ja selbstverständlich, dass man Kampfjets nicht kauft, um Umweltschutz zu betreiben», sagt sie. Und erwähnt noch einmal, dass sie das Verteidigungsdepartement in anderen Bereichen zum ökologischen Vorzeigedepartement machen will. Und: «Die Luftwaffe verbraucht rund drei Prozent des gesamten Kersoins der Schweizer Luftfahrt.» (smo)

Sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit Viola Amherd in voller Länge: